Was bedeutet Digitalisierung? – Herausforderungen und Chancen für Apotheken

 

Dass die Blockchain-Technologie große Chancen für den Gesundheitsmarkt birgt, darüber haben wir diesen Monat schon im APOTHEKEN FACHKREIS berichtet.
Die Blockchain-Technologie ist aber nicht die einzige Entwicklung auf dem digitalen Markt, die der Gesundheitsbranche neue Türen und Tore öffnet. Ob in der Kundenbetreuung, der Optimierung von Qualitäts- und Compliance-Prozessen, der Medikamentenforschung oder auf anderen Gebieten der Medizin, Die Digitalisierung bahnt sich ihren Weg und bringt immer neue Möglichkeiten mit sich, sie in der Medizin und somit auch in der Apotheke einzusetzen. Nachfolgend einige Ansätze dazu. Natürlich freuen wir uns immer über Feedback dazu!

 

KI – künstliche Intelligenz

Die künstliche Intelligenz (auch artificial intelligence) entwickelt sich rasend schnell weiter. Schon vor über 50 Jahren gab es Chatbots, die ähnlich wie Menschen reagierten (wie zum Beispiel die berühmte ELIZA oder Krankenschwester Louise) und auf dem medizinischen Markt als Helfer agierten. Wir berichteten darüber schon in früheren Artikeln (https://www.apotheken-fachkreis.de/2017/07/21/healthbots-digitale-berater-in-medizinischen-fragen/).
Chatbots sind nur eine Möglichkeit, künstliche Intelligenz einzusetzen. Sie können Kundenfragen beantworten und die Betreuung auch nach Ladenschluss übernehmen. Sie haben ein großes Wissen und lernen stets durch ihre eigenen Erfolge und Fehler dazu. Schon heute wird (meist im englischsprachigen Raum) damit experimentiert, Chatbots als Doktoren einzusetzen, da sie viel neutraler urteilen können als Menschen. Ob das wünschenswert ist oder nicht, steht noch immer zur Debatte, schließlich machen einen echten Arzt oder einen echten Apotheker ja gerade die Menschlichkeit aus, das Mitgefühl und die Erfahrung, die er in seine Beratung und Behandlung steckt. Dennoch wird künstliche Intelligenz zukünftig eine große Rolle in der Entscheidungsfindung und der Patientenbetreuung spielen, vorerst zum Glück nur beratend und nicht entscheidend.

 

3D-Technologie

Es ist tatsächlich möglich! Und zwar schon heute. Hüftgelenke werden in Minutenschnelle zu maßgeschneiderten Prothesen und ermöglichen dem Träger somit eine ganz neue Lebensqualität. Wie? Durch Laserdruck in 3D-Form.
Vorgestellt wurde der noch recht frische Erfolg erstmals auf der 4. eHealth Lounge des Clusters Gesundheitswirtschaft Hamburg. Philipp Glockner vom Laser Zentrum Nord stellte die Neuheit vor und erklärte, die neue Technik würde vielen Menschen ganz neue Möglichkeiten eröffnen.

 

Virtuelle Realitäten (VR)

Virtuelle Realitäten haben mehrere Ansatzpunkte. Sie können zur Traumabewältigung genutzt werden, aber auch für die Ausbildung angehender Mediziner.
Eine VR imitiert die tatsächliche Realität und kann dem Nutzer so ein Zwischenstadium zwischen Theorie und Praxis bieten. Das heißt: Es fühlt sich echter an, als sich nur ein Bild aus einem Buch anzuschauen. Wenn die Erfahrung zu intensiv wird, kann jedoch im Gegensatz zur tatsächlichen Realität abgebrochen werden. Trauma- und Angstpatienten können so an ihre Ängste herangeführt werden, indem man beispielsweise mit Hilfe einer VR-Brille eine virtuelle Realität voller Hundegebell schafft. Dies wirkt echter als ein Videoband, der Patient kann sich jedoch in den Gedanken flüchten, dass dies nicht die echte Realität ist, und notfalls abbrechen. Auch angehende Mediziner können so optimal an Notfallsituationen herangeführt werden, ohne das Risiko einzugehen, den Notfallpatienten im Zweifelsfall nicht behandeln zu können. Es ist also quasi wie ein Austesten der Realität, bevor man sich dieser wirklich stellt, eine Art Zwischenstufe zwischen Theorie und Realität.

 

Sensorik / Der Chip unter Deiner Haut

Ein Chip unter der Haut kann Passwörter und Schlüssel unnötig machen, er kann Dich ausweisen und Dinge abspeichern wie zum Beispiel Deine Gesundheitsdaten – die digitale Krankenakte unter der Haut sozusagen.
Schon heute können Chips unter die Haut implantiert und dann im Alltag genutzt werden. Dies birgt große Möglichkeiten in puncto Datenschutz. Der Träger braucht keine Karte mehr, die er verlieren könnte, er muss sich auch kein Passwort merken und hat dennoch alle persönlichen Informationen stets bei sich, statt sie irgendwo im Netz aufzubewahren. Die Langzeitfolgen der Chips sind heute noch nicht erforscht, dennoch besteht hier zumindest die Möglichkeit einer kleinen Revolution.

 

Personalisierte Medizin

In kleinen Dosen gibt es sie schon, die personalisierten Medikamente. Denn als Apotheker weißt Du natürlich, nicht jeder Patient mit dem gleichen Krankheitsbild braucht oder verträgt auch dasselbe Medikament oder dieselbe Dosis. Indem die Forschung einen Vortest zwischen Diagnose und Medikamentenverabreichung schiebt, kann gezeigt werden, ob der Patient das Medikament vertragen wird, ob es Wirkung zeigt und welche Dosis sich am besten eignet. Dieser Vortest wird mit dem Blut oder Gewebe des Patienten durchgeführt und dank digitaler Hilfsmittel deutlich beschleunigt.

 

Deine Rolle als Apotheker im technischen Fortschritt

Dies alles sind Beispiele für die voranschreitende Entwicklung und Technologisierung der medizinischen Welt. Warum das wichtig für Dich ist, fragst Du Dich?
Ob nun ein intensiverer Blick in die Forschung personalisierter Medikamente oder die Kundenbetreuung per künstlicher Intelligenz, auch Du als Apotheker solltest auf dem Gebiet der technischen Innovationen im Gesundheitsbereich stets up to date sein und als Ansprechpartner für Deine Patienten fungieren können. Schließlich bist und bleibst Du Berater und Fachmann auf Deinem Gebiet und Deine Kunden wollen von Dir sicher geleitet werden.
Und wer weiß, vielleicht kannst Du ja auch die eine oder andere Neuheit selbst in Deiner Apotheke anwenden? Eine VR-Brille oder ein Chatbot? Die personalisierte Medizin? Oder vielleicht arbeitest Du künftig mit Chips statt mit Rezepten?