Der Gesundheitsmarkt befindet sich mitten in einem umfassenden Wandel. Disruption lautet das Stichwort. Die neuen Technologien und Geschäftsmodelle bringen jedoch nicht nur Risiken, sondern auch Chancen mit sich. Wie Du Deine Apotheke zukunftssicher machen kannst, statt hinter der Zeit zurückzubleiben, erfährst Du hier.

Was ist Disruption?

Den Feind zu kennen, ist die beste Strategie, ihn wirkungsvoll zu bekämpfen, so heißt es. Doch ist Disruption überhaupt ein Feind? Laut Definition bedeutet Disruption in der Marktwirtschaft, dass ein bestehender Markt oder ein Geschäftsmodell von Innovationen wie beispielsweise Technologien oder anderen Entwicklungen abgelöst oder stark verändert, quasi zerschlagen wird. Die Erfindung der CD kann noch als Weiterentwicklung der Schallplatte gesehen werden. Das Downloaden von Musik über digitale Vertriebe aber hat in der Musikbranche zu einer disruptiven Umwälzung geführt.

Diese Form des Wandels lässt sich derzeit auch in der Gesundheitsbranche beobachten. Die Möglichkeiten der digitalen Technik und Vernetzung verändern unser Verständnis von Gesundheit und führen zu neuen Lebens- und Konsumgewohnheiten der Menschen. Diagnosen können mittels künstlich-intelligenter Software erstellt werden, Blutdruck- und Kalorienverbrauch mit Wearables gemessen und Medikamente sowie medizinische Dienstleistungen jederzeit und von jedem internetfähigen Ort aus bestellt werden. Neue, technisch versierte Unternehmen drängen auf den prosperierenden Gesundheitsmarkt und sorgen für Aufruhr.

Amazon, Google und Co – die neuen Player auf dem Gesundheitsmarkt

Bisher ist die Digitalisierung vor allem durch Apps und neue Formate zu sehen. Das Mobiltelefon wird zum Personal Trainer, der genau ermittelt, wie viele Schritte getätigt wurden und wie gesund die Ernährung heute war. Auch das Versandgeschäft wächst kräftig weiter. Laut Marktforschungsergebnissen von idealo haben 61% der Deutschen in den vergangenen sechs Monaten Arzneimittel online bestellt. Die Versandhändler können durch geringere Miete und Personalkosten sowie die größere, da besser erreichbare Kundschaft oftmals günstigere Preise anbieten und sind somit sehr wettbewerbsfähig.

Google hat sich inzwischen in die digitale Krankenversicherung Oscar eingekauft, was dem Internetriesen die Tore zum Gesundheitsmarkt öffnen könnte. Mit der ehemaligen Tochterfirma Google Life Science, die inzwischen zur Schwesterfirma geworden ist, werden derzeit Produkte für Diabetiker entwickelt. In Kooperation mit Novartis wird zum Beispiel eine smarte Kontaktlinse entwickelt. Diese misst den Glukosespiegel einmal in der Sekunde und schickt die Daten dann auf ein Smartphone. Bisher spielen noch zu viele Faktoren, wie Luftfeuchtigkeit oder Klimaanlagen, eine Rolle, um die Linse auf den Markt zu bringen, doch sollte dies passieren, würde Google seinen Einfluss in der Gesundheitsbranche enorm verstärken. Werden nämlich Daten eines Google-Produkts auf ein Smartphone gesendet, könnten diese von Google für eigene Zwecke weiterverwendet werden.

Auch Amazon ist längst in den Gesundheitsmarkt eingestiegen. Laut Holger Schmidt von FOCUS laufen 55% aller Medikamente-Recherchen bereits eben hier ab: auf Amazon. Zwar darf Amazon aus rechtlichen Gründen keine Medikamente verkaufen, die Integrierung der Shops von Anbietern wie Aponeo oder Medpex ist hingegen überhaupt kein Problem. Apothekenpflichtige Produkte werden rein über diese verkauft, während anderes, wie etwa Diabetiker-Teststreifen, auch direkt von Amazon angeboten wird. Diesen Unterschied merkt der Kunde jedoch gar nicht zwangsläufig, denn auch wenn Verkauf und Versand über eine Partnerapotheke abgewickelt werden, geschieht beides über die Plattform Amazon.

Die Abschaffung der Vor-Ort-Apotheke?

Die Angst vieler ist, dass neue Technologien und Maschinen die bisherige Arbeit von Apotheken komplett übernehmen und viele daher ihren Arbeitsplatz oder gar ihre Existenzgrundlage verlieren. Ganz so schwarz-weiß sollte man das Ganze jedoch nicht sehen, denn eine persönliche Beratung ist durch nichts zu ersetzen – wenn Du es zu etwas Wertvollem machst. Die neuen Technologien sind als Chance zu verstehen, Dich da zu entlasten, wo es sinnvoll ist. Der Apotheker ist noch immer derjenige, der das Fachwissen hat. Zumindest bis heute kann dies nicht vollständig ersetzt werden und sollte es auch nicht. Die Disruption muss also nicht zwingend eine Bedrohung für die Standort-Apotheke darstellen, wenn Du die Sache richtig angehst.

Digitalisierung als Chance

Öffne Dich den neuen Technologien, das ist der erste Schritt. Digitalisierung ist kein Feind, im Gegenteil: Sie kann Dir und Deinem Geschäft von Nutzen sein. Du fürchtest die Online-Konkurrenz? Warum erweiterst Du Dein Angebot nicht ebenfalls um ein Online-Sortiment? Es ist alles da, es wird eben nur auf anderem Wege verkauft. Noch größere Vorteile gibt es bei den Informationen. Eine eigene Website oder ein wöchentlicher Newsletter können eine wunderbare Plattform sein, mit der Du den Kunden Deine neuesten Infos und Neuheiten präsentierst.

Wer kennt das nicht: Man möchte einen Kunden länger beraten, doch schon bildet sich eine Schlange hinter ebendiesem und es muss schneller gehen. Doch warum eigentlich? Mit einer Online-Beratung oder einer informativen Website kannst Du Deine Kunden auch außerhalb der Öffnungszeiten beraten. Der Newsletter oder eine App bieten sich dazu an, Deine Kunden auf Aktionen oder Neuheiten im Sortiment aufmerksam zu machen. Du kannst Dein Online-System jedoch auch dazu nutzen, Kunden die gewünschten Medikamente vorbestellen zu lassen oder Dein Sortiment organisiert im Auge zu behalten.

Die Apotheke ist und bleibt der Mittelpunkt, doch neue Technologien kannst Du dafür nutzen, Deinen Kunden noch weiter entgegenzukommen und Deine Apotheke besser und effektiver zu gestalten. Die Kunst besteht darin, gemeinsam mit Gleichgesinnten, aus der Branche heraus, disruptive Konzepte zu entwickeln. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, sich zusammenzuschließen und neue Partner auf dem digitalen Markt zu finden. Integriere das Wissen und die Technologien anderer und bringe es mit Deiner Erfahrung und Deinem Fachwissen zusammen. So wie es beim APOTHEKEN FACHKREIS geschieht.