Im PTA-Monat sprechen Norman Glaser und Michael Pieper über die Bedeutung vom Beziehungsmanagement und der Beziehungsarbeit mit dem Kunden und warum es für das Apotheken-Team wichtig ist, die Beziehung in der digitalen Welt erfolgreich fortzusetzen.

Shownotes:
  • Was macht gute Beziehungsarbeit im digitalen Zeitalter aus?
  • Welche Rolle spielt dabei die PTA?
  • Wie schaffe ich spannende Inhalte?
  • Warum ist es wichtig Fehler zu machen?

Textversion des Podcasts

Michael Pieper: Herzlich willkommen zu APOTHEKEN-FACHKREIS.FM. Heute wieder aus der Kreativschmiede in Amorbach. Hallo Norman, wie geht’s dir? #00:00:29-5#

Norman Glaser: Hallo Michael. Super. Ich freue mich jedes Mal, wenn wir uns beide unterhalten, heute mit Video. #00:00:34-6#

Michael Pieper: Ja. (lachen beide) Okay, wir legen direkt los oder? Was sagst du? #00:00:41-5#

Norman Glaser: Ich sage, wir legen sofort los. #00:00:44-3#

Michael Pieper: Okay. Unser Thema ist heute PTA. Wir haben auch sozusagen den PTA Monat, wollen die PTAs, die und den, natürlich beide Geschlechter würdigen und nochmal so, sage mal, die Kampagne unter das Motto gepackt, das Rückgrat der Apotheke. Und unser heutiges Thema ist genauer genommen nochmal zu gucken: Macht das nicht auch Sinn oder beziehungsweise ist es sinnvoll für die PTAs, sich auch auf das Thema digitale Kommunikation zu fokussieren, zu spezialisieren. Und da wollen wir einfach mal so ein bisschen, wie du immer so schön sagst, auf dem Thema expandieren (lachen beide) und warum macht das Sinn? Also digitaler Wandel ist eh wichtig, aber warum macht es Sinn jetzt vielleicht dieses Thema auch von der PTA besetzen zu lassen? #00:01:46-9#

Norman Glaser: Eine sehr gute Frage (lachen). Vielleicht eine Gegenfrage? Warum macht es ausgerechnet in dieser Branche keinen Sinn sich zu spezialisieren? Also eigentlich ist es im Grunde egal, in welcher Branche wir schauen. Überall versucht man sich zu positionieren, man versucht seine Alleinstellung zu finden, den USP, den Unique Selling Point, zu identifizieren und zu sagen oder die Frage zu beantworten: Warum sollst du bei mir kaufen? Und genau das gilt natürlich auch für die Apotheke und natürlich im Speziellen dann auch für das Apothekenteam. Und ich finde es ausgesprochen sinnvoll und das hat das Gespräch auch mit dem Sebastian Giemsch, dem PTA 2016, ergeben, der sich auf das Thema HIV und Hepatitis spezialisiert hat, dass natürlich das eine enorme Alleinstellung für eine Apotheke ist, wenn ich dieses Know-How in der Tiefe vorhalten kann. Vielleicht auch die Überlegung, das erlebt der Apotheker wahrscheinlich jeden Tag, dass der Patient, von Doktor Google ausgebildet, mit einem Stapel Ausdrucke in die Apotheke kommt und sagt: Hey, ich weiß genau, was mir fehlt. Gib mir das, das und das. Und ich denke, dass diese Spezialisierung oder diese Wissenstiefe nur aus der Apotheke kommen kann, also wirklich einfach ein fundiertes Wissen. #00:03:23-1#

Michael Pieper: Fundiertes, auch ein gesichertes, vorsortiert sozusagen, weil Internet dann doch zum Teil mehr Unsicherheit erzeugen kann und Ungewissheit und Halbwissen, gefährliches Halbwissen, als dann Verlässlichkeit, gerade im Gesundheitsbereich. Klar, okay, also dieses Wissen gehört in die Apotheke, ist da richtig angesiedelt. Jetzt könnte man auch sagen: Klar, der Apotheker, die Apothekerin als Inhaber, ist ein wichtiges Thema, die sollen sich mit dem Thema beschäftigen. Digitale Kommunikation, aber auch jetzt, das hat jetzt verschiedene Dimensionen, auch Social Media, es wird immer wichtiger da auch den Dialog, das haben wir schon öfter auch in unseren Talks sozusagen mal angesprochen. Aber wir sagen jetzt, warum PTA, warum machst du das nicht? Wäre das nicht eine Sache, die du, die bei dir auch gerade richtig aufgehoben ist. Oder gibt’s irgendwas, was die vielleicht besonders befähigt dazu? #00:04:26-2#

Norman Glaser: Also ich glaube, dass es nicht unbedingt eine Aufgabe ist, die irgendjemand in der Apotheke übernimmt, vielleicht führt, aber nicht alleinig übernimmt. Ich denke, es ist eine Teamarbeit, wie alles in der Apotheke eine Teamarbeit ist. Ich denke, es ist genauso falsch in einem Unternehmen zu sagen: Du bist der Marketingleiter, du kümmerst dich ab sofort um das Thema Digitalisierung und informiere mich bitte über die Erfolge, die du damit haben wirst. Ich denke das ist eine Teamarbeit und ich denke auch, dass und da geht deine Frage auch hin, dass es einen Leader braucht, dass es jemand gibt in der Apotheke, der sagt: Hier ist mein Baby. Ist mir wichtig, dass wir auch digital sehr kommunikativ sind, wertvolle Inhalte transportieren, dass wir für unsere Patienten, für unsere Kunden einen hohen Nutzen da entwickeln. Und was man da gut machen kann im Team, ist natürlich auch neben, nicht nur dem Thema Kommunikation, also Erreichbarkeit digital, sondern ist auch einfach diese Persönlichkeit einer Apotheke. Also nicht nur diese Marke Apotheke, sondern die Menschen, die dort arbeiten, die Experten, die dort wichtig sind. Das, was ich mit Apotheke verbinde ist, das ist meine Apotheke oder das ist meine PTA, die mich ständig berät. Ich gehe in die Apotheke, weil ich genau diese Person treffen möchte. Also diese Nähe. #00:06:01-1#

Michael Pieper: Thema Beziehung auch. #00:06:02-4#

Norman Glaser: Beziehungsarbeit genau. Vor allen Dingen auch online abzubilden und zu sagen: Hey, uns ist gestern was Lustiges passiert, das wollen wir unbedingt mit euch teilen und das macht es so menschlich. Und dabei kann ein digitales Medium, Facebook, Website, Blog, Podcast, Video, YouTube Kanal und so weiter, kann super helfen, um eine Nähe herzustellen, obwohl ich noch Distanz habe. #00:06:24-2#

Michael Pieper: Auch sozusagen den Dialog dann in die digitale Welt verlängern. Die Beziehung, die wir aufgebaut haben, dann da einfach fortsetzen. #00:06:34-6#

Norman Glaser: Ja. Nicht ersetzen. Deswegen dieser Zeigefinger. Nicht ersetzen. Ja, weil wir lesen ganz oft auch bei Facebook, wenn wir mit PTAs und Apothekerinnen und Apothekern schreiben, uns austauschen, dass es eine Angst gibt, dass irgendwas ersetzt werden soll. Und da wollen wir vielleicht auch mit unseren Podcast-Episoden einfach auch A) diese Angst nehmen und B) zu sagen, welche Chancen ergeben sich. Und nicht, was wird automatisiert und ersetzt, sondern, dass Digitalisierung halt auch bedeutet, dem Zeitalter gerecht zu kommunizieren und vor allem im Interesse der Patienten zu agieren, indem man dann wie schon gesagt wertvolle Inhalte generiert. #00:07:19-4#

Michael Pieper: Ja. Ich könnte mir auch vorstellen, ich erlebe es auf jeden Fall bei mir, dass auch eine Gleichzeitigkeit stattfindet von viele Prozesse werden digitalisiert und wie man das jetzt findet, ist eine andere Sache, aber vieles wird digitalisiert, automatisiert, dadurch kann natürlich auch eine Anonymisierung entstehen, also ein Gefühl der Trennung und gleichzeitig auf der anderen Seite aber auch ein Bedürfnis wieder nach echter Nähe, nach echter Menschlichkeit. Und so verstehe ich dich, das muss schon gegeben sein und das könnte auch für die Vor-Ort-Apotheke auch in Zukunft nochmal ein ganz wichtiges Pfund sozusagen, wie sie sich auch nochmal darstellen kann. #00:07:59-0#

Norman Glaser: Ja. Das sind, genau, was du sagst, das sind im Grunde so zwei, sehr technisch ausgedrückt, Mechanismen, die da greifen. Auf der einen Seite spreche ich trotz digitalem Medium meine regionale Zielgruppe an und dann ist das ungefähr wie du hörst Rod Stewart auf einer CD und dann kommt dann deine Stadt und dann willst du auf das Konzert und willst ihn live erleben, obwohl du seine Musik kennst. #00:08:22-6#

Michael Pieper: Können wir da, weil du willst spüren. #00:08:24-5#

Norman Glaser: Klar. Du willst die Person erleben. Deswegen sind wir ja Menschen. Das wird auch das Internet nie ersetzen, dass wir uns kennenlernen wollen. Und dann gehe ich auch in die Apotheke. Aber, was ich natürlich schaffe durch digitale Medien, ist über den regionalen Tellerrand hinaus genauso als Experte wahrgenommen zu werden und dass ich dort natürlich dann später auch mein Geschäftsmodell als Apotheke erweitern kann und dadurch natürlich eine viel größere Zielgruppe habe. #00:08:50-6#

Michael Pieper: Ist auch das Thema Sichtbarkeit sozusagen auch und wo dann auch wieder verschiedene Mechanismen zusammenwirken. Ich stelle auf der einen Seite Mehrwerte, interessante Infos für Kunden, Patienten stelle ich zur Verfügung. Auf der anderen Seite werde ich im Google Ranking einfach wieder weiter nach oben katapultiert im besten Fall. Das spielt so alles ein bisschen auch zusammen. #00:09:17-1#

Norman Glaser: Du sagst, dass Content ist King. Das bedeutet, wenn ich mich spezialisiere, dann kann ich natürlich auch einen Inhalt kreieren, der sehr tief geht. Der zu einem Thema sich inhaltlich, der einen höheren Wert liefert zu einem bestimmten Thema. Und das ist natürlich ein enormer Wert. Das muss man wirklich sagen. Das kannst du nicht an der Oberfläche und jetzt springe ich mal auf das Thema, dann auf das und das und so weiter, sondern ich bin sehr spitz unterwegs und kann natürlich mich dann perfekt positionieren. Daraus entstehen dann Storys und dann kann ich da natürlich wunderbares Marketing machen. #00:09:58-9#

Michael Pieper: Jetzt nochmal so ein bisschen so den Bogen zu PTA zu spannen. Ich habe dich schon so verstanden, ich denke, da sind wir ungefähr auf einer gleichen Linie, ein feste Zuständigkeit oder ein Leading für das Thema in der Apotheke ist schon sinnvoll. Es kann jetzt nicht einer sich um alles kümmern. Im Normalfall auch die so technischen, etwas technischeren Themen werden meistens sogar sinnvollerweise auch dann an Externe ausgesourct. Aber es macht schon Sinn, wenn da einer ist, der den Hut auf hat, wie man so schön sagt, und ich denke so, die PTA könnte, muss nicht, also ist von Fall zu Fall verschieden, aber die / der PTA könnte auch jemand sein, der vielleicht eh in seinem Privatleben oder so in seinen normalen Gewohnheiten da einfach auch ein bisschen affin ist und Spaß daran hat, diese Beziehungsarbeit, von der wir gesprochen haben, die vielleicht da auch zu leisten oder da mit einer besonderen Motivation einfach auch ranzugehen oder? #00:11:02-9#

Norman Glaser: Ja die Motivation ist natürlich wichtig. Wenn es zur Pflicht wird, dann und man nicht mit Herzblut dabei ist und das auch vielleicht nicht mein Medium ist, dann ist es natürlich schwierig. Dann muss man so in Ausnahmefällen macht es vielleicht Sinn, wenn ich niemanden habe, der sagt, hey, das würde ich gerne machen, das würde ich gerne übernehmen, dann macht das vielleicht Sinn auch auf externe Hilfe zurückzugreifen. Ansonsten wäre es fantastisch, wenn man in der Apotheke, im Team jemanden hätte, der sagt: Ich mache den Reminder, ich erinnere euch, hey, lasst uns mal ein Foto zusammen machen oder irgendeinen Vorfall der Woche, der vielleicht auch lehrreich ist. Immer an den Wert denken, Content muss Wert haben. Wert kann auch Spaß sein, aber nicht nur. #00:11:54-1#

Michael Pieper: Ja. Klar. #00:11:54-6#

Norman Glaser: Sondern es muss natürlich dann einen Wert darstellen. Aber die Begeisterung ist wichtig, das ist extrem wichtig. #00:11:59-1#

Michael Pieper: Begeisterung, dann halt auch wirklich so wie du sagst, so diese Motivation, weil einer, das ist vielleicht so, daran könnte es manchmal so scheitern, dass dann halt, wenn die Zuständigkeit nicht so festgelegt ist, dass dann guckt man mal wieder und denkt sich: Oh jetzt schon wieder zwei Wochen nichts gepostet oder so. Und das braucht schon auch eine gewisse Kontinuität oder nicht? #00:12:20-8#

Norman Glaser: Ja. Oder es gibt so einen Spruch, den man im Internet sagt. Der Kunde läuft zehn Mal schneller weg online als in der realen Welt. Weil in der realen Welt habe ich die Möglichkeit, ich kann mit meiner Mimik, meiner Gestik, meinem Lächeln, mit meinen Argumenten, mit meiner ganzen Persönlichkeit, mit meiner Ausstrahlung, mit Feuer in den Augen, kann ich natürlich überzeugen. Das kann ich online nicht. Wenn ich es dann schleifen lasse und das erst anfange und dann passiert, dann kommen die Leute auch nicht mehr so schnell zurück und ich tue mich wahnsinnig schwer die Leute wieder zurückzuholen. #00:12:55-4#

Michael Pieper: Vor allem, wo die Aufmerksamkeitsspanne eh so gering ist und so viele Player, die alle hier, hier, hier schreien, online sozusagen unterwegs ist, wird es dann ganz schwierig. #00:13:04-5#

Norman Glaser: Vielleicht noch ein Tipp, wie man sowas anfängt. Weil der Anfang ist oftmals so, dass das Thema, wo man sagt, jetzt geben wir uns mal einen Ruck und dann findet was statt. Vielleicht zwei, drei Wochen total heiß und dann flaut es wieder ab. Und um das zu vermeiden, würde ich immer empfehlen zu sagen: Wir starten in 3 Monaten und in diesen 3 Monaten Vorlaufzeit entwickelt wir uns einen kleinen Redaktionsplan, das heißt, wir überlegen uns, was, also wie oft pro Woche wollen wir was posten, was kann das sein? Wir überlegen uns das, wir legen uns das schon zurecht. Wir legen uns eine nette Headline oder wir haben vielleicht einen Text gefunden oder einen Link im Internet, wir haben ein Video produziert oder einfach ein Team-Foto oder so. Und dann würde ich die Messlatte am Anfang nicht zu hochlegen. Ich würde nicht jetzt loslegen und sagen: Wir posten jetzt jeden Tag was oder drei Mal in der Woche, so ehrgeizig man auch ist. Dann lieber langfristig planen und wenn diese Planung eingehalten werden kann, aus Motivationsgründen und Zeitgründen, dann würde ich skalieren und dann würde ich dichter werden und dann würde ich den Content, also die Content-Impulse erhöhen. Dann habe ich sichergestellt, dass ich mich nicht unglaubwürdig mache, dass ich authentisch bleibe und dass vor allen Dingen dieses Projekt auch am Leben bleibt und nicht dann irgendwie in der Versenkung verschwindet. #00:14:24-6#

Michael Pieper: Ich meine, ich überlege gerade: Es macht mach schon, wer es jetzt auch immer übernimmt, ob einer im Team, ob mehrere, eine gewisse Spezialisierung und ich sage mal auch vielleicht sogar ein bisschen zu einer Fortbildung oder dass man sich einfach auch mal informiert, wie macht man sowas, ist natürlich auch wichtig danach. Ich glaube kaum einer, der jetzt, selbst, wenn du privat da total engagiert bist, reicht es jetzt nicht einfach, um da professionell jetzt, dass sozusagen Content Marketing oder digitales Marketing zu betreiben. #00:14:57-9#

Norman Glaser: Bin ich nur teilweise deiner Meinung, ich gebe dir schon Recht, man muss natürlich ein bisschen Wissen haben, völlig klar, aber wir Deutschen neigen dazu, dass wir uns blockieren, dass wir sagen: Oh, ich bin da nicht gut genug. Ich weiß nicht, ob das gut ist, wenn wir jetzt einen Film aufnehmen. Ich weiß nicht, ob die Haare liegen. Verstehst du? #00:15:17-3#

Michael Pieper: Gut. Wir haben es einfach mal darauf ankommen lassen. (lacht) #00:15:19-9#

Norman Glaser: Und das ist der Punkt. Das ist die Message. Wir haben es einfach gemacht. #00:15:23-0#

Michael Pieper: Ja das ist okay. Ja, ja, ja, ja, ja. Aber es gibt auch gewisse No-Gos, ich will da jetzt gar nicht so negativ, aber, wenn wir jetzt natürlich im Business irgendwie dann bestimmte Sachen, sage mal, Kundenkommunikation über Facebook, bestimmte Sachen, wäre es glaube ich schon gut, wenn man da einfach sich ein bisschen, es ist vielleicht so, vielleicht treffen wir uns da auf der Mitte. Nicht zu lange denken, nicht zu viel zögern, bevor man wieder nichts macht. #00:15:47-3#

Norman Glaser: Sagen wir es mal so. Vielleicht einfach weniger den Kopf benutzen als den Bauch. Weil mein Menschenverstand sagt mir, was darf ich nicht erzählen. Also Schimpfworte bitte vermeiden. Oder sich über irgendjemand, aber ich glaube jemand, der empathisch ist und der Beziehungsarbeit auch digital machen möchte, sprich eine Community aufbauen möchte, der weiß instinktiv schon ungefähr die Richtung und tastet sich heran. Das finde ich auch gut, einfach auch zu lernen. Die Community spielt einem sofort ein Feedback zurück und dieses Feedback aufzugreifen, das Ganze zu verändern, bewusst Fehler zu machen, also ich wünsche jedem da draußen wirklich Fehler zu machen, weil das das Einzige ist, wo wir lernen können. Wenn wir keine Fehler machen, können wir nicht lernen. #00:16:34-7#

Michael Pieper: Absolut. #00:16:36-3#

Norman Glaser: Als Kinde fällst du auf die Nase, stehst auf. Nur, weil auf die Nase fällst, lernst du das Laufen. Das ist der springende Punkt. Und dann einfach machen. Das haben die Amerikaner uns voraus. Die machen einfach. Die gehen mit einer fehlerbehafteten Software in den Markt und sagen: Warum sollen wir den Fehler korrigieren? Das sollen einfach, sollen die User machen. #00:16:53-1#

Michael Pieper: Sozusagen das Lean Startup System, Prinzip, von dem du schon mal #00:16:58-0#

Norman Glaser: Immer wieder redest. (lacht) #00:16:58-6#

Michael Pieper: Nein. Also nein, nein. Das macht auch total Sinn. Und ich denke, da kann man auch wirklich sich immer eine Scheibe von abschneiden. Klar. Aber ich denke das ist auch eine Balance, denn wie gesagt, jetzt auf der anderen Seite, wenn die Kunden, wie du sagst, wenn die weg sind wieder, weil sich vielleicht missverstanden fühlen oder nicht gut behandelt oder so, ist dann auch. Man muss schon eine gewisse, aber wie du sagst, auch Empathie, Gespür. Im Grunde setzen sich digital die Mechanismen oder die Prinzipien von Beziehung auch nur – in Anführungszeichen – fort. Es ist nicht die Neuerfindung, bestimmte Hinweisreize sind dann nicht gegeben. Vielleicht mal eine Stimmlage oder eine Geste oder so oder ein Ausdruck, je nachdem. Aber keine Ahnung Höflichkeit oder Nachfragen oder so bestimmte Prinzipien sind dieselben eigentlich. #00:17:55-7#

Norman Glaser: Ja. Absolut. Im Grunde ist es wie du vorhin gesagt hast, so eine Skalierung, eine Verlängerung. Und ich glaube, wenn man es wirklich will, das glaube ich, also den Mut haben und es wirklich machen zu wollen, weil man einfach sagt, man möchte sichtbar sein. Dann ist es im Grunde die Verlängerung aus der Apotheke in die digitale Welt. #00:18:19-1#

Michael Pieper: Ich meine, wir können auch mal von der Seite überlegen, welche Felder sind jetzt für die Apotheke interessant? Wir haben uns schon ein bisschen was angerissen, aber sowohl innerhalb der Apotheke als auch jetzt online gibt’s ganz viele Sachen, die die Apotheke so machen. Wer jetzt auch immer dafür zuständig ist. Was würdest du sagen, was ist für dich das Wichtigste, was muss die Apotheke, ist es jetzt die Sichtbarkeit bei Google? Ist es jetzt ein guter Newsletter oder wo würdest du sagen was sind so die wichtigsten Aspekte? #00:18:51-7#

Norman Glaser: Wenn wir jetzt mal davon ausgehen, wir haben eine Apotheke, die noch nichts hat oder vielleicht bei Facebook eine Fanpage, aber das nicht betreut, aber anfangen will, würde ich mir immer ein Medium aussuchen, was mir echt liegt. Das kann ein Blog sein, das kann ein YouTube Channel sein, das kann eine Facebook Fanpage, und nicht wirklich zu viel machen. Das große Problem ist, dass man sich oft verzettelt und dann #00:19:14-6#

Michael Pieper: Nichts so richtig macht auch? #00:19:16-7#

Norman Glaser: Ja. Ich glaube Energie kann man dosieren auf den Kanal, der mir Spaß macht. Ich finde Facebook so interessant, einfach deshalb, weil man später mit Facebook Kampagnen wahnsinnig genau auf die Zielgruppe fokussieren kann, die man ansprechen möchte. Das finde ich einen sehr interessanten Kanal. Was auch sehr wichtig ist, kann man auch mit Facebook kombinieren, ist das Thema Content, Film. Film wird vom Facebook Algorithmus oder generell auch von Google besser gerankt. Das ist ein guter #00:19:49-7#

Michael Pieper: Meinst du auch jetzt sagen wir mal ein Video, mal ein Video drehen? #00:19:52-8#

Norman Glaser: Video drehen, Smartphones mit einer 12 Megapixel Kamera, das reicht völlig aus, um mal einen kurzen Schwenk durch die Apotheke zu machen. Und ich meine jetzt nicht immer einen Film so in Spielfilmlänge, #00:20:03-1#

Michael Pieper: Klar. #00:20:03-2#

Norman Glaser: Sondern einfach einen kleinen Spot, 30 Sekunden, der dann so in meiner Community viral geht. Das kann zum Beispiel sein. Die Apothekerin kennt den Witz, den Apothekenwitz und der muss einmal im Monat präsentiert werden. Vielleicht noch eine kleine Randnotiz, was da wichtig ist. Rituale schaffen. Wenn man auf Sendung geht, immer zur selben Zeit oder am selben Tag. Wenn immer Donnerstag meinetwegen 11 Uhr gesendet wird, dann kommt entweder der Blogbeitrag an diesem Tag, ein Video an diesem Tag, den Witz der Woche an diesem Tag und so weiter. Das finde ich wichtig. #00:20:39-4#

Michael Pieper: Warum? Warum ist das so? #00:20:41-0#

Norman Glaser: Dann gewöhnt man die Community daran, dass eine Regelmäßigkeit stattfindet. #00:20:46-3#

Michael Pieper: Die sitzen da, im besten Fall sitzen die schon um fünf vor elf? #00:20:50-6#

Norman Glaser: Wir kennen das schon als Kinder. Wir sind konventioniert auf Regelmäßigkeiten, auf wiederkehrende Rituale. Wir wissen ganz genau, wann das Sandmännchen kommt und wir wissen ganz genau, dass wir anschließend ins Bett müssen. #00:20:59-0#

Michael Pieper: Das ist auch eine Sache von Zuverlässigkeit und ich sage mal Sicherheit, also Verlässlichkeit. #00:21:06-6#

Norman Glaser: Absolut. Ja. Und was mein absoluter Geheimtipp ist für die Apotheken. #00:21:12-0#

Michael Pieper: Jetzt kommt’s. #00:21:13-1#

Norman Glaser: Trommelwirbel. (lachen) Nein, man stelle sich vor, man hätte vor 10 Jahren angefangen einen YouTube Channel zu bauen. Man kann sich ungefähr eine Vorstellung machen, was das heute bedeuten würde. Man hätte wahrscheinlich unzählige Abonnenten, wenn man dranbleibt. #00:21:29-6#

Michael Pieper: Wenn man regelmäßig #00:21:31-2#

Norman Glaser: Nicht nur Kanal aufmachen, nur warten, gucken, was passiert, sondern schon auch fleißig bespielen regelmäßig. Man wäre eigentlich heute so wie man einen Influencer, also jemand, der ganz viele Fans und Abonnenten hat auf dem Channel und würde wahrscheinlich kein unerhebliches Nebeneinkommen durch Werbung zum Beispiel haben. Und was heute vielleicht denselben Effekt auslösen wird, ist das Thema, was wir machen, podcasten. Es ist noch in Deutschland in den Kinderschuhen, ist gerade in der Entwicklung. In Amerika ein Riesenhype. Aber auch schon seit mehreren Jahren. Da sind glaube ich über 250.000 Sender, also verschiedene Podcasts am Start. Es gab mal vor Jahren in Deutschland so eine Bewegung schon, aber die ist dann so ein bisschen eingeschlafen. Aber jetzt fängt an die Industrie darauf zu reagieren und das ist dann der Motor des Ganzen. #00:22:19-6#

Michael Pieper: Also auch wieder Podcast als Marketing? #00:22:21-4#

Norman Glaser: Podcast als Marketing, das Schöne ist, wir brauchen uns keine Gedanken machen, wie die Haare liegen, weil wir machen kein Video. #00:22:28-1#

Michael Pieper: (unv.) (lacht) #00:22:29-5#

Norman Glaser: Es sei denn, wir kommen auf die Idee da eine Kamera darauf zu stellen, aber wir müssen nicht live sein. Wir können das Ding aufnehmen, löschen, aufnehmen, löschen. Und nach dem 15. Versuch das nehmen. #00:22:40-7#

Michael Pieper: Was wir natürlich nie machen. #00:22:41-5#

Norman Glaser: Was wir nie machen. Das ist #00:22:43-4#

Michael Pieper: Sondern immer so durchziehen. (lacht) #00:22:46-5#

Norman Glaser: Genau. Macht es auch authentisch. #00:22:49-0#

Michael Pieper: Ja. Ja. #00:22:49-6#

Norman Glaser: Aber vielleicht können wir, wenn es interessant ist, kann uns die Community ja zurückspielen: Hey, erzählt uns mehr über das Podcasten. Wie funktioniert das für Apotheken? #00:22:56-4#

Michael Pieper: Genau. Gute Idee. #00:22:57-5#

Norman Glaser: Kann ich mit meinem Handy und einem Mikro, können wir dann die Tipps geben, machen? Ich brauche dafür kein Setup, kein Riesenmikro wie wir jetzt hier haben. Das wirklich, wie wir so schön sagen, total lean umgesetzt werden. Und ich glaube, man transportiert damit noch ein bisschen mehr als Text, also mehr Emotion als Text, ein bisschen weniger als Film. Ist aber egal, ist nicht schlimm, weil dadurch bist du mit einem Audio-Medium halt auch beim Rasenmähen zu hören. Das Schöne beim Podcasten, finde ich zumindest, ist, du kannst einen Podcast konsumieren ohne Display. #00:23:33-9#

Michael Pieper: Ja. Natürlich. Einfach Kopfhörer rein und los geht’s. Du hast die Hände frei, du kannst machen, was du willst. Kannst dich bewegen. Du bist eh, ich kenne dich als absoluten Podcast-Freak. #00:23:46-1#

Norman Glaser: Junkie. (lachen beide). Abhängig. #00:23:48-2#

Michael Pieper: Sowohl Input als auch Output. Beides 100 Prozent, könnte man sagen. #00:23:52-7#

Norman Glaser: Ja. Dafür brenne ich, das ist irgendwie so mein Medium. #00:23:56-3#

Michael Pieper: Super. #00:23:56-4#

Norman Glaser: Also mein Medium ist jetzt glaube ich nicht so sehr Film, sonst hätte ich irgendwie einen YouTube Channel. Aber ich denke einfach auch, zum Thema Podcast, du merkst das, wenn wir beide uns so über Marketing, Marke, Digitalisierung, Markenführung unterhalten, dann können wir stundenlang Content produzieren und das ist genau das, um wieder die Brücke zur PTA zu kriegen. Wenn ich mich als PTA oder auch als Apotheker zu einem bestimmten Thema positioniere, dann ist das ein Thema, was mich brennend interessiert. Und wenn ich brenne, kann ich anzünden. Und das ist das Geheimnis, dass ich dann eigentlich unendlich Content produzieren kann. #00:24:34-1#

Michael Pieper: Ja ist praktisch. (lacht) Super. Ja schon wieder viel, eigentlich viel Anregendes jetzt hier so verzapft. #00:24:48-0#

Norman Glaser: Machen wir den Sack zu. (lacht) #00:24:49-5#

Michael Pieper: Würde ich sagen. Ich überlege gerade. Ich habe jetzt gerade noch so überlegt. Okay, wir haben jetzt verschiedene, also Podcasts, gibt’s noch? Ich überlege jetzt gerade. Gibt’s noch irgendwas, vielleicht auch siehst du irgendwo noch digitales Marketing in der Apotheke? Jetzt online ist, also digital nicht gleich online sozusagen. Gibt’s da noch Potentiale? #00:25:12-6#

Norman Glaser: Es gibt Unmengen. Es ist immer abhängig davon, was ich für eine Apotheke habe. #00:25:21-6#

Michael Pieper: Natürlich. #00:25:21-7#

Norman Glaser: Was ich auch für eine Klientel sage ich mal, #00:25:26-3#

Michael Pieper: Klar. #00:25:26-9#

Norman Glaser: Also was sind meine Kunden, auch abhängig, bin ich auf dem Land, bin ich in der Stadt. Ich glaube, die große Herausforderung und das können wir uns mal aufschreiben als noch eine Podcast-Folge, das finde ich echt interessant, eine große Herausforderung ist, diesen Medienbruch zu überwinden. Wie schaffe ich es aus dem Besuch als Patient, als Kunde einer Apotheke, aus dem Besuch in die Online-Welt. Welche Brückentechnologien setzen wir ein. Wir haben das Terminal zum Beispiel als Variante in der Apotheke, aber auch das Handy #00:25:58-4#

Michael Pieper: Klar. #00:25:59-0#

Norman Glaser: Oder mobile Endgeräte generell. Aber dazu könnte man wirklich nochmal locker eine Podcast-Folge machen, um vielleicht auch Dinge zu diskutieren: Was kann ich konkret an Kampagnen machen? Wie schaffe ich es, wir nennen das Conversion zu erzielen, aus einem Interessenten tatsächlich einen Besucher meiner Apotheke zu machen bis hin zu einem Kunden zu machen. Es gibt auch Apotheken, die haben die Möglichkeit auch Online-Bestellungen der Kunden entgegenzunehmen. Wie schaffe ich es dann dahin zu skalieren. Das sind super spannende Sachen. Da können wir gerne konkret dann mal in einer der nächsten Episoden eingehen. #00:26:38-6#

Michael Pieper: Ich werde dann wieder auf dich zukommen, Norman. (lachen) #00:26:40-8#

Norman Glaser: Ich denke ja. #00:26:43-1#

Michael Pieper: Ich finde immer wieder ein Vergnügen mit dir zu quatschen. Ich glaube, wir könnten dann wirklich stundenlang jetzt so weiter expandieren. Aber vielleicht genau fürs Erste erstmal ist da so eine runde Nummer und dann können sich vielleicht auch die Leute auf die nächste Folge dann wieder freuen. Und ich fand nochmal den Hinweis ganz wichtig. Falls jemand Interesse daran hat, wie macht man dies, wie macht man jenes, Podcast, aber auch Blogbeiträge, stehen wir immer mit Rat und Tat zur Verfügung. Aber auch vielleicht mal, mich würde auch interessieren, Erfahrungen, die schon gemacht wurden. Podcast, aber auch vielleicht, wie läuft es so jetzt in der Apotheke bei euch mit eurem Facebook-Profil? #00:27:25-7#

Norman Glaser: Auch negative Erfahrungen. #00:27:27-2#

Michael Pieper: Auch negativ. #00:27:27-2#

Norman Glaser: Also Learning, richtige Learnings. #00:27:28-7#

Michael Pieper: Learnings, genau. Sind auch immer interessant, auch für die anderen. Man kann dann vielleicht andere auch ein bisschen bewahren (lacht) davor, dieselben Fehler nochmal zu machen oder man findet sich dann auch wieder und denkt sich: Ja genau, das ist mir auch passiert. Ich bin doch nicht der einzige, der so (lacht), der so unterwegs ist. Da freuen wir uns immer. Auch Feedbacks, auf allen Kanälen sind wir zu erreichen. Facebook, direkt Kommentare auf die Seite und so weiter. Und natürlich freuen wir uns auch über eine kleine Bewertung, denn davon lebt das Ganze auch ein bisschen. #00:28:03-8#

Norman Glaser: Ja. Wir müssen sichtbar werden. Sichtbar werden, damit mehr Apotheken uns hören können, uns lesen können, uns besuchen bei Facebook und wir glauben einfach daran, dass die Gemeinschaft stark ist. Und das schaffen wir einfach, denn so eine iTunes Bewertung für den Podcast hilft natürlich das ganze Thema weiter nach oben zu holen und von allen Apotheken gefunden zu werden, die wiederum uns dann ihre Erfahrung mitteilen und wir das Ganze dann auch wieder vom Podcast folgend mit der Community teilen können. #00:28:33-9#

Michael Pieper: Okay. Super. In diesem Sinne vielen Dank, Norman. #00:28:37-6#

Norman Glaser: Gerne. #00:28:38-6#

Michael Pieper: Bis dann. Ciao. #00:28:40-0#

Norman Glaser: Ciao. #00:28:40-9#