Die Gesundheits-Apps sind auf dem Vormarsch. Auch in Deutschland. Jedoch nicht nur. Tatsächlich kann Deutschland, was mobile health angeht, kaum einen der oberen Plätze in der Rangfolge ergattern. Im englischsprachigen Raum hingegen boomt der Markt der Apps in der Gesundheitsbranche. Im Folgenden findest Du einen Überblick, welche Apps in anderen Ländern auf dem Smartphone ein Must-have sind und in welchen Bereichen Gesundheits-Apps anderswo eingesetzt werden.

Werden Health-Apps denn überall gleich genutzt?

Zu diesen Bereichen gehören verschiedene Gruppen: Es gibt internationale Apps, die für Nomaden und Reisende gedacht sind, speziell auf Länder zugeschnittene Apps, die auf ihre Art landestypische Probleme bekämpfen, und generelle Apps, die man in jedem Land gleichermaßen nutzen kann.
Deutschland setzt dabei vor allem auf letztere: Apps, die im täglichen Leben dabei helfen, sich beispielsweise gesünder zu ernähren, mehr Sport zu treiben oder seine Blutzuckerwerte im Blick zu behalten. Anderswo allerdings liegen der Schwerpunkt, der Nutzen, vor allem aber die Notwendigkeit ganz woanders.

Afrika und Asien revolutionieren Entwicklungshilfe durch Apps

Andere Länder, andere Sitten. Und vor allem andere Bedürfnisse. Während Gesundheits-Apps in Deutschland vor allem auf Lifestyle, Work-Life-Balance und Eigenverantwortung sowie Information abzielen, dienen Smartphones anderswo als echte Helfer in der Entwicklungshilfe und medizinischen Aufklärung. In Tansania hilft beispielsweise der Nachrichtendienst Wazazi Nipendeni (Kiswahili, zu Deutsch: Meine Eltern lieben mich) angehenden Müttern bei der Schwangerschaft. Die jungen Frauen können sich medizinischen Rat durch Chats holen, selbst wenn sie in einem abgelegenen Dorf ohne Zugang zu medizinischer Versorgung leben. Daran anknüpfend bekommen Gesundheits-Apps in Entwicklungsländern eine ganz neue Bedeutung, wie wir sie in Deutschland bisher nicht kennen. Nicht nur, dass sie den Zugang zu Information erleichtern, sie tun dies sogar in Extremsituationen. Apps sind für Entwicklungshilfe tatsächlich gut geeignet, da es selbst in den meisten ärmeren und/oder abgelegeneren Gegenden inzwischen meist Standard ist, ein Handy zu haben, die Apps mit geringem Aufwand und niedrigen Kosten herzustellen sind und zudem auch noch sehr schnell verbreitet werden können.

Nomaden und Reisende

Eine weitere Gruppe, die Health-Apps gut gebrauchen kann, sind Reisende. Egal, ob ein Kurzurlaub auf Mallorca oder das dauerhafte digitale Nomadentum: Krank werden wir alle mal. Leider manchmal auch im Urlaub. Ob Zeckenbiss oder triefende Nase, die meisten haben es schon erlebt, plötzlich in einem anderen Land ein medizinisches Problem zu haben. Ohne den Hausarzt vor der Tür und ohne die Sprache zu verstehen, kann es jedoch schon mal ganz schön schwierig werden, das richtige Medikament zu bekommen. Und wer beim Arzt oder in der Apotheke jemals Diarrhö pantomimisch darstellen musste, der weiß, wie medizinisch wertvoll in diesem Moment alleine schon eine einfache Übersetzer-App gewesen wäre. Der Gesundheits-App-Service für Nomaden geht jedoch noch viel weiter: vom Periodenkalender, mit dem man errechnen kann, wann es sich lohnt, in den Flieger zu steigen (denn einen Badeurlaub sollte man gut planen!), über die üblichen Work-out- und Lifestyle-Apps bis hin zu besonders zugeschnittenen Apps wie Health Tap, die praktisch einen Doktor ersetzt. Man kann medizinische Fragen stellen, Symptome nachschlagen und – besonders praktisch – in der Pro-Version sogar live Kontakt mit einem Arzt aufnehmen, der auch ganz sicher die eigene Sprache versteht.
Auch TravWell sollten Reisende sich nicht entgehen lassen. Hier findet man beispielsweise länderspezifische Impfinformationen und man kann auf der persönlichen „healthy packinglist“ nachschauen, ob man auch gut ausgerüstet ist für einen Trip in ein vorher eingegebenes Land. Außerdem erinnert die App auf Wunsch daran, auch während der Reise seine Medikamente einzunehmen, Zeitumrechnung eingeschlossen. Auch einen Emergency-Service gibt es. TravWell ist also ein Rundumpaket für Reisende.
Can I eat this ist eine App rund um den Magen, die die oben beschriebene Pantomime hoffentlich überflüssig macht, und das CDC Yellow Book, das ursprünglich für Mediziner gedacht war, kann auf Reisen über Orte, Risiken und Krankheiten aufklären.

Der englischsprachige Raum ist Vorreiter

Schaut man sich die Health-Apps im englischen Raum an, fällt zunächst einmal auf: Sie sind schon weiter. Die ersten medizinischen Chatbots waren englisch und auch der heutige Markt zeigt eine klarere Linie. Statt Lifestyle, Fitness und Gesundheit irgendwie zu mischen, gibt es im englischsprachigen Raum schon viel mehr fachlich relevante Apps, die auch zunehmend vom medizinischen Personal genutzt werden.
Ganz vorne mit dabei ist vor allem Medscape. Sie enthält on- und offline abrufbare Informationen zu Krankheiten, Behandlungen und Medikamenten. Durch Verlinkungen kann man auf aktuelle Publikationen zugreifen und sie wird ständig aktualisiert und verbessert. Ein bisschen wie Wikipedia, mit dem Unterschied jedoch, dass hier nur echte Fachleute der besten Medical Schools der Welt mitschreiben dürfen.
Eine weitere App ist das Colour Atlas of Family Medicine, das die virtuelle Ausgabe des gleichnamigen Buches ist. Mit lebhaften Bildern werden hier Krankheiten beschrieben und Behandlungswege aufgezeigt. Auch Diagnosaurus hilft bei der Diagnose gewisser Symptome. Bei deren Eingabe listet diese App nämlich alle möglichen Ursachen nach Wahrscheinlichkeit sortiert auf. Geht es um Laborwerte, befragt man am besten Pocket Lab Values oder (spezifischer, wenn es um den Säure-Basen-Haushalt geht) Acid Base. Nicht zu vergessen natürlich MyDoc, der es nicht nur ermöglicht, online Arzttermine zu machen, sondern der auch noch gleich alle Werte in einer Krankenakte zusammenfasst und speichert, so dass man seine medizinischen Werte stets dabeihat.
Es gibt also auch außerhalb Deutschlands noch so einiges zu entdecken in der Welt der Apps und solange diese Neuheiten noch nicht in unseren App-Stores zu finden sind, können sie uns vielleicht wenigstens schon einmal Aufschluss darüber geben, was die Zukunft so bereithält und wo es vielleicht noch Lücken auf dem deutschen Markt gibt.
Einen Überblick über Gesundheits-Apps im deutschen Markt findest Du hier.