In dieser Folge geht es um disruptive Geschäftsmodelle im Gesundheitsmarkt und die Auswirkungen auf die Apotheke. Was ist Disruption? Wie sollte die Apotheke auf die aktuellen Entwicklungen reagieren? Erfahre alles in dieser Folge.

An die zuhörenden Apothekenkooperationen: Auf euch wartet ein kleiner Aufruf am Ende! 😉

Shownotes:
  • Norman Glaser und Michael Pieper im Gespräch
  • Was macht Amazon im Gesundheitsmarkt?
  • Was ist Disruption?
  • Wie sollte sich die Apotheke ausrichten?
  • Welche Vorteile kann die Apotheke im digitalen Zeitalter ausspielen?

Textversion des Talks

Michael Pieper: Herzlich willkommen zu APOTHEKEN-FACHKREIS.FM. Ich begrüße euch wieder ganz recht herzlich, sitze hier mit Norman. Hallo Norman. #00:00:26.0#

Norman Glaser: Hallo Michael. #00:00:27.4#

Michael Pieper: Norman, heute mit einer neuen Folge. Wir wollten uns mal anschauen, momentan mehren sich wieder die Meldungen Amazon & Co. steigt noch tiefer in den Gesundheitsmarkt ein. #00:00:42.7#

Norman Glaser: Da ist richtig was los würde ich sagen. #00:00:44.4#

Michael Pieper: Allerdings. Wo geht da die Reise hin? Ich sage mal bevor wir da jetzt tiefer einsteigen, vielleicht muss man sich auch nochmal genauer angucken: Was bedeutet das eigentlich? Was bedeutet in dem Zusammenhang Digitalisierung, Disruption? Das sind alles so Begriffe, die wir immer wieder hören, aber was heißt das eigentlich? Was würdest du sagen? Jetzt fangen wir mal Digitalisierung an? #00:01:01.4#

Norman Glaser: Ja. Vielleicht fange ich so an, dass Digitalisierung nicht bedeutet, das Fax durch E-Mail zu ersetzen. #00:01:07.5#

Michael Pieper: Sehr schön. (lachen beide) #00:01:09.2#

Norman Glaser: Ja. Das ist nicht immer allen so wirklich klar, dass es eben nicht darum geht digitale Systeme einzusetzen, um analoge abzulösen, sondern es geht tatsächlich um das Brückenbauen. Also wie kann ich meinetwegen analoge Prozesse durch digitale Systeme stützen? Aber vor allem auch und das ist das, worauf ich immer wieder gerne hinweise ist die Vernetzung, also die Vernetzung zwischen Systemen, zwischen Prozessen, zwischen Plattformen, genau das ist eigentlich das, was es letztendlich ausmacht. Nicht nur Technologie im Fokus, sondern da reden wir auch über Daten, da reden wir über Usability, also über die Bedienkonzepte, wie Nutzer wirklich ein tolles Benutzererfahrungserlebnis haben und all das sind so Indikatoren oder Bausteine der Digitalisierung. Ist ein bisschen komplexer. #00:02:06.3#

Michael Pieper: Ja. Es wird komplexer, es wird genau auch vielleicht nur immer genau wie du am Anfang gesagt hast, so ein bisschen reduziert wahrgenommen auf dem digitalen Prozess. Aber jetzt in Bezug auf die Apotheke, wie könnte das aussehen? #00:02:19.9#

Norman Glaser: Ja. Das könnte zum Beispiel so aussehen, dass ich meine Kommunikation in der Apotheke vernetzter denke. Also wie kann ich den Kontakt zu meinem Patienten auch außerhalb der Apotheke aufrechterhalten, intensivieren? Wie kann ich auf digitalem Wege ein Vertrauen herstellen? Und wie kann ich und das ist dann die Königsdisziplin am Ende, wie kann ich digitale Geschäftsmodelle entwickeln als Apotheke? Dass ich mich nicht nur darauf beschränke, wie kann ich Produkte ab zu verkaufen, sondern wie kann ich auch mein Know-how, mein Wissen, meine Information, wie kann die quasi monetarisieren? (Michael Pieper: Super.) Gibt’s noch zu wenig Information darüber, aber ich glaube, wir haben so in der Vergangenheit im Informationszeitalter gelebt, wo Information wichtig war und heute noch ist, klar, aber ich glaube, wir wechseln jetzt in so ein Erfahrungszeitalter. Der Austausch von Erfahrung wird sehr wichtig und aus diesen Erfahrungen, die ohne Zweifel ein Apotheker, eine PTA hat, wirklich zu monetarisierende Güter, also digitale Güter zu entwickeln und Geschäftsmodelle. Das ist eigentlich so die große Challenge. #00:03:28.4#

Michael Pieper: Ja. Ganz spannender Gedanke. Vielleicht bevor wir da gleich nochmal näher drauf eingehen, okay Digitalisierung haben wir jetzt eigentlich fand ich ganz gut, hast du also leuchtet mir total ein und der andere Begriff, der einem immer wieder jetzt momentan begegnet, ist halt der Begriff der Disruption. Was versteht man darunter? Und jetzt auch in Bezug aufs Gesundheitswesen oder die Branche? #00:03:53.0#

Norman Glaser: Ja. Ist eigentlich so ein Buzzword wie man so schön sagt. Im Silicon Valley kommt man glaube ich an keiner Party vorbei, wo das nicht auf dem Eingangsschild steht. Disruption oder Disruption (deutsch ausgesprochen) bedeutet quasi die Zerstörung von bestehenden Geschäftsmodellen und die Entwicklung innovativer Modelle, die das quasi dann nicht unbedingt ersetzen – (Michael Pieper: Besser machen wahrscheinlich?) genau, ja genau – sondern im Grunde ein besseres Modell entwickeln. Aber ganz klar, die Unterbrechung des Bestehenden im Fokus hat. Das ist im Grunde die Idee dahinter. #00:04:32.8#

Michael Pieper: Und siehst du da jetzt konkret in Bezug auf die Apotheken, aber auch auf die ganze Pharmabranche, gibt’s da sowas wie disruptive Modelle schon? #00:04:41.8#

Norman Glaser: Ja. Also unzählige würde ich sagen. Es gibt – und das lesen wir jeden Tag in der Presse – unzählige Startups, die natürlich versuchen in den Markt reinzudrängen. Und du hast es gesagt, Amazon ist natürlich ein schönes Beispiel dafür, dass eine Online-Plattform, eine sehr mächtige Online-Plattform, sich jetzt auch diesem Thema widmet. Das mit Sicherheit schon seit Monaten, wenn nicht sogar Jahren plant. Sich im ersten Step vielleicht so die Leckerbissen schnappt, also noch gar nicht den Anspruch hat das volle Sortiment online bestellbar zu machen, sondern erstmal in den Markt zu gehen und zu sagen: Okay, was sind die margenträchtigen Produkte? Und bevor es dann in die Breite skaliert. Das ist auch in anderen Branchen, in die Amazon eingebrochen ist, zu beobachten. Man stelle sich einfach vor, dass Amazon mehr Umsatz macht als alle Baustoffhändler in Deutschland zusammen, also Obi und Hagebaumarkt (Michael Pieper: Wahnsinn!) und wie sie alles heißen. #00:05:36.2#

Michael Pieper: Ich kann mir das gar nicht vorstellen, (Norman Glaser: Genau.) also gerade bei solchen, wo auch zum Teil wirklich jetzt im Unterschied zu Arznei werden da jetzt andere Produkte angeboten, jetzt auch von der Größe, von Gewicht und so weiter. #00:05:49.0#

Norman Glaser: Ja. Und genau an dieser Stelle sind wir gerade. Und für mich stellt sich halt einfach die Frage inwieweit schafft es tatsächlich die Gesundheitsbranche in Deutschland diesen Schulterschluss tatsächlich mit eigenen Modellen, eigenen Plattformen nicht nur Nischen zu belegen, sondern vor allen Dingen auch ganz aktiv den Markt mitgestalten zu wollen. Oder überlässt man das Feld Global Playern wie Amazon? #00:06:19.1#

Michael Pieper: Wenn sozusagen, ich höre so raus, wenn sich die Branche nicht selber jetzt sozusagen zusammenschließt oder beziehungsweise jetzt dem was entgegenstellt, dann hat sie irgendwann nicht mehr die Wahl, sondern wird einfach dann sukzessive verdrängt, kann man eigentlich so sagen. Oder auf jeden Fall aus bestimmten Bereichen. #00:06:37.8#

Norman Glaser: Und ich meine, das hat schon vor Jahren angefangen. Man kann sich natürlich jetzt zurücklehnen und sagen: Ja das hat es noch nie wirklich geschafft. Nehmen wir zum Beispiel Telekom und DocMorris, und im Grunde ist das ein disruptives Modell, dass ich sage: Die Beratung kann im Internet per Live-Video stattfinden und der Medikamentenverkauf kann auch im Internet stattfinden. Das ist schon disruptiv jetzt für die Apotheken, das ist eine ganz klare Ansage, dass es die Apotheke in diesem Modell nicht braucht. Wir denken da ein bisschen anders, dass gerade die Qualität in der Gesundheitsversorgung in Deutschland maßgeblich auch mit an den Apotheken hängt und dass dieses Netzwerk, was entstanden ist, aller Apotheken in Deutschland, durchaus auch sinnvoll ist und auch einen Wert hat. Und die Frage ist, man muss sich tatsächlich die Frage stellen: Wie man Apotheken zerstören kann, um sie am Ende zu retten? #00:07:31.9#

Michael Pieper: Sich gedanklich sozusagen in diese anderen Player, in diese neuen Player reinzuversetzen und von innen heraus aber sozusagen trotzdem dieses disruptive Modell denken, um dann auf diese neuen Ideen zu kommen? Habe ich das so richtig (unv.) #00:07:47.2#

Norman Glaser: Ja genau. Das ist die Schwierigkeit. Und das fällt einem oftmals selber ziemlich schwer sich selbst zerstören zu wollen. (Michael Pieper: Natürlich.) Das widerstrebt irgendwie so den eigenen Bedürfnissen. Aber deswegen machen so Kooperationen auch im Außen Sinn, also auch mit anderen Branchen oder mit Strategen, die das denken können, um auf der anderen Seite die Apothekeninfrastruktur in Deutschland, was auch einen logistischen Wert hat, dass die Medikamente eigentlich schon sehr nahe am Kunden vorgehalten werden, gelagert werden, dass man dieses Netzwerk mit implementiert in so einem Konzept. #00:08:27.5#

Michael Pieper: Und ich weiß nicht, wie du das siehst? Vielleicht ist auch noch da jetzt der Trugschluss, dass bislang über die Arznei oder über den Arzneimittelverkauf so diese anderen Skills, die die Apotheke hat, dass die jetzt sich noch nicht so technisch abbilden lassen. Aber das ist jetzt auch nur eine Frage der Zeit beziehungsweise ich glaube da ist es, du hast schon DocMorris und jetzt da gab’s in der Vergangenheit immer wieder Experimente mit Automaten, Videoberatung, aber ich weiß nicht, ich habe so das Gefühl da lehnen sich viele Apotheker noch so ein bisschen zurück und denken sich: Nein, die Leute wollen die Beratung hier bei mir vor Ort. Aber das ist vielleicht, das dauert glaube ich nicht mehr lange bis sich eigentlich vieles auch anders nochmal darstellen lässt ne? #00:09:13.0#

Norman Glaser: Na ja ich glaube die persönliche Beratung ist wichtig. Ganz klar. Und die wird es auch in 5 Jahren, so weiter lehne ich mich jetzt nicht aus dem Fenster, aber ich glaube (Michael Pieper: 5 Jahre) in 5 Jahren wird es das auch noch geben. Und ich persönlich muss sagen: Ich finde das auch sehr gut. Einfach aus dem Grund, weil Gesundheit ist mir wichtig und da will ich einfach mit einer kompetenten Persönlichkeit sprechen. Aber andere Länder zeigen eben auch, dass ein Großteil der Bevölkerung das vielleicht nicht als notwendig erachtet, inwieweit die Person mich gegenüber tatsächlich selbst kennt, sondern mir für ein bestimmtes Produkt einfach nur auf den Weg gibt: Bitte nicht mehr als 3 pro Tag einnehmen. Jetzt ist die Frage: Was verstehen wir unter Beratung? „Bitte nicht mehr als 3 pro Tag einnehmen“, das ist eine Information, die kriege ich online auch. (Michael Pieper: Klar. Genau.) Da reicht mir dann eine Live-Video Beratung zu dem Medikament. Wenn ich aber ein Patient bin, der mehr Medikamente einnehmen muss, wo es ein bisschen komplexer wird, wo auch meine Persönlichkeit oder auch meine Therapie vielleicht im Vordergrund steht, da brauche ich einfach einen Experten. Das kann dann nicht irgendjemand da online live machen. Und ich denke, da wird sich auch in Zukunft so ein bisschen das eine Beratungsgeschäft, wo es eigentlich nur noch so eine, schon eine wichtige Information mit dazu gibt, aber nicht mehr das individuelle Gespräch im Vordergrund steht. Und auf der anderen Seite wird es halt den Personal Coach geben. #00:10:43.3#

Michael Pieper: Ja. Absolut. Gerade, ich meine, das könnte jetzt gerade im digitalen Zeitalter auch nochmal ein echtes Pfund für die Apotheke sich da auch nochmal, also neuer Beratungsbedarfe zu erschließen, wo die Leute vielleicht durch die Vielzahl an Angeboten, an neuen Playern, an neuen Dienstleistungen und Infos, die jetzt so reinkommen, da auch nochmal eine Orientierung zu bieten und denen zu sagen: Pass auf, ich habe nicht nur die Expertise im Pharmaziebereich, sondern ich kann dir auch ein komplettes Gesundheitskonzept zusammenstellen. So würde ich das Coaching-Prinzip verstehen. #00:11:21.7#

Norman Glaser: Ja. Ich glaube die Frage ist: Wie kann mir der kompetente Apotheker oder auch die kompetente PTA, auf welchen Kanälen können die mir noch begegnen? Es muss nicht immer der Besuch vor Ort sein. Ich meine, viele Prozesse, die früher analog waren, sind daran gescheitert, weil die Menschen einfach zu bequem waren. Warum muss ich in eine Apotheke gehen, um eine wertvolle Information für meinen Therapieerfolg zu bekommen? Die Frage, die wir uns stellen dürfen, ist: Wie kann die Apotheke zu mir kommen? Über welche mobilen Wege tatsächlich? Und wie kann ich darüber hinaus den Kontakt einfach auch halten? Wie kann ich hier eine Beziehung herstellen? #00:12:06.4#

Michael Pieper: Oder ausbauen oder so? Weil, wenn ich jetzt mal so von mir ausgehe, ich mag’s schon gerne, wenn man auch mal den anderen so, wenn man dem anderen gegenübersteht und sich mal spürt und mal erlebt. Aber danach kann man dann schön online oder wie auch immer weitermachen? Auch so beides miteinander zu, also quasi, was wir auch öfters schon gesagt haben: Das Beste aus beiden Welten sozusagen miteinander verknüpfen. #00:12:32.0#

Norman Glaser: Genau. Diese Brücken bauen. Genau. Absolut. Ich denke auch, wenn ich jetzt so an meine Oma denke. Wenn ihre Lieblingsapotheke ihr über eine Webcam winken würde, das würde die glaube ich nicht so toll finden. Für eine kurze Frage, die vielleicht übers Telefon oder über einen anderen Kanal gestellt werden würde, würde es für sie wieder Sinn machen, damit sie nicht hinlaufen muss. Das ist alles auch körperliche Anstrengung. Aber ich glaube schon auch, dass die persönliche Nähe offline wie digital und da sind wir wieder beim Thema Vernetzung, also wie kann man das miteinander kombinieren? Das ist eigentlich die Große Frage. #00:13:06.7#

Michael Pieper: Und würdest du sagen: Das wäre auch die Antwort auf die disruptiven Modelle von außen? #00:13:14.4#

Norman Glaser: Nur bedingt. Das sind jetzt kleine Indikatoren, über die wir gerade reden. Das, was es in Deutschland braucht und das kann eine einzelne Apotheke und wir zwei jetzt hier auch nicht lösen, aber wir können alle mithelfen: Das, was wir brauchen, ist eine Plattform. Die Plattformen werden die Gewinner der Zukunft sein und wir brauchen einfach nur mal in den Markt schauen und mal über den Branchentellerrand hinausschauen, wo das schon überall stattfindet, dann schauen wir unser Apple oder Samsung oder Google Smartphone an und dann stellen wir fest, dass es auf der einen Seite vielleicht für den einen ein Handy ist und für den anderen ist es eine Plattform. #00:13:51.5#

Michael Pieper: Was macht eine Plattform aus? #00:13:52.5#

Norman Glaser: Google entscheidet quasi, wer als Anbieter und Nachfrager sich auf der Plattform trifft. Und Google entscheidet oder jetzt speziell in unserem Fall zum Beispiel auf einem iPhone entscheidet halt einfach Apple, ob diese App im Appstore zugelassen wird und wie diese App gerankt wird, wie diese App performt letztendlich. Und der Plattformbetreiber hat die Daten. Apple weiß über seine Nutzer alles, weil die speichern alles auf ihrem Handy und ich als App-Betreiber auf diese Plattform weiß über den Nutzer nichts oder nur das, was er mir dann bereitwillig vielleicht einem Registrierungsprozess zur Verfügung stellt. Und das zeigt eigentlich auch schon wie machtvoll diese Unternehmen sind. #00:14:38.7#

Michael Pieper: Vielleicht kannst du mal kurz sagen: Warum ist die Hoheit über die Daten, warum ist die so wichtig und auch in Zukunft? #00:14:46.7#

Norman Glaser: Ja das ist eigentlich branchenunabhängig, wobei ich glaube, dass die Daten in der Gesundheitsbranche, also Patientendaten, die sensibelsten Daten sind. Heute weiß unsere Bank schon, wo wir überall einkaufen und von diesen Daten lassen sich auch spezielle Lebensumstände ableiten. Bin ich Single? Bin ich Mann, bin ich Frau? Bin ich gesund oder kaufe ich oft in der Apotheke? Wenn ja, was? Man kann jetzt aus dem Kontoauszug schon eine Menge in Erfahrung ziehen und (Michael Pieper: Absolut.) Userprofile oder Kundenprofile erstellen. Und dann kann man sich glaube ich gut selber vorstellen, was mit Patienten- und Krankheitsprofilen an Ableitungen getroffen werden kann und wie wertvoll diese Information alleine für die Werbeindustrie wären. Und deswegen ist auch so eine heiße Diskussion in Deutschland: Wer ist der Hüter dieser Informationen? Wer ist vertrauenswürdig genug diese Informationen zu halten? Im Zweifel der Patient selber, der selbstverantwortlich die Daten wo auch immer hin speichert und darauf natürlich auch (Michael Pieper: Schön wär’s.) volle Zugriffe hat und auch gewähren kann, also seinem Arzt die Daten schickt. Aber es gibt unterschiedlichste Modelle, die man jetzt auch im Markt sieht, wo auch amerikanische Anbieter in deutschen Rechenzentren. Das ist für mich so ein bisschen der Wolf im Schafsfell. #00:16:18.3#

Michael Pieper: Auch ein bisschen widersprüchlich. #00:16:21.0#

Norman Glaser: Ja gut. Ich meine, wenn das die Anforderungen der Patienten in Deutschland ist, dass die Daten in Deutschland gehostet werden, obwohl ich ein amerikanisches Unternehmen bin, dann ist halt die Frage: Wie das Vertrauen dann tatsächlich auch in diesem Unternehmen? Aber gut, das muss dann jeder selber entscheiden. (Michael Pieper: Klar.) Ich glaube, dass hier einfach zu wenig in der Gesundheitsbranche per se gemacht wird. Die Apotheke hat aus eigener Kraft zu wenig Mittel, zu wenig Möglichkeiten. Die Pharmaunternehmen hätten die Mittel, sind aber nicht ganz so aktiv wie man sich das wünschen würde. Wir sind glaube ich in der Branche auf Platz 3 von hinten. #00:17:02.8#

Michael Pieper: Okay. Aber es gibt anscheinend immer noch nicht diesen Leidensdruck oder es ist immer noch nicht so die Notwendigkeit erkannt oder? #00:17:10.2#

Norman Glaser: Na ich sage mal so: Wenn der Leidensdruck da ist, ist es zu spät. #00:17:12.5#

Michael Pieper: Dann ist es, ja. #00:17:13.1#

Norman Glaser: Dann hat Amazon schon 80 Prozent des Marktes. Dann gibt’s eine Marktbereinigung, so wie das in der Wirtschaft halt einfach ist und dann haben wir das Apothekensterben, dann haben wir die Marktbereinigung auch in den Pharmaunternehmen. Deswegen kann man die Leistung jetzt von ALIUD auch mit dem APOTHEKEN-FACHKREIS gar nicht hoch genug einschätzen und einstufen, dass hier eine Initiative entstanden ist, um wirklich aktiv etwas zu tun. Aber es braucht halt auch die Querdenker unter den Apothekern, die sich dieser Gemeinschaft anschließen und handeln. Nicht nur Theorie und Schimpfen und hoffen, dass die Politik richtet. #00:17:46.6#

Michael Pieper: Ja. Gesetze und dann passt das schon. #00:17:49.2#

Norman Glaser: Gesetze werden fallen früher oder später. Davon kann man jetzt schon ausgehen. Oder wenn, dann wird es Wege, also diese Disruptoren weltweit, die interessiert sind am Markt, die werden Wege finden, um das zu umgehen, ganz einfach. #00:18:02.6#

Michael Pieper: Das heißt nochmal zusammengefasst: Die Antwort oder in der heutigen Zeit die Antwort auf Digitalisierung, auf Disruption wäre einerseits jede Apotheke selbst kann etwas machen, indem sie sich anguckt, wie kommuniziere ich mit meinen Kunden? Wie kann ich bestimmte Prozesse digital fortsetzen, Nähe erzeugen und so weiter? Und das Andere wäre jetzt auch mal in die Zukunft geguckt. Bevor die Branche komplett ersetzt oder zerstört wird, wir spitzen jetzt mal ein bisschen zu, sollte sie von innen heraus sich etwas überlegen, sich zusammentun und in irgendeiner Form, ich glaube da gibt es auch schon, ich kenne es nicht genau, aber es gibt auch Plattformen-Unternehmungen, die aber jetzt noch nicht so fruchtbar waren. Also wirklich eine marktfähige, auch wirksame Plattform zu gründen, bevor es dann die anderen machen. #00:18:54.1#

Norman Glaser: Ja. Ich glaube die Zukunft liegt einfach im Zusammenschluss der Apotheken. #00:18:58.5#

Michael Pieper: Ich meine, ich überlege gerade: Wie könnte das so aussehen? Wie könnte so eine Plattform aussehen? #00:19:04.1#

Norman Glaser: Ich meine, es gibt jetzt schon Apothekenkooperationen, die schon zusammengeschlossen sind. Die Frage ist nur: Womit beschäftigen die sich? Beschäftigen die Apothekenkooperationen sich mit Marketingmaßnahmen? Wie gestalte ich mein Schaufenster neu? Oder reden wir dort auch über digitale, also ich rede über digitale Strategien, ich rede nicht darüber inwieweit braucht eine Apotheke eine Website, sondern wie kann man sich mit anderen zusammentun? Es gibt dieses schöne Beispiel vom Kindle und dem tolino, der daraus entstand. Also Amazon greift die Buchbranche Thalia, Hugendubel an mit dem Kindle. Das Buch wird elektronisch lesbar. Und daraus resultiert dann der Schulterschluss der Konkurrenten Hugendubel und Thalia, die den tolino rausbringen und damit 50 Prozent Marktanteil sichern. So. Jetzt kann man sich auch innerhalb der Pharmabranche einfach die Frage stellen, inwieweit man hier den Schulterschluss übt und sich nicht mehr als Konkurrenten sieht, sondern sich zusammenschließt und sagt: Hier passiert was im Markt und wir müssen unsere eigenen Lösungen entwickeln und das müssen wir gemeinsam machen. #00:20:10.7#

Michael Pieper: Absolut spannend. Ich habe mich jetzt gerade nochmal gefragt: Vielleicht ist auch ein bisschen der oder noch ein Hemmnis, dass halt das Know-how in der Branche, also da ist viel Know-how, was jetzt Pharmazie und so weiter angeht, aber vielleicht dieses Know-how, was es braucht, um digitale Strategien, disruptive Modelle zu denken et cetera, das ist halt nicht vorhanden. Also müsste man sich doch irgendwie Hilfe von außen holen? #00:20:34.3#

Norman Glaser: Unbedingt. Ja. Digitalisierung steht und fällt mit dem, ich nenne es immer Digitalkompetenz. Wenn du die nicht selber hast, dann musst du die holen, aber langfristig in deine Organisation, in dein Unternehmen etablieren. Ganz einfach. Deswegen entstehen Berufsbilder oder Zuständigkeiten wie CDO, Chief Digital Officer, oder einfach spezialisierte Fachleute. Mir begegnet das immer wieder, wenn jemand sagt: Ich bin der Marketingverantwortliche. Dann ist das so klassisches Marketing, aber dann ist das nicht Online-Marketing, dann habe ich keine Expertise in Suchmaschinenoptimierung, Onpage-, Offpage-Optimierung und dergleichen. Das sind einfach so Sachen, da muss ich mir einfach jemanden besorgen, der meinen Social Media Kanal führt aktiv. Da muss ich mir einfach jemanden besorgen, der mit mir digitale Strategien entwickelt und Konzepte auf dieser Basis aufsetzen kann. Und Bücher lesen reicht in dem Fall nicht. #00:21:40.9#

Michael Pieper: Das ist vielleicht oft einfach noch zu kurz gedacht, dass man da auch wirklich, dass das einfach auch umfassende Prozesse sind, die jetzt strategische Entscheidungen beinhalten, die einfach auch alles beeinflussen. Das kann man dann auch nicht so isoliert da in der und der, da gibt’s die eine Abteilung, die kümmert sich jetzt darum, sondern das ist eigentlich was sehr Umfassendes dann. #00:22:02.1#

Norman Glaser: Ja. Was sehr Umfassendes und was einfach auch Spezialisten erfordert, also echte Spezialisten. Nicht einer, der ein Buch gelesen hat oder auf einem Workshop war oder so, sondern der das wirklich auch schon ein paar Mal gemacht hat und die Kunst ist einfach, die richtigen Spezialisten in ein Team zusammenzufassen, miteinander zu vernetzen und hier wirklich denken zu lassen. Und dann geht’s natürlich weiter. Man muss natürlich auch den Mut haben, man muss auch Fehlschläge hinnehmen können. Man braucht eine Fehlerkultur. Angst zu haben zu versagen, das muss ersetzt werden und das als Lernprozess gesehen werden. Dann hat man es halt hundertmal probiert und es hat nicht funktioniert, aber wir haben 100 Wege gefunden, wie es eben halt nicht funktioniert. #00:22:40.3#

Michael Pieper: Und bei jedem Weg wieder was Neues dazugelernt, eine Erfahrung gemacht. #00:22:43.6#

Norman Glaser: Und das ist gerade was uns in Deutschland so wahnsinnig schwerfällt. Wir verbringen Monate, Jahre damit Dinge wirklich so zu 100 Prozent von vorne bis hinten zu durchdenken, damit das alles so perfekt im Markt wie nur irgendwie möglich landet. Aber das machen halt die Startups heute anders. Auch in Deutschland. Die entwickeln das Ding halt am Wochenende und gehen damit Montag live. #00:23:06.1#

Michael Pieper: Ja. Und ich meine das kann man jetzt auch wieder vielleicht nochmal, um den Kreis auch zu den Apotheken zu schließen, also auch auf die einzelne Vor-Ort-Apotheke übertragen. Auch da mal so zu sagen: Komm, ich probiere mal jetzt einfach was aus und werde darüber meine Erfahrung sammeln. #00:23:20.9#

Norman Glaser: Ja. In der Apotheke, das ist im Grunde der Mikrokosmos. Im Kleinen kann ich das natürlich hier auch machen, Erfahrungen sammeln. Vor allen Dingen über vernetzte Kommunikation nachdenken: Wie kann ich Kanäle und Medien miteinander vernetzen, um wirklich mit meinem Patienten, mit meinem Kunden, in Kontakt zu sein, im Dialog, im Austausch zu sein. Aber darüber hinaus auch offen und interessiert sein mit anderen Kollegen, mit Organisationen, mit Verbünden, Kontakt aufzunehmen und diese Digitalisierung zu initiieren. Man muss sich nicht auskennen damit, aber man muss ganz klar den Bedarf kenntlich machen oder den Bedarf adressieren und sagen: Okay. Wen von euch interessiert das noch? Also am besten diese Podcast-Folge an die Kollegen schicken und wenn alle sagen „Ja machen wir“, dann ist das im Grunde die Stimme, die dann zählt, wo auch immer oder in welcher Organisation man auch immer Mitglied ist oder verbunden ist, dass man das Thema wirklich aktiv angeht. Das kann der Aufruf sein. #00:24:22.7#

Michael Pieper: Ich denke, damit ist dann schon wieder alles gesagt. Und vielleicht können wir dem Aufruf natürlich noch hinzufügen, dass uns natürlich immer auch interessiert, wir ihr da draußen so darüber denkt. Wir freuen uns immer über Feedback und #00:24:37.0#

Norman Glaser: Vielleicht können wir mal an dieser Stelle, wir haben doch sehr interessierte Apotheker und PTAs natürlich, aber vielleicht können wir da draußen mal einfach rundfragen, inwieweit wir eine Apothekenkooperation hier vors Mikro bekommen (Michael: Ja. Gute Idee!) und einfach mal das Thema Digitalisierung dort besprechen. Ich bin sicher, wir kennen nicht alle Konzepte, die da #00:25:01.0#

Michael Pieper: Vielleicht tun sich da schon voll die Sachen? #00:25:03.2#

Norman Glaser: In den Schubladen sind. Aber ich glaube einfach eher so den Austausch von Anregungen und Impulsen und ich meine wir sind jetzt sehr stark digitallastig in der Entwicklung digitaler Services und auch Strategien. Und das würde ich mal spannend finden mit Apothekenkooperationen hier im Interview zu sprechen und mal zu gucken, was es da gerade in den Schubfächern als Antwort auf Amazon und andere Startups gibt. #00:25:29.4#

Michael Pieper: Also, wenn irgendeiner das jetzt mitgekriegt hat, wir freuen uns immer über Kontakt, über Infos, über Interview, bei uns ist jeder herzlich willkommen und wird zu Wort kommen und ja dann würde ich sagen: Danke ich dir wieder für dieses total aufschlussreiche Gespräch. Es war mir wie immer ein Vergnügen. #00:25:45.1#

Norman Glaser: Ich danke dir. #00:25:46.2#

Michael Pieper: Und sage: Tschüss da draußen! Bis zum nächsten Mal! #00:25:49.2#

Norman Glaser: Bis bald! Ciao, Ciao! #00:25:49.8#