Internetriesen wie Microsoft, Google, Nokia oder Apple stehen meist nicht lange still. Zeit, sich mal näher anzusehen, was es aktuell Neues auf dem Gesundheits- und E-Health-Markt gibt und wie sich das auf Deine Apotheke auswirkt.

Apple

Die Idee der medizinischen Nachversorgung durch Apps und digitale Gadgets ist nicht neu, die Praxis der E-Health beschränkt sich aber bisher eher auf Fitness-, Lifestyle- und Gesundheits-Apps. Mit der neuen Schnittstelle CareKit will Apple nun die nötige Infrastruktur für diese Lücke auf den Markt bringen. Hierbei ermöglicht es iOS 11 erstmals, gesundheitsbezogene Daten wie Krankenakten oder Berichte über iCloud zu synchronisieren. Apple bekommt hier Verstärkung von dem Start-up Health Gorilla. Im Grunde kann man sich das Ganze wie eine digitale Krankenakte im Smartphone vorstellen. Blutbilder, Testergebnisse und Ähnliches müssen nicht mehr lange in alten Ordnern zusammengesucht werden, sondern alle Informationen werden direkt digital in einer App zusammengefasst und sind so für Patienten und den behandelnden Arzt zugänglich – vorausgesetzt natürlich der Patient willigt ein. Durch die nun mögliche Cloud-Synchronisierung können die Daten auch auf neuen Geräten benutzt werden und sind nicht verloren, nur weil das Handy verloren geht oder in den Teich fällt.

Apple ist generell sehr aktiv am Gesundheitsmarkt. Weitere Apps und Schnittstellen sind HealthKit für einen gesunden Lebensstil, die Überprüfung von ausreichend Bewegung und Tipps für eine ausgewogene Ernährung, ResearchKit, ein „Open-Source-Framework zum Entwickeln von (Gesundheits-)Apps“, die es Medizinern ermöglicht, sich besser auszutauschen und gesundheitsbezogene Studien leichter durchzuführen. Auch Wearables wie die Apple Watch, die beispielsweise auch als Schrittzähler genutzt werden kann, sind bei Apple bereits auf dem Markt und leisten ihre Dienste zur Gesundheitsversorgung ihrer Nutzer und für die Erhöhung des Marktanteils von Apple.

Google

Wearables und Apps gibt es auch hier schon länger. Google hat aber noch einen anderen Trumpf: Es ist die meistgenutzte Suchmaschine. Als Suchmaschine und Ratgeber in Gesundheitsfragen lässt Google derzeit noch sämtliches Fachpersonal die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. „Wer Symptome hat, soll um Himmels willen nicht googeln!“, „Es kommt eh Krebs heraus!“, „Sprich mit einem Mediziner, nicht mit einem Computer!“. Alle wahr, diese Sätze. Und doch googeln die Menschen eher, als dass sie einen Arzt aufsuchen. Google weiß das auch und will natürlich mehr Anteile am Gesundheitsmarkt. Das Problem an der Sache ist nur: Medizin ist komplex. Daher dauert ein Medizinstudium auch einige Jahre. Ein Symptom zu erkennen und richtig zu deuten ist eine Sache, die vielleicht sogar noch mit Algoarithmen zu meistern wäre (die richtige Einschätzung der Nutzer vorausgesetzt). Welches Medikament und welche Behandlung dann aber für welchen Patienten richtig ist, das herauszufinden schafft kein Algorithmus – künstliche Intelligenz aber schon. Darauf setzt zumindest Google mit DeepMind. DeepMind kann riesige Datenmengen aufnehmen und mit künstlicher Intelligenz reagieren. Wie ein echter Doktor eben. Zwar fehlt die menschliche Zuwendung – dafür ist der „Arzt“ ständig und überall verfügbar und erreichbar. IBM hat mit Watson übrigens fast zeitgleich ein ähnliches Produkt auf den Markt gebracht. Wie sicher die Diagnosen heute sind, ist noch recht unerprobt, in Japan gibt es aber bereits erste Versicherungen, die auf künstliche Intelligenz statt auf Mitarbeiter setzen, und die Entwicklung geht stetig voran. Das Gute daran: Ärzte haben wieder mehr Zeit für die wirklichen Ernstfälle. Die Kritik: Wollen wir wirklich unser Handy zum verantwortlich behandelnden Doktor machen?

Nokia

Nokia ist den meisten unter uns noch als Mobilfunkhersteller bekannt. Snake und das allseits begehrte Nokia 3310 waren vor etwa 15 Jahren auf deutschen Schulhöfen kaum wegzudenken. Der ehemalige Handyhersteller mit Hauptsitz in Finnland wendet sich aber immer mehr von seinem ehemaligen Hauptgeschäft ab und neuen Gewässern – ganz besonders dem E-Health-Bereich – zu. Nach der Übernahme des französischen Unternehmens Withings im April 2016 hat Nokia die Geräte und Gadgets nun gänzlich übernommen und sie mit dem berühmten Nokia-Namen bedacht. Außerdem sind zu der smarten Haarbürste, dem Heimüberwachungssystem und der Tracking-Uhr „Steel“ nun auch noch eine smarte Waage und ein weiteres Blutmessgerät hinzugekommen. Die WLAN-fähige Waage misst dabei nicht nur den BMI seiner Nutzer, sondern speichert diesen zusammen mit anderen Daten auch gleich für bis zu acht Personen ab, so dass Erfolge und Veränderungen über einen längeren Zeitraum verfolgt werden können. Das Blutdruckmessgerät kommt mit der Health-Mate-App und speichert die Daten ebenfalls direkt über einen längeren Zeitraum im Handy ab.

Microsoft

Bisher war Microsoft in der Gesundheitsbranche noch wenig aktiv. Zwar gab es bereits Gesundheits-Apps wie HealthVault oder einen Fitnesstracker, allerdings waren die Konkurrenten bislang stärker. Dies soll sich nun dank Healthcare Next ändern, einer ganz ähnlichen Idee wie dem HealthKit von Apple. Medizinisches Wissen soll hier mit Hilfe von Clouds leichter zugänglich gemacht werden. Auch die App HealthVault wird erweitert und heißt nun HealthVault Insights. Sie bietet Ärzten mehr Einblicke in andere Gesundheits-Apps und sogar Krankenakten. Auch in Sachen KI legt Microsoft los. Zurzeit wird beispielsweise an dem Projekt InnerEye gearbeitet, das künstliche Intelligenz dafür nutzt, den genauen Ort eines Hirntumors auf dem Scan schneller anzuzeigen, so dass die Strahlentherapie effektiver eingesetzt werden kann. Und sogar an einem eigenen Health Bot per Messenger wird derzeit gearbeitet.

Was bedeuten diese Entwicklungen für Dich und Deine Apotheke?

Zunächst einmal: mehr Informationen, für Deine Kunden und somit auch für Dich. Das heißt zwar einerseits, dass Deine Kunden selbstbestimmter leben (wollen), andererseits ist es aber auch eine Arbeitsersparnis für Dich. Ob diese Projekte scheitern oder Erfolg haben, hängt letzten Endes vor allem davon ab, wie sie genutzt werden. Vertrauen die Patienten der Datenweitergabe und nutzen die neuen Apps, können die Vernetzung von Kollegen und die Einsicht in Kundendaten und Patientenakten direkt auf dem Handy auch Dir viel Zeit und Arbeit ersparen und Dich zu einem besseren Berater und Dienstleister machen.

Kläre Deine Kunden auch über Neuheiten auf dem Markt auf. Vielleicht ist dieses Thema ja für Dich so interessant, dass Du die für Dich am besten geeigneten Artikel in Deinem Newsletter oder Blog unterbringen kannst. Informiere Deine Kunden jedoch auch immer über Datenschutz und die Gefahren, die mit digitalem Datenverkehr verbunden sind. Letzten Endes ist Dein großer Vorteil, dass Du eben mehr bist als ein Handy – fachlich wie auch menschlich. Nutze die Gadgets und Tools, aber lasse Dir nicht von ihnen das Feld stehlen. Schließlich wollen Deine Kunden gelegentlich auch mal nichtdigitalen Rat von ihrem Lieblings-Apotheker.