Eine Apotheke braucht fast jeder von Zeit zu Zeit, ob alt oder jung, männlich oder weiblich, gesund oder krank. Das gilt für alle, eben auch für die, die ihren eigentlichen Wohnsitz nicht hier haben, gerade erst angekommen sind oder schlichtweg Urlaub in Deutschland machen. Oftmals sorgen klimatische Veränderungen oder fremde Gewürze im Essen dafür, dass der Körper verrücktspielt und daher ein Medikament benötigt. Dieser Artikel soll darauf hinweisen, wie wichtig es ist, darauf vorbereitet zu sein, dass auch fremdsprachige Kunden die Apotheke betreten. Natürlich können deshalb nicht alle Mitarbeiter über Nacht zu Multisprachtalenten werden, es lohnt sich jedoch, sich einmal Gedanken darüber zu machen, ob eine Investition in das Erlernen einer zweiten Sprache nicht sinnvoll für Deine Apotheke werden könnte.

 

Je mehr, desto besser



Doch es geht um mehr als Zweisprachigkeit. Vor allem geht es um ein Basiswissen an Begriffen und Termini in einer Vielzahl von Sprachen. Stelle Dir nur einmal vor, Du investierst ein halbes Jahr in einen Spanischkurs und hast plötzlich nur noch französische Kunden. Zeit und Geld wären verschwendet und so schön es auch ist, eine Fremdsprache wirklich zu beherrschen, hier geht es doch mehr um die Nützlichkeit in der Welt der Apotheke. Doch keine Sorge: Das soll nicht heißen, dass Du nun jede Sprache dieser Welt lernen sollst für den unwahrscheinlichen Fall, dass ein Einwohner Sibiriens in Deine Apotheke kommt und sich partout weigert, irgendetwas anderes als Tschulymisch zu sprechen (weltweit nur wenige hundert Sprecher). Vielmehr heißt es, dass es lohnenswert ist, sich darüber Gedanken zu machen, wie Du eine möglichst leicht zugängliche Übersetzung für eine Vielzahl von Sprachen speziell für den medizinischen Bereich in Deiner Apotheke zur Verfügung stellen kannst. Praktische Tipps und Inspirationen hierzu findest Du in unserem ergänzenden Beitrag zu diesem Thema im internen Bereich.

 

Menschen aus aller Welt brauchen medizinische Versorgung



Warum das so wichtig ist? Wie schon erwähnt gibt es in jedem Land Menschen anderer Herkunft, die eine Apotheke aufsuchen. Das kann die gerade angekommene Flüchtlingsfamilie sein, die Impfstoffe für die Kinder benötigt, der Gastarbeiter, der sich auf dem Bau in den Finger geschnitten hat, der Urlauber, der die deutsche Kost nicht verträgt, die Austauschstudentin, die die „Pille“ verloren hat und nun eine neue braucht, und, und, und. In allen diesen Fällen geht es vorrangig darum, das medizinische Bedürfnis schnellstmöglich, professionell und vertraulich zu versorgen. Schließlich hat jeder Mensch das Recht auf eine medizinische Versorgung und eine Sprachbarriere sollte da kein Hindernis darstellen.

 

Erschwerte Kommunikation



Sollte. Leider tut sie das sehr oft doch. Vielleicht warst Du sogar selbst schon einmal in so einer Situation. Irgendwo in einem kleinen Ort in Nepal, der Magen streikt und niemand in der Apotheke spricht ein Wort Englisch oder Deutsch. Magen-Darm-Virus lässt sich zumindest noch pantomimisch darstellen, wenn dies auch oft nicht gerade angenehm ist. Was aber, wenn Du verdeutlichen möchtest, dass Du unter Migräne leidest und normale Kopfschmerzmittel nicht helfen? Du kannst Dir in diesem Fall noch so oft den Kopf theatralisch-dramatisch halten, ohne eine Übersetzung wird es recht schwierig, den Unterschied zwischen Migräne und Kopfschmerz darzustellen. Es geht also in einigen Fällen nicht ohne begriffliche Erklärung.

 

Hilfe aus dem Reiseführer



Aus diesem Grund haben viele Reiseführer ein Kapitel mit den wichtigsten Begriffen und Sätzen. Von „Hallo, ich heiße…“ bis hin zu „Ich brauche ein Mittel gegen Erkältung“ werden meist alle gängigen Phrasen behandelt. Fremdsprachige Patienten könnten also einen Reiseführer befragen. Was jedoch, wenn das medizinische Problem komplexer ist als Kopfschmerzen oder Erkältung? Letzten Endes würden die meisten wohl die Begriffe googeln. Ist man in dem Land jedoch fremd, beherrscht die Aussprache nicht oder hat keinen Zugang zum Internet, kann dies dazu führen, dass ein Apothekenbesuch einfach aus Schüchternheit oder Angst aufgeschoben wird.

 

Service für den Kunden



Dies gilt es zu verhindern. Das Ziel ist es schließlich, den Kunden entgegenzukommen, ihnen Arbeit abzunehmen und ihnen ein positives Gefühl zu vermitteln. Warum also dem Kunden nicht auch die Sprachbarriere verringern? Ob dies durch das Erlernen einer Fremdsprache geschieht (oftmals hilft schon Englisch bei der Verständigung), mit einem Wörterbuch, bildlichen Darstellungen oder digitalen Tools, der Kunde wird sich sicherer und aufgehoben fühlen und das Serviceerlebnis wird ihn an Deine Apotheke binden. Tatsächlich ist Mehrsprachigkeit ein Vorteil, den jede Apotheke leicht herausarbeiten und bewerben kann, was im Endeffekt nicht nur den Kunden glücklich macht, sondern Dir als Apotheker auch einen Wettbewerbsvorteil verschaffen kann. Du siehst also: Mehrsprachigkeit und die Investition in Übersetzungshilfen kann sich für Deine Apotheke rentieren und dabei noch Menschen ihre Ängste nehmen und ihnen dabei helfen, auch in einem fremden Land gesund zu werden oder zu bleiben und sich willkommen zu fühlen.