Dass Apotheken auch online vertreten sind und es immer mehr technische Entwicklungen im Gesundheitswesen gibt, ist uns allen klar. Aber wie ist das eigentlich in anderen Ländern? Ist E-Health dort ein Thema? Sind sie uns voraus oder sind wir Spitzenreiter in Sachen neue Technologien? Und wo können wir uns vielleicht noch Kniffe und Tricks oder Anregungen abschauen?

E-Health ist ein globales Thema

So viel sei verraten: Das digitale Gesundheitswesen ist bereits auf der ganzen Welt angekommen. Neue Technologien werden dazu genutzt, die Gesundheitsversorgung zu verbessern oder den Umsatz auf dem Gesundheitsmarkt zu steigern. Sei es nun Europa oder Afrika – Mediziner, Apotheker und Techniker sowie Patienten in allen Ländern beschäftigen sich mit diesem Thema. Unterschiede gibt es jedoch im Wissens- und Entwicklungsstand. Heute wollen wir uns auf eine kleine Reise begeben und uns einige Beispiele aus Europa, Afrika, Asien und Australien näher ansehen.

Australien

Australien bietet dank der Großflächigkeit viel Spielraum und zahlreiche Möglichkeiten für digitale Verbesserungen im Kommunikationswesen der Gesundheitsindustrie. Neben kleinen Helfern wie Find a pharmacy, einer Internetseite, die alle Apotheken inklusive Öffnungszeiten und Erreichbarkeit auflistet und sogar Auskunft darüber erteilt, welche Sprachen in einer Apotheke gesprochen werden, gibt es besonders auf dem Gebiet der digitalen Kommunikation viele Projekte. So können bereits heute mit Hilfe von eRx Script Exchange Rezepte direkt, digital und verschlüsselt vom Arzt zum Apotheker gesendet werden, ohne den Umweg über den Papierweg machen zu müssen. Auch digitale Patientenakten, die es Australiern in ländlicheren Gegenden ermöglichen, Spezialistenmeinungen einzuholen, ohne lange Wege auf sich nehmen zu müssen, werden bereits heute angewendet und sollen sogar langfristig flächendeckend eingeführt werden. Dafür und für andere E-Health-Entwicklungen hat die australische Regierung seit 2010 467 Mio. Australische Dollar (umgerechnet ca. 306,5 Mio. Euro) investiert. 2013 kamen dann noch einmal 233,7 Mio. AUD (umgerechnet ca. 153 Mio. Euro), aufgeteilt auf drei Jahre, für den Ausbau des E-Health-Bereichs hinzu. Hier sieht das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie große Chancen für den deutschen Markt, da deutsche Technologien und Hersteller in Australien sehr beliebt sind.

Südostasien

In Südostasien ist die Gesundheitsversorgung derzeit noch recht mangelhaft. In 2012 wurden beispielsweise nur 3,9% des BIP für Gesundheitsversorgung ausgegeben – weniger als überall sonst auf der Welt. Demnach ist natürlich auch das Gebiet der E-Health noch nicht sehr weit fortgeschritten. Es gibt jedoch auch hier Ansätze, die Gesundheitsversorgung nachhaltig und für jedermann zu verbessern, gerade da die Digitalisierung zahlreiche Möglichkeiten mit sich bringt. Ein Beispiel sind die Philippinen: Inzwischen hat die Pharmazeutik einen großen Aufschwung erlebt, um die Infrastruktur zwischen den einzelnen Punkten der Lieferkette ist es allerdings noch schlecht bestellt, was oft zu Verzögerungen im Versand, hohen Preisen für Medikamente oder Organisationsschwierigkeiten führt. Hierfür hat sich eine Gruppe von jungen Entwicklern mClinica ausgedacht. mClinica ist ein Start-up, das sich auf die Kommunikation und Verbindung zwischen Apotheken, Ärzten und Patienten spezialisiert hat. Bisher ist es gelungen, 1.400 Apotheken und über 20 Millionen Kunden auf dieser Plattform zu vereinen. Die App soll dabei helfen, den Informationsfluss zu verbessern und Medikamente, Behandlungen und Wissen leichter zugänglich zu machen. Der Fokus wird hierbei auf die Verbesserung und Nachhaltigkeit von Apotheken gerichtet und darauf, wie diese mehr Menschen erreichen und somit helfen können. Apotheken auf den Philippinen können sich bisher meist nicht lange halten, da die Anzahl an Menschen, die wohlhabend genug sind, um Krankheiten langfristig zu behandeln, sehr klein ist und jene Patienten, die sich Medikamente leisten können, diese gern im Ausland und online bestellen. Daher versucht die App außerdem, Apotheker schneller über technische Neuheiten in der Gesundheitsbranche zu informieren, die sie dann für ihre Zwecke nutzen können.

Afrika

Afrika hat, ähnlich wie Südostasien, mit dem Problem der Armut zu kämpfen. Auch hier ist natürlich die technische Entwicklung im Gesundheitsbereich bisher noch nicht konkurrenzfähig. Auch die Gesundheitsversorgung generell ist noch immer problematisch, so haben in Kenia nur 20% der Bevölkerung irgendeine Form von Versicherung, in Sambia ist es sogar nur 1%.
Interessant ist jedoch, wie E-Health in Afrika unterstützend in der Entwicklungshilfe angewandt wird und dabei helfen kann, infrastrukturelle Defizite auszugleichen oder zumindest zu verbessern. Durch neue Technologien können auch Menschen fernab von Großstädten leichter über Risiken und Krankheiten informiert werden. Auch Aufklärung im Bereich Menstruation und Schwangerschaft ist in Afrika ein zentrales Thema, das mit Hilfe von Apps schon heute immer mehr angegangen wird. So wurde beispielsweise in Tansania der SMS-Service Wazazi Nipendeni (Kiswahili; deutsch: Meine Eltern lieben mich) ins Leben gerufen, der es schwangeren Frauen in abgelegeneren Orten ermöglicht, sich fachmännischen Rat per Handy zu holen, und so die hohe Sterberate von Babys reduzieren soll. Letztes Jahr wurden durch diesen Service über 5 Millionen SMS versandt, das Angebot scheint also Anklang zu finden. In Nairobi, der Hauptstadt von Kenia, gibt es außerdem einen günstigeren Taxiservice für medizinische Notfälle, genannt Uber for ambulances, der sich an der internationalen App „Uber“ orientiert und dem Problem des Mangels an Krankenwagen entgegenwirkt. Das größte Problem der E-Health in Afrika ist bisher dennoch die Angst vor Korruption. Datenschutz und Vertrauen der Menschen müssen noch deutlich verbessert und gestärkt werden, bevor die technischen Entwicklungen sich in Afrika wirklich durchsetzen können.

Europa

Laut einem aktuellen Marktbericht von der Außenwirtschafts-Agentur der Bundesrepublik Deutschland (Germany Trade and Invest – GTAI) sind die Niederlande hier in Europa bislang Spitzenreiter auf dem Gebiet der E-Health. Der wohl wichtigste Grund dafür liegt in der besonders gut entwickelten elektronischen Infrastruktur und der hohen Bereitschaft von Ärzten, mit Apps zu arbeiten. Auch sind die Niederlande sehr daran interessiert, die Bevölkerung regelmäßig über das Thema E-Health aufzuklären. So gibt es beispielsweise einmal jährlich eine nationale E-Health-Woche, die über Neuheiten und Wissenswertes auf diesem Gebiet informiert. Laut dem neuen GTAI-Brancheneinblick ist der Gebrauch von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in niederländischen Arztpraxen bereits üblich und auch in Sachen Datensicherheit und Nutzererkennung gehören sie zu den führenden Kräften in Europa. So bietet die nationale Kommunikationsinfrastruktur im Gesundheitswesen (AORTA) eine sichere Methode, medizinische Daten zu übertragen, und im Kompetenzzentrum Nictiz wird bereits an elektronischen Patientenakten gearbeitet. Auch der Zugang zu Daten für Patienten selbst ist in den Niederlanden bereits ein Thema. Das Projekt MedMij ermöglicht es Patienten, diese einzusehen. Dieses System befindet sich jedoch bisher noch in der Testphase. Seit dem 1. April diesen Jahres können Patienten über ein sogenanntes MijnZorgnet („Gesundheitsumgebung“) ihre medizinischen Informationen und Daten einsehen und sich so an Entscheidungen ihres Hausarztes aktiver beteiligen. Bis 2019 soll diese Möglichkeit für mindestens 80 % der chronisch Kranken und mindestens 40 % der übrigen Bürger realisiert werden. Außerdem sollen Patienten sich stärker aktiv beteiligen, wie zum Beispiel beim Blutdruckmessen, und diese Daten dann selbstständig weiterleiten. Dies wird die Infrastruktur der Niederlande weiterhin stärken.

Wir sehen, die technische Entwicklung im Gesundheitssektor hängt stark vom Standort ab. Deutschland ist auf einem guten Weg, betrachtet man jedoch Deutschlands Potenzial in Sachen technische Entwicklung und Export, so ist es noch nicht vollständig ausgeschöpft. Eine sichere und vollständige Infrastruktur muss ausgebaut werden, Datensicherheit muss noch weiter vertieft und Verbindungen zu anderen Ländern müssen weiterhin geknüpft und gestärkt werden, damit Deutschland irgendwann einmal den Vorreiter Niederlande überholen kann.