Wir haben fast alle ein Smartphone, das uns im täglichen Leben hilft. Viele Menschen können sich ihr Leben ohne ihren kleinen Begleiter gar nicht mehr vorstellen, nimmt er uns doch so einige tägliche Aufgaben ab oder hilft uns beim Bewältigen des Alltags. Auch in der Gesundheitsbranche werden Smartphones und andere Geräte immer häufiger und raffinierter eingesetzt. Der Terminus Mobile Health ist für Fachpersonal längst kein Fremdwort mehr. Doch worum genau geht es dabei eigentlich?

Mobile Health, was ist darunter zu verstehen?

Mobile Health ist erst einmal relativ selbsterklärend. Gemeint sind elektronische Geräte, die der Patient im privaten Alltag ohne ärztliche oder pharmazeutische Hilfe bei sich selbst anwenden, sowie Geräte und Apps, die den Patienten Zugang zu besseren Behandlungen und Fachwissen bieten. So können Fachärzte Patienten durch Remote Monitoring beraten und sogar behandeln, ohne dafür am gleichen Ort sein zu müssen. Verbunden durch Videotelefonie haben angehende Ärzte die Möglichkeit, „live” bei einer Operation dabei zu sein, oder der Patient kann sich eine Zweitmeinung von einem Spezialisten einholen, der auf einem anderen Kontinent sitzt. Gerade im Fall von Sprachbarrieren oder Fachkräftemangel ist das ein enormer Fortschritt.

Neben der ortsunabhängigen Beratung und Überwachung spielen auch immer mehr privat genutzte Geräte und Apps eine Rolle, die dem Nutzer Auskunft über seinen Gesundheitszustand geben: Durch sogenannte Sensor Devices (Geräte, die mit Sensoren ausgestattet sind, die Werte wie Schrittzahl, Temperatur und vieles mehr aufzeichnen und wiedergeben) können Nutzer ihren eigenen Körper und Gesundheitszustand kennenlernen, überwachen und – wenn nötig – verändern.

Dies gibt Patienten die Möglichkeit, einen besseren Überblick zu bekommen, sie können selbstständig ihre Vitalwerte messen, ihr Fitness-Level definieren oder die Ernährung überwachen.
Was früher ein aufwendig geführtes Kalorien-Tagebuch war, ist heute eine App, die dem Nutzer direkt berechnet, wie viele Kalorien heute noch genascht werden dürfen und in welchem Kuchenstück sich eventuell zu viele verstecken. Die Uhr kann nun nicht mehr nur die Zeit anzeigen, sondern auch Auskunft darüber geben, ob der Träger sich heute schon genug bewegt hat oder vielleicht das Fahrrad statt des Autos nehmen sollte. Diese kleinen Begleiter nennen sich Wearables. Also alles, was man bei sich tragen kann: Uhren, Gürtel, Handys und vieles mehr.

Nutzen vs. Gefahren

Der positive Aspekt liegt auf der Hand: mehr Informationen, die für jeden leichter zugänglich sind. Der Patient kann sich selbst informieren und wer besser informiert ist, wird wahrscheinlicher gesünder leben. Eine gesündere Gesellschaft wiederum ist schließlich, was wir uns erhoffen. Wie so oft gibt es natürlich aber auch Bedenken: Die Überwachung, die Werte und die Digitalisierung bedeuten schließlich auch immer, dass diese Daten gespeichert werden. Und dies lässt die Frage aufkommen: Wo sind diese Daten und wer kann sie einsehen? Bislang sind die entsprechenden Richtlinien noch recht schwammig, die fortschreitende Digitalisierung wird jedoch zwangsläufig Regelungen mit sich bringen müssen, damit alle Beteiligten die Produkte ohne ein flaues Gefühl im Magen nutzen können. Ein weiteres Problem kann in der zunehmenden Selbstdiagnostik gesehen werden. Wo früher dem Arzt oder Apotheker vertraut wurde, wird nun kritisch gegoogelt und mit selbst gemessenen Werten argumentiert.

Um herauszufinden, was die Entwicklung von Mobile Health für die Zukunft bringen könnte, haben sich Experten der Medizin und Wissenschaft mit Experten der Quantified-Self-Szene zusammengesetzt und mögliche Szenarien für das Jahr 2030 erstellt. Dieses vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt trägt den Namen „Wissenstransfer 2.0“, Teilprojekt „Quantified Self“ und zeigt, dass sowohl komplette Überwachung nach Big-Brother-Modell eine Folge sein könnte als auch die positive, selbstbestimmte Nutzung der eigenen Daten für ein schnelleres und effektiveres Gesundheitssystem.

Wie kann Deine Apotheke Mobile Health nutzen?

Deine Beratung ist durch keine App ersetzbar. Letztere kann Dir allerdings das Leben erleichtern. Deine Kunden werden besser informiert sein und wenn sie Dir die richtigen Werte und Informationen direkt liefern, kann Dir dies wertvolle Zeit ersparen, ihnen das richtige Medikament oder die richtige Behandlung zu empfehlen. Wie das Projekt „Quantified Self” zeigt, sind die Folgen von Mobile Health bislang noch nicht hundertprozentig absehbar. Dies heißt jedoch auch, dass wir diese langfristigen Folgen heute noch positiv beeinflussen können. Richtlinien werden geschaffen werden müssen, Aufklärung muss betrieben werden. So kannst Du Deine Kunden über Neuheiten in der digitalen Gesundheitswelt informieren, zum Beispiel in einem wöchentlichen Newsletter oder über soziale Medien, und ihnen verdeutlichen, wie und warum sie bestimmte Geräte und Apps nutzen sollten und andere nicht. Dies erfordert natürlich einige Recherche Deinerseits, um die besten Ratschläge geben zu können.

Wichtig ist vor allem, dass Du die zu Dir und Deinem Angebot passenden Neuheiten findest und sie für Deine Zwecke nutzt. Vielleicht fängst Du einfach damit an, selbst ein Wearable oder eine Fitnesstracker-App zu nutzen, und schaust, ob es Dir hilfreich erscheint und ob die angezeigten Werte auch aus medizinischer Sicht sinnvoll und nutzbar sind. Einige Deiner Kunden werden vermutlich schon ihre eigenen Erfahrungen gemacht haben. Umso wichtiger ist es, dass Du mit Fachwissen glänzt: medizinisch als auch digital. Denn wenn der Kunde schon etwas weiß, dann wird er nur zuhören, wenn Du noch mehr weißt.