Leben und Arbeiten in Netzwerken

Netzwerke sind heute allgegenwärtig. Das größte Netzwerk ist das World Wide Web, zu dem heute, zumindest in der so genannten westlichen Welt, nahezu alle Menschen Zugangsmöglichkeiten haben. Auch im Gesundheitswesen spielen vernetzte Systeme eine immer größere Rolle, beispielsweise beim Transfer und bei der Analyse von Patientendaten und Befunden. Neben den Computernetzwerken sind aber ebenso die sozialen, zwischenmenschlichen Netzwerke immer wichtiger geworden. Sowohl privat als auch beruflich, offline und zunehmend auch online. In einer Zeit, in der traditionelle, statische Interessengemeinschaften wie Vereine oder Genossenschaften an Bedeutung verlieren, wird Networking zur wichtigen Kulturtechnik.

Für die Apotheke ist Netzwerkkommunikation in mehrerer Hinsicht bedeutsam – zunächst, um Kundendialoge zu ermöglichen und über verschiedene Kanäle Beziehungen zu den Kunden auf- und auszubauen. Über Facebook und andere soziale Netzwerk-Tools kann auf diese Weise eine Community rund um die Apotheke entstehen. Für das Apothekenteam kann es aber auch hilfreich und anregend sein, selbst Teil einer Community zu sein und sich mit Kollegen und Gleichgesinnten auszutauschen. Diese Netzwerke zum Transfer von Erfahrungen, Know-how und Wissen können „live” in Begegnungen auf Messen, Kongressen oder Mastermind-Gruppen ihren Ausdruck finden und zunehmend auch online in Foren, geschlossenen Gruppen und Business-Plattformen fortgesetzt oder ausschließlich dort geführt werden. In jeder Hinsicht setzt das Netzwerken bestimmte Kompetenzen und Überlegungen voraus. Im Folgenden verraten wir Dir, wie man erfolgreich netzwerkt und worauf es besonders ankommt.

So betreibst Du erfolgreiches Networking
  • Werde sichtbar

Sowohl offline als auch im Netz spielt das Thema Sichtbarkeit eine wesentliche Rolle. Es geht darum, präsent zu sein und für etwas zu stehen. Im Grunde wird man selbst als Person zur Marke, mit der die Menschen positive Eigenschaften verbinden. Dieses persönliche Profil lässt sich natürlich nicht künstlich erzeugen und muss wachsen. Neben fachlichen und inhaltlichen Kompetenzen sind Aspekte wie Verbindlichkeit, Authentizität und Zuverlässigkeit gefragt. Für die Sichtbarkeit ist es selbstverständlich auch von Vorteil, wenn man sich zur richtigen Zeit am richtigen Ort „blicken“ lässt und sich aktiv an Dialogen beteiligt.

  • Baue Vertrauen auf

Vertrauen ist eine wichtige Währung in Bezug auf Netzwerkarbeit. Dieses muss, wie in jeder Beziehung, erst aufgebaut werden und sich bewähren. Es bildet sich auf der Basis gemeinsam gemachter Erfahrungen. Wenn Du glaubhaft und offen agierst und selbst einen Vertrauensvorschuss investierst, wird sich das Vertrauen mit der Zeit einstellen. Vertrauen bekommt man durch echtes Interesse und Anteilnahme. Dazu gehört es, andere Meinungen zu respektieren und sich auf Augenhöhe zu begegnen. In der Community sitzen alle im selben Boot.

  • Investiere Zeit in Dein Netzwerk

In jeder Hinsicht ist es nötig, Zeit in Dein Netzwerk zu investieren, sowohl zur Pflege als auch zum Aufbau deiner Reputation. Für die Pflege Deines Online-Netzwerkes schaffst Du Dir am besten regelmäßige Zeitfenster, die Dir eine Struktur geben und den Aufwand überschaubar halten. Beispielsweise könntest Du jeden Abend eine Stunde für die Netzwerkpflege einplanen. Für den Aufbau der Beziehungen ist es wichtig, sich Zeit zu lassen. Nicht selten zeigt sich der wahre Wert nicht gleich zu Beginn und besonders in der Online-Welt, in der viele Aspekte der Kommunikation wie Hinweisreize, Gestik und Mimik meist nicht vorhanden sind, können Projektionen und Idealisierungen entstehen.

  • Gebe, ohne eine Gegenleistung zu erwarten

Natürlich geht es im Netzwerk um Geben und Nehmen. Niemand will nur geben und jeder verfolgt ein bestimmtes Ziel. Allerdings ist es wichtig, nicht nur auf das Netzwerk zurückzugreifen, wenn man etwas benötigt, denn dann funktioniert es nicht. Konzentriere Dich darauf, was Du einbringen kannst. Das können Anregungen oder Fachwissen sein oder die Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen. Gemeinschaft bedeutet Teilen. Nicht nur, dass dies ein gutes Gefühl sein kann, sondern mit der Zeit werden sich auch Deine Ertragsmöglichkeiten aus dem Netzwerk von ganz alleine erhöhen.

  • Achte auf Qualität

Weniger ist mehr. Das gilt auch für die Kontakte in Deinem Netzwerk. Man muss nicht mit jedem befreundet sein. Es nimmt schon genügend Zeit in Anspruch, die wertvollen Kontakte zu pflegen und aufzubauen. Bei den wichtigen Kontakten ist es auch von Vorteil, die Kommunikation, falls möglich, nicht nur online zu führen, sondern auch gelegentlich persönliche Treffen zu organisieren. Wenn die Distanzen zu groß sind, bietet vielleicht der nächste Kongress oder eine Fortbildung die Möglichkeit der Verknüpfung. Ansonsten sind Telefonate oder Skype-Sessions zumindest persönlicher als E-Mails oder textbasierte Chats.

  • Kommuniziere mit Stil

Die Art und Weise Deiner Kommunikation ist ein entscheidender Faktor in der Netzwerkarbeit. Besonders im Internet können leicht Missverständnisse entstehen. Häufig erlebt man auch sprachlich unausgegorene Beiträge. Die Kunst besteht darin, die Kommunikation dem Anlass anzupassen. Bei einem Kommentar können ein bis zwei Sätze reichen, ein eigener Beitrag darf schon etwas ausführlicher sein. Ob E-Mail, Beitrag oder Blog-Artikel: Achte darauf, übersichtlich, eindeutig und möglichst fehlerfrei zu schreiben. In Dialogen, sowohl offline als online, empfiehlt es sich selbstverständlich, freundlich zu sein und auf den anderen einzugehen. Wertschätzung ist auch in der Netzwerkarbeit eine wichtige Währung.

Denken in Netzwerken

Das Netzwerken ist heute nicht nur als Karriere-Booster wichtig, sondern auch eine Art Lebensphilosophie. Es setzt geistige Beweglichkeit voraus, soziale Kompetenzen sowie die Fähigkeit quer zu denken. Die so genannte Generation Z, zu der die Jahrgänge zwischen 1995 und 2010 gerechnet werden, hat nicht seit dem Kindesalter Smartphones und Tablets zu bedienen gelernt, sondern auch das Leben in Netzwerken verinnerlicht. Aber auch alle anderen Generationen haben sich längst „eingeklinkt“, denn das Netzwerken ist einfach zu wichtig, um es nicht zu tun.