Künstliche Intelligenz: die Fähigkeit, selbstständig zu denken, zu handeln und zu lernen; die annähernd menschliche Maschine. So viel zur Theorie. Wie aber sieht die Praxis aus? Heute und in Zukunft? Welche artifiziellen Intelligenzen werden bereits heute eingesetzt und wofür, besonders natürlich im Gesundheitswesen? Und wie kannst und solltest Du dies für Deine Vor-Ort-Apotheke nutzen?

Einsatz von künstlicher Intelligenz auf dem Gesundheitsmarkt, damals wie heute

 

Von den Klassikern haben wir schon öfter berichtet: ELIZA, die virtuelle Psychologin, beispielsweise, die online als Vorreiter der heutigen Chatbots mit ihren Patienten kommuniziert und sich allein auf Wahrscheinlichkeiten stützend die richtigen Nachfragen stellt.

Auch Krankenschwester Louise war ein Chatbot und schon vor gut 50 Jahren aktiv. So neu ist die künstliche Intelligenz auf dem Gesundheitsmarkt also gar nicht. Die virtuelle Betreuung von Patienten erreicht im Smartphone-Zeitalter jedoch neue Höhen. Plötzlich hat man nämlich den Doktor ständig in der Hosentasche. Apps bieten Ernährungsberatung an oder wollen Deinen Schlaf aufzeichnen. Bei medizinischen Nachfragen kannst Du Siri oder Cortana befragen und es danach online zum Beispiel in Dein Migränetagebuch eintragen.

Die Selbstbestimmung des Patienten wächst und virtuelle Helfer wie Chatbots und Apps helfen ihm dabei. Hier ist oftmals schwache oder auch schon starke artifizielle Intelligenz im Spiel, ohne dass wir uns dessen bewusst sind, dass wir sie nutzen.
Eine virtuelle Assistentin namens Siri überprüft ja schließlich schon unseren Terminplan – warum dann nicht auch gleich unsere Arzttermine und deren Inhalte?
Manchmal ist die Zukunft schon näher, als es uns bewusst ist, und künstliche Intelligenz ist längst kein Gespenst mehr. Wie bereits erwähnt, vor gut 50 Jahren gab es bereits erste künstliche Intelligenzen, die als Chatbots den Gesundheitsmarkt eroberten. Und dank Apps und Co. ist diese Entwicklung nun zu einem Teil unseres Alltags geworden. Der Plan für den zukünftigen Einsatz künstlicher Intelligenz ist jedoch noch ein ganz anderer.

Predictive Maintenance funktioniert künftig nicht nur für Maschinen und Programme

 

Die wahre Stärke künstlicher Intelligenz liegt nämlich nicht (nur) in der menschlichen Kommunikation, sondern vor allem darin, große Datenmengen in Sekundenschnelle zu verarbeiten und dann aufgrund von Wahrscheinlichkeiten Aussagen zu machen und Entscheidungen zu treffen, die ein Mensch in dieser Vollständigkeit gar nicht – und schon gar nicht so schnell – überblicken könnte.

Unternehmen nutzen diesen Teil der künstlichen Intelligenz bereits für wichtige Entscheidungen. Beim so genannten Decision Making wird häufig nicht mehr allein auf menschliches Bauchgefühl und Erfahrung vertraut, sondern auch KI als Ratgeber ins Boot geholt. Besonders hat sich dies in Hinsicht auf Planungssicherheit im Umgang mit Maschinen und Produktionen bewährt. Künstliche Intelligenzen wussten meist schon frühzeitig sehr genau, wann eine bestimmte Maschine aussetzen würde. Durch dieses Wissen konnte im Produktionsablauf präventiv gehandelt werden und Verzögerungen durch Reparaturen und Ausfall konnten minimiert werden.

Genau dies soll nun auch in der Gesundheit passieren. Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswesen & Pharma bei PwC, hat sich kürzlich in einer hausinternen Studie mit dem Potenzial von künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen beschäftigt und verweist auf die Chancen, die artifizielle Intelligenz im Bereich der Früherkennung bei Risikopatienten schaffen könnte, ob bei Fettleibigkeit, Altersdemenz oder Brustkrebs. Bestimmte Gruppen von Menschen sind von einem höheren Risiko betroffen. Diese Gruppen zu erkennen und herauszufiltern, wäre eine Aufgabe, die mit künstlicher Intelligenz sehr viel schneller und effektiver zu bewältigen wäre und dem medizinischen Personal die Chance gäbe, Risikopatienten viel früher und langfristiger zu betreuen und damit die Chancen auf einen Ausbruch des Leidens zu senken oder ihn sogar zu verhindern. Und es muss nicht bei diesen drei Punkten bleiben. Depressionen, Magersucht und viele andere Krankheiten könnten aufgrund von Wahrscheinlichkeitsberechnungen viel früher erkannt und somit besser behandelbar sein.

Wie kannst Du nun künstliche Intelligenz in Deiner Apotheke nutzen?

 

Natürlich haben die wenigsten Vor-Ort-Apotheken die finanziellen und logistischen Möglichkeiten, sich einen ausgereiften, künstlich intelligenten Roboter in die Apotheke zu stellen. Klein angefangen kann jedoch jeder die KI nutzen. Wie bereits erwähnt, wir alle – oder sagen wir fast alle – haben ein intelligentes Gerät in der Jackentasche. Das Smartphone oder Tablet wird oft bereits von Apotheken genutzt, ob mit Service- oder Informationsapps. Auch die Reinigung der Apotheke kann theoretisch schon heute durch einen intelligenten Staubsauger erledigt werden. Dies ist aber gar nicht der Punkt. Künstliche Intelligenz für seine Zwecke nutzen heißt diese erst einmal verstehen lernen. Haben wir verstanden, in welchen Bereichen die künstliche Intelligenz uns Menschen etwas voraushat, können wir sie nutzen. Wir sollten darüber jedoch nicht vergessen, dass der Mensch auch der Maschine etwas voraushat. Die Auswertung von großen Datenmengen kann darüber hinaus für einen Vertrieb von großer Hilfe sein. Die Berechnung von Wahrscheinlichkeiten kann die Informationen aufstocken, die ein Apotheker vom Kunden bekommt. Ein Chatbot, der keine Müdigkeit und keinen Feierabend kennt, kann Dich in Deinem Kundenservice sehr entlasten. Du musst Dir also gar keinen Roboter an den Tresen stellen, um künstliche Intelligenz in der Apotheke zu nutzen. Es reicht, wenn Du Dich einmal genau damit auseinandersetzt, in welchen Bereichen eine Maschine vielleicht bessere Arbeit macht als ein Mensch. Und sei es nur beim Informationsfluss und beim Auswerten von Daten. Dafür brauchst Du noch nicht einmal eine eigene künstliche Intelligenz, sondern kannst öffentlich zugängliche KIs im Internet befragen.