Norman Glaser im Gespräch mit Christiane Patzelt. Die sympathische Apothekerin berichtet von einem bewegten Leben und diskutiert mit dem Moderator über den Einsatz digitaler Medien und die Rolle der Apotheke im digitalen Zeitalter.

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Textversion des Interviews

Norman Glaser: Hallo und herzlich willkommen. Schön, dass ihr wieder rein hört. Hier ist Norman von APOTHEKEN-FACHKREIS.FM. Ich freue mich sehr auf meinen heutigen Interviewgast. Bei mir ist Christiane Patzelt von der Landapotheke Legebruch. Christiane, vielen Dank für deine Zeit. Schön, dass du da bist. Bist du ready und wollen wir loslegen? #00:00:34-0#

Christiane Patzelt: Jawohl. Ja. #00:00:35-4#

Norman Glaser: (lacht) #00:00:35-8#

Christiane Patzelt: Bin bereit. #00:00:36-6#

Norman Glaser: Okay. Christiane, damit dich unsere Zuhörer noch ein wenig besser kennenlernen, stelle dich doch vielleicht selbst nochmal ganz kurz vor und erzähle uns ein bisschen mehr über dich. Wer ist die Christiane privat und erzähle uns vielleicht auch so ein bisschen, was ist das Besondere an deiner Apotheke? #00:00:53-8#

Christiane Patzelt: Hallo. Also ich bin Christiane Patzelt, bin jetzt mittlerweile 47 Jahre alt. Geborene Berlinerin. Komme aus einer kinderreichen Familie mit 3 Schwestern und ich bin die einzige in der Familie mit Abitur und Studium. Ich habe mir im Leben irgendwann mal vorgenommen nicht jeden Cent umdrehen zu müssen bevor ich ihn ausgebe. Leider hat die Geschichte ein bisschen was Anderes mit mir vorgehabt beziehungsweise kam Ulla Schmidt dazwischen. Aber ist egal. Ich bin seit 20 Jahren Mama. Eine sehr glückliche Mama und habe mir vor 5 Jahren einen Lebenswunsch erfüllen dürfen. Ich habe geheiratet. #00:01:35-1#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:01:35-2#

Christiane Patzelt: Das wollte ich schon immer mal machen. Es hat ein bisschen gedauert. Bin eine etwas ältere Braut geworden, aber ist nicht so schlimm. Mein Mann, der gibt mir ganz viel Halt und Input, der ist Informatiker und macht mich neugierig auf das, was technisch so geht. Geschäftlich bin ich jetzt mittlerweile seit 16 Jahren selbstständig. Lebe das mit Herz und Seele, mit allem Weh und Ach. War schon immer sehr neugierig auf Menschen und ihre Geschichten. Ich freue mich, wenn ich helfen kann, wenn ich das Leben anderer leichter machen kann. Finde das toll Menschenleben zu begleiten. Sehe manchmal die Kinder groß werden. Und ich habe mich in meinem Beruf noch nie gelangweilt und das ist das, was mich so wahnsinnig erfüllt. Es gibt Menschen, die verstehen nicht so ganz, warum ich so viel arbeite, aber ich mache das einfach, weil mich das erfüllt. Ich mache das super gerne und das finde ich ein unheimliches Highlight in meinem Leben. #00:02:31-8#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). Tja. Vielen Dank für deine Kurzvorstellung. Unsere Zuhörer wissen, dass ich die Interviews immer mal wieder mit einem Erfolgszitat beginne. Gibt es in deinem Leben so ein Erfolgsmantra oder irgendwie ein Zitat, was dich irgendwie begleitet und nachhaltig geprägt oder verändert hat? #00:02:54-2#

Christiane Patzelt: Ja es gibt sogar zwei dafür. Das Erste ist mein Mantra, wenn man sich zu schade für das Putzen ist, sollte man kein Geschäft führen. Und mein Zweites ist, am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende. #00:03:08-8#

Norman Glaser: Ja. Sehr cool. Sehr schön. Gibt es oder gab es in deinem beruflichen Leben mal so einen Moment, wo du es so richtig schwer hattest und welche Learnings hast du daraus gezogen? Gab es so eine Situation? #00:03:26-9#

Christiane Patzelt: Mhm (bejahend). Ja klar. Also ich glaube jeder, der selbstständiger Apotheker in Deutschland ist seit ein paar Jahren, der hat solche Situationen (lacht) schon durchstehen müssen. Für mich war das die Niederlage zu Zeiten von Ulla Schmidt, als wir unheimlich viele Unterschriften sammelten. Ich glaube, es waren 4,2 Millionen Unterschriften gegen die Versandapotheken #00:03:51-7#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:03:51-9#

Christiane Patzelt: Und als das dann trotzdem durchgewunken wurde, das war schon eine sehr herbe Niederlage und das haut auch beruflich beziehungsweise geschäftlich ja einen unheimlichen Einschnitt hinterlassen. Ich habe Menschen entlassen müssen. Ich musste Kürzungen durchführen, musste das Lage kleiner halten. Ich habe viel mehr gearbeitet als es mir und meiner Familie guttat und mir fiel das auch echt schwer den Draht zuhause zu halten, #00:04:24-6#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:04:24-7#

Christiane Patzelt: Weil ich schon auch sah, ich muss ja einfach zeitlich mehr investieren in meiner Apotheke, um den Betrieb halbwegs vernünftig aufrechtzuerhalten. Ich wollte schon nicht, dass die Patienten mitkriegen, was hier gerade finanziell so ruckig läuft. Also das musste den Kranken da vorne bitte nicht tangieren, ob seine Apotheke übermorgen noch geöffnet hat oder nicht. #00:04:47-5#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:04:47-7#

Christiane Patzelt: Die Erkenntnis daraus ist, dass so eine Mutterkind Beziehung viel mehr verträgt als man meint oder als ich gedacht habe. Meine Beziehung zu dem Vater meiner Kinder, die ging leider in die Brüche, aber einen Tod stirbt wahrscheinlich immer und das war dann eben so. #00:05:07-2#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). Und gab es auf der anderen Seite so auch den Aha-Moment, diesen Gamechanger wie ich immer gerne sage, als Gegenteil oder als Gegenstück dazu? #00:05:20-2#

Christiane Patzelt: Ja. Die Aha-Momente gibt es ja öfter mal. Ich habe eine Nachbarin, die ist mittlerweile Mitte 80 und die treffe ich öfter mal, wenn wir beide gemeinsam mit dem Hund, mit unseren Hunden Gassi gehen und wenn die mir so von früher erzählt, bin ich immer wieder erstaunt, was so ein Menschenleben eigentlich erlebt, erträgt, wie flexibel wir sind, wie flexibel wir auf Situationen reagieren können und mich beruhigt es immer ungemein, weil sie ist so mein Vorbild für sich nicht kleinkriegen lassen und sich nicht unterkriegen lassen #00:05:57-0#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:05:57-3#

Christiane Patzelt: Und das rettet mich manchmal schon, wenn es da einfach super anstrengend ist. Und mein Aha-Erlebnis beruflicher Natur war, als ich hier die Apotheke eröffnete und so die Bilder gemacht wurden, ich also vor meiner eigenen Apotheke stand, fast mit einer Merke-Raute. Ich muss nochmal direkt auf die (unv.) #00:06:22-1# kommen, schon auch ein bisschen steif, weil das war schon auch was super Spannendes und ich weiß genau wie ich dachte, Scheiße hier tragen sie dich mit den Füßen zuerst raus. Das ist jetzt bis ans Ende deiner Tage ist das hier deine Wirkungsstätte. Und das hatte so einen bittersüßen Moment, #00:06:42-2#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:06:42-4#

Christiane Patzelt: Weil ich bin eigentlich so ein kleiner Rumreisender und ja sowas Verpflichtendes, sowas Festes, das lag mir nicht so wirklich und letztendlich habe ich dann meinen Frieden mit geschlossen. Alles gut. Aber ich weiß noch genau, wie ich da halt ein bisschen gehadert habe mit dem, das soll es jetzt hier für immer sein? #00:07:02-7#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:07:02-9#

Christiane Patzelt: Das fand ich schon ein bisschen merkwürdig. #00:07:06-1#

Norman Glaser: Okay. #00:07:07-3#

Christiane Patzelt: So ist das. #00:07:08-3#

Norman Glaser: Sehr gut. Vielen Dank dafür. Eine Frage noch so ganz außerhalb der Reihe. Warum gibt es eigentlich in Deutschland, ich generalisiere das jetzt einfach mal ganz frech, keine enge Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheke? #00:07:22-4#

Christiane Patzelt: Wer sagt das? #00:07:25-0#

Norman Glaser: (lacht) #00:07:27-1#

Christiane Patzelt: Also ich bin mittlerweile privat viel #00:07:27-9#

Norman Glaser: Ich beobachte das. #00:07:28-5#

Christiane Patzelt: Mit, was heißt viel, bin privat mit einigen Ärzten befreundet und ich glaube diese Nicht-Berührung wird gerne medial gepflegt. Ich meine im Kleinen passiert eher das Gegenteil. Also wir, ich habe hier eine Freundin Nachbarort, die ist Allgemeinmedizinerin und was uns sehr eint und ich glaube das wird auch steigen, ist, dass die Gesundheitsberufe stärker feminisiert werden. Das heißt, es kommen immer mehr Frauen #00:08:08-7#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:08:08-9#

Christiane Patzelt: Auf den Markt, die eben Praxen führen, die Apotheken eröffnen, die Physiotherapien machen, Zahnarztpraxen eröffnen. Also der Frauenanteil wird einfach viel größer und in dem Zuge passiert auch mehr in der Kommunikation. #00:08:29-0#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:08:29-4#

Christiane Patzelt: Ich habe hier im Ort 2 Männer, die allgemeinmedizinisch unterwegs sind. Mit denen ist das ein wenig schwierig, denn zum einen bin ich von der Statur her kleiner als sie. Bin eben, Gänsefüßchen, nur Apotheker und zum dritten auch recht frech. Also ich bin keiner, der den Buckel krumm macht, nur, weil einer einen Doktor hat, denn ich bin ein Freund von Augenhöhe. Der Arzt kann, was der Arzt kann und der Apotheker kann eben, was der Apotheker kann. #00:09:03-2#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:09:03-5#

Christiane Patzelt: Aber das ist manchen Männern ein bisschen komisch, ein bisschen doof. Die sind das nicht so gewohnt und sie sind eben beide, die haben gestandene Persönlichkeiten und stellen sich vor, da muss doch mehr Respekt auf der anderen Seite sein und ich habe das nicht so mit dem Respekt, ich finde, es ist toll, wenn mich einer fachlich begeistert und auch zwischenmenschlich begeistert, aber ich bin keiner, der den Kopf einzieht nur, weil einer ein Studium der anderen Art hat. Also das ist einfach nicht meines. Und ich glaube, dass die Frauen, die, wir sind ja auch alle selbstständig, also gerade so in meinem Freundeskreis erlebe ich das. Es tragen alle viele Stunden Arbeit mit nach Hause, hoffen, dass die Männer das auch mittragen, #00:09:53-8#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:09:54-1#

Christiane Patzelt: Dass die uns nicht davonrennen, weil ich koche meinem Mann abends kein Essen und ich mache ihm am Sonntag nicht die Pantoffeln ans Bett. (lachen beide) Wir verlassen einfach dieses ganz klassische Frauenbild #00:10:07-8#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:10:07-8#

Christiane Patzelt: Und das schweißt auch zusammen. Ja. Das schweißt auch zusammen, die Sorgen und Nöte, die man mit dem Personal hat und die hohen Steuernachzahlungen und wo bleiben eigentlich die Kinder in diesem Ganzen, also unsere eigenen Kinder. Wie schaffen wir da die Erziehung? Wie schubsen wir unsere Kinder in die Zukunft? #00:10:28-4#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:10:28-7#

Christiane Patzelt: Und muss es denn dieselbe Zukunft sein, die wir mal hatten? Sprich, also müssen die ins Gesundheitswesen oder nicht? Und sowas ja schweißt einfach zusammen und man fragt sich, nicht nur im Privaten ein bisschen ab, sondern auch im Beruflichen. Also ich habe mir wirklich, kann ich sagen, die Ärztin ruft mich an, ich bin ihre schnellste Antwort auf die Fragen, die sie hat. Sie muss keinen Rechner anschmeißen, sie weiß, wer es gesagt hat, sie kann sich auf mich berufen, sie schickt auch Patienten zu mir, wenn das irgendwelche Spezialitäten sind oder also das #00:11:03-1#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:11:03-2#

Christiane Patzelt: Ist eigentlich ein sehr harmonisches. Und das erlebe ich, wenn Frauen untereinander arbeiten. Wenn das nur eine Frau-Thema, flutscht das noch nicht so ganz, aber denke, da kommen jetzt auch irgendwann mal neue Generationen von Ärzten, die eben ja nicht so dieses, ja Mann-Frau Problem haben. Hoffe ich. #00:11:23-1#

Norman Glaser: Alte konditionierte Denken. #00:11:25-9#

Christiane Patzelt: (lacht) Ja gut okay. Letztendlich ziehen auch wir modernen Frauen, Gänsefüßchen, auch unsere Söhne groß mit #00:11:34-1#

Norman Glaser: Ja. Absolut. #00:11:34-7#

Christiane Patzelt: Dem Blick auf, das ist völlig egal, welches Geschlecht dahintersteckt. #00:11:39-2#

Norman Glaser: Ja. #00:11:39-6#

Christiane Patzelt: Das ist einfach Man-Power oder Woman-Power, egal, völlig schnuppe, aber da sitzt dir jemand gegenüber, der weiß schon, wovon er da redet. Sonst würde er den Mund nicht aufmachen. #00:11:53-1#

Norman Glaser: Augenhöhe einfach. Ja also. #00:11:54-6#

Christiane Patzelt: Genau. Das finde ich angenehm. Also ich kann das nicht unterschreiben, dass die Ärzte und die Apotheker kein gutes Verhältnis untereinander haben. Das funktioniert im, da kommen wir wieder zum Mikrokosmos, durchaus ganz hervorragend. #00:12:10-2#

Norman Glaser: Ja. #00:12:10-8#

Christiane Patzelt: Also es gibt natürlich immer wieder, aber das hat man auch unter den Apothekern, immer wieder welche, die meinen sie sind was ganz Besonderes. Es gibt auch ganz liebevolle und umsorgende Ärzte, die, es gibt auch Ärzte, die freuen sich wie Bolle, dass man sie entlastet. Ich Palliativärztin, die ist happy, dass sie einen Ansprechpartner hat, dass sie weiß, hey rufe ich die an, dann hat die die Datenbanken, wo ich nicht drankomme oder gerade nicht die Zeit nicht finde. Also man darf jetzt nicht nur die Diskussion führen, nimmt der Apotheker dem Arzt Arbeit weg, sondern wie unterstützend kann das denn sein und ich glaube, das wäre sowohl bei dem Arzt als auch bei dem Apotheker und auch in den großen Vereinigungen mal ein neuer Weg zu denken, wie kommen wir denn zusammen zu einer besseren Performance. #00:13:07-9#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:13:08-3#

Christiane Patzelt: Denn die Patienten sind zum Teil unglücklich über die ärztliche Versorgung und auch unglücklich über die apothekerliche Versorgung und beide zusammengenommen haben dann noch jede Menge Potenzial das besser zu machen. #00:13:23-0#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). Ja glaube ich. #00:13:24-2#

Christiane Patzelt: Also für den Patienten besser zu machen. Für den älteren Patienten, das ist, was ich immer wieder sehe, egal, ob das die Politik ist oder ob das die Neustarter sind in der Medizin, die Klinikärzte oder ob es junge Apotheker sind, was ganz viele echt vergessen ist, der alternde Mensch, der funktioniert anders. #00:13:46-1#

Norman Glaser: Alles, völlig anders. #00:13:47-2#

Christiane Patzelt: Den kann ich nicht alleine lassen und sagen, hier hast du eine App, finde dich zurecht oder hier bestellst du das im Versand. Du wirst schon klarkommen. Das funktioniert im Alter nicht. Das ist, was sich die Politik gerne auf die Fahne schreiben darf. Momentan findet ein echtes Senioren-Bashing statt. Denn alle schreien nach schnell und digital und hier eine Medizin und #00:14:13-3#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:14:13-4#

Christiane Patzelt: Elektronischer Gesundheitskarte und man vergisst dabei, dass der alte Mensch und der alte kranke Mensch das gar nicht mehr bespielen kann und auch nicht mehr möchte. Ja. #00:14:26-6#

Norman Glaser: Schön. #00:14:27-1#

Christiane Patzelt: Der möchte wieder so ein bisschen Back to the Roots. #00:14:31-1#

Norman Glaser: Ja. #00:14:32-2#

Christiane Patzelt: Das ist so wie, wenn Sie ein 6 Monate altes Baby mit einem Tablet alleinelassen. Das #00:14:40-5#

Norman Glaser: Will auch keiner. #00:14:40-8#

Christiane Patzelt: Das passt nicht zueinander. #00:14:42-5#

Norman Glaser: Ja klar. Ja. Ja sehr gut. #00:14:44-7#

Christiane Patzelt: Das ist, was ich einfach sehe. Die Empathie oder das Vermögen junger Leute sich auf alte einzustellen für (unv.) #00:14:55-8# und das merkt man auch in den politischen Entscheidungen. #00:14:58-7#

Norman Glaser: Ja. Empathie habe ich gerade dreimal unterstrichen. #00:15:02-3#

Christiane Patzelt: (lacht). #00:15:03-3#

Norman Glaser: Ja es ist wirklich ein Thema. #00:15:04-6#

Christiane Patzelt: Es macht ja auch was mit den Menschen, wenn mir die Politik erzählt. Ja ihr seid ja so ein Relikt von früher und mit einer Kette wäre das alles viel schöner oder es würde Ressourcen freisetzen, #00:15:20-3#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:15:20-7#

Christiane Patzelt: Dann frage ich mich schon jedes Mal, na ja ihr seht es doch im Einzelhandel. Gerade das aktuelle Beispiel Kaisers Tengelmann, habe ich heute Morgen einen Bericht gesehen, dass in Bad Kreuznach die einzige Kaisers Tengelmann Filiale zumacht innerorts. Draußen auf der Wiese steht ein Aldi, ein Lidl und was weiß ich, aber es gibt viele Leute, die fahren im Alltag kein Auto. Sie sollen ja auch kein Auto mehr fahren, weil sie eben das nicht mehr schaffen sicher über die Lande zu fahren. #00:15:54-0#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:15:54-6#

Christiane Patzelt: Und jetzt haben die alten Leute das Problem, sie kommen tagtäglich nicht mehr in den Supermarkt, sondern sind auf Hilfe angewiesen. Das heißt, dieser kleine Laden innerorts, der schafft es nicht zu überleben, weil die jungen Leute alle rausfahren auf die Wiese, beim Discounter ist es eben billiger #00:16:15-1#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:16:15-1#

Christiane Patzelt: Und die alten Leute nicht mehr so viel brauchen. Die konsumieren nicht mehr in dem Riesen-Maße wie ein Konzern, Kaisers Tengelmann ist eben ein Konzern, wie ein Konzern das für wichtig oder für rentabel hält. Ja. #00:16:29-5#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:16:29-7#

Christiane Patzelt: Also es fehlt da die Rentabilität. Die Alten schaffen das halt nicht und die Jungen sagen, was soll ich da in dieser kleinen Buchte einkaufen, ich gehe lieber aufs Land, zur Folge hat, dass die jungen Leute noch mehr belastet werden, weil sie jetzt die Alten auch noch mitversorgen müssen. #00:16:46-6#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:16:46-7#

Christiane Patzelt: Damit ist keinem geholfen. Die Alten verlieren ihre Begegnungsstätte, die verlieren die (Möglichkeit?) und auch die Selbstbestimmung, die verlieren einfach die Möglichkeit alleine einkaufen zu gehen, weil sie das nicht mehr schaffen, weil sie den Fußweg nach draußen auf die Wiese gar nicht reisen können und die jungen Leute verlieren einfach die Freiheit zu sagen, Oma das kannst du dir selber kaufen die Nudeln bei Kaisers, kosten zwar 10 Cent mehr, aber das schaffst du schon, den Weg schaffst du schon. #00:17:17-7#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). Ja aber das ist genau das, was Sie eingangs auch sagten, also irgendwie hat man als Unternehmen oder Unternehmer oder Unternehmerin natürlich auch irgendwie eine gesellschaftliche Verantwortung. Also man muss ja irgendwo seinen Beitrag leisten. Da kommen wir ja her. Also das ist ja das Unternehmertum ist genau aus dieser Situation erwachsen, dass der Schmied im Dorf ein Talent hatte, nämlich Eisen zu schmieden und hat dann dafür im Tausch was Anderes bekommen, aber der Wert war sein Beitrag für die Gemeinschaft und das lässt sich in dieser globalisierten, gewinnorientierten oder gewinnmaximierten Welt einfach vermissen. Ja. Das stimmt. #00:17:56-2#

Christiane Patzelt: Das ist das Problem. Also ich gebe Ihnen total Recht, dass der Gewerbetreibende Pflichten hat. Die hat er. Er hat die Pflicht, Ware zur Verfügung zu stellen. Er hat aber auch die Pflicht wie soll man das sagen, modern zu bleiben, also auch der Inhaber von ich bleibe jetzt mal bei meiner Apotheke, ich als Inhaber habe auch die Pflicht den Leuten den Mehrwert zu bieten. Also nicht nur einfach logistisch da zu sein, sondern auch ihm eine Freude zu bereiten, dass er hier reinkommt mit einem Problem und rausgeht mit einer Lösung. Das ist meine Pflicht und ich kann nicht ein Geschäft 50 Jahre lang nicht modernisieren #00:18:44-6#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:18:44-7#

Christiane Patzelt: Oder mich den neuen Medien verweigern oder sagen, nein ein Faxgerät oder ein E-Mail oder so das habe ich nicht, das finde ich überflüssig, ich muss schon auch mit der Modernisierung mitgehen. #00:18:59-3#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:19:00-0#

Christiane Patzelt: Ich bin bei so einer Initiative, die nennt sich Buy Local. Da geht es darum, dass man den Leuten schon klarmacht, jeder Kassenbon, den ihr generiert, ist auch ein Stimmzettel und ihr stimmt darüber ab, wie eure Innenstädte aussehen. #00:19:16-8#

Norman Glaser: Sehr schönes Bild. #00:19:17-4#

Christiane Patzelt: Aber Buy Local hebt nicht den moralischen Zeigefinger und macht den Leuten kein schlechtes Gewissen, sondern sagt, unsere Mitglieder sind auch online oder über das normale Geschäftstürchen hinaus für euch erreichbar. Also sie verweigern sich nicht den neuen Medien, sondern bieten eben beides und das finde ich, gehört dazu. Es gibt viele Kaufe vor Ort Initiativen, die immer mit der moralischen Keule kommen und sagen, wenn ihr online shoppen geht, dann machen wir zu. Und das ist der falsche Weg. #00:19:56-4#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:19:56-5#

Christiane Patzelt: Das finde ich, also den Leuten ein schlechtes Gewissen machen, ist nicht der richtige Weg. #00:20:01-1#

Norman Glaser: Ja. Absolut. Mit Angst sowieso nicht. Also ich glaube, #00:20:04-3#

Christiane Patzelt: Nein. #00:20:04-4#

Christiane Patzelt: Das ist ohne Frage. #00:20:05-6#

Christiane Patzelt: Da versperren sich die Leute auch. Es gibt dann auch Menschen, die sagen na ja wat denn, wenn du hier dein Geschäft nicht modern halten kannst, habe ich keinen Mehrwert und darum geht es am Ende des Tages. Was kann ich den Leuten mitgeben, dass sie sich an mich erinnern, dass sie gerne zu mir kommen #00:20:23-0#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:20:23-0#

Christiane Patzelt: Und dass sie das Gefühl haben, ich trage das mit. Ja ich sorge dafür, dass die Tür hier auch weiterhin geöffnet bleibt. Da kann ich nicht einfach nur kommen mit, du eure Innenstädte veröden. Das funktioniert nicht. Also funktioniert für mich nicht. Es gibt Menschen, die sagen, das muss den Leuten reichen, wenn ich meine Fenster verhänge und denen ein schlechtes Gewissen mache. (lachen beide) Das nein #00:20:49-0#

Norman Glaser: Und ist im Grunde auch die, genau dieser Impuls, den du gerade genannt hast, das ist genau der Punkt, an dem wir eben auch ansetzen wollen. Also zuzuschauen wie Großkonzerne wie Amazon hier aktiv sind und keine eigenen Lösungen zu entwickeln, also ich meine, wenn ich mir anschaue, Amazon baut riesige Lager, um die Produkte am selben Tag auszuliefern. Im Grunde sind doch die Apotheken alle schon vor Ort. Also die lagern in Anführungsstrichen, wenn man es mal darauf reduziert, die sind ja schon da. Plus das Expertenwissen einfach. Und ich glaube einfach und das ist auch so ein bisschen die Vision, die so über diesem Apotheken Fachkreis schwebt, ist, einen unabhängigen Verbund zu haben von Apothekern, die sagen, und Apothekerinnen, die sagen, wir haben die Vision einfach in einem gemeinsamen Handeln also ins Handeln kommen, in der ganzen Theorie ändert sich ja nichts. Erfolg hat ja 3 Buchstaben, TUN, tun. #00:21:56-1#

Christiane Patzelt: (lacht) #00:21:56-4#

Norman Glaser: Ja, dass man in den Aktionismus kommt und sagt, okay wir setzen uns zusammen, wir bilden Mastermind-Gruppen, nicht nur digital, sondern auch offline, wir treffen uns irgendwo, wir tauschen uns aus und wir schaffen Lösungen für die Zukunft. Also man erkennt ja heute schon, wo ein möglicher Bedarf ist. #00:22:15-5#

Christiane Patzelt: Mhm (bejahend). #00:22:16-2#

Norman Glaser: Du hast es vorhin angesprochen in der Patientenkommunikation, dass es halt nicht nur durchdigitalisiert und automatisiert und auf Effizienz getrimmt wird, sondern, dass es Brücken gibt, also, dass man Brücken bauen muss, dass die digitalen Medien vielleicht helfen können, aber es es ist nicht der ausschließliche und einzige Kommunikationskanal. #00:22:35-6#

Christiane Patzelt: Ja. Das ist ja momentan das extrem Interessante auch an unserer Gesellschaft. Man fragt sich manchmal schon, sind diese Medien, wie hängen die oder Tools, sage ich jetzt mal, wie hängen die iPads, PC, sind das Werkzeuge von uns oder benutzen die uns und ich finde das ganz interessant zu sehen wie sich da die Altersstrukturen auch so verhalten. Ich bin jetzt 47 und erlebe ganz viele Menschen in meinem Alter, die dem Handy Untertan sind, #00:23:13-7#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:23:13-8#

Christiane Patzelt: Sage ich jetzt mal so, weil wir es so faszinierend finden. Ich komme aus dem Zeitalter, da mussten wir in eine Telefonzelle und 20 Cent, um mit dem Liebsten reden zu können und haben auf Telefonbüchern gesessen und uns einen Arsch abgefroren in dieser doofen Zelle und heutzutage sind wir mit dem Handy komplett vernetzt. Wir kriegen Dinge von unseren Kindern oder von unseren Partnern, just in time mit, was die gerade erleben, wie sie sich fühlen, also das ist alles so spannend, direkt und unsere Kinder, ob Kinder von 14 bis 19, so Patchwork-Familie haben zusammen 4 Kinder, die sind durchaus anders im Umgang mit den Medien, denn die können das besser steuern. #00:24:05-0#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:24:05-2#

Christiane Patzelt: Für die ist das halt normal, dass es ein Handy gibt und ein iPad und einen PC, den fehlt so ein bisschen dieses Faszinierende an dem Ganzen, denn die sind damit groß geworden und die können das eben, die benutzen das anders. Die leben auch damit, aber sie sind dem eher nicht Untertan, sondern für die ist das eher ein Werkzeug. Also die stellen diese Geräte auch dahin, wo sie hingehören, nämlich eigentlich als Werkzeug, was zu benutzen ist. Während wir Älteren eher davon gefangen sind und schwer den Aus-Knopf finden. #00:24:41-3#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). Ja ich #00:24:43-1#

Christiane Patzelt: Eigentlich eher umgekehrt erwartet, aber ich sehe schon, dass die Jugend darin einen anderen Umgang mit hat. #00:24:49-0#

Norman Glaser: Ja, aber doch sehr gebunden ist. Also es ist schon erstaunlich, wenn man sich die Studien so anschaut, wie viel Zeit eigentlich mit diesem einen Gerät verbracht wird und das ist natürlich die Zeit, die auch fehlt, um überhaupt Beziehungen im echten Leben herzustellen. Also die Beziehung #00:25:06-5#

Christiane Patzelt: Ja, aber interessanterweise vertiefen sich auch solche Beziehungen. Also man #00:25:10-4#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). Ja. Klar. #00:25:11-5#

Christiane Patzelt: Sollte jetzt nicht sagen, dass man den Kontakt untereinander verliert. Ganz im Gegenteil. Ich bin meinen Kindern dadurch einfach spontan näher. Also ich muss es nicht sein, weil ich kann ja auch auf die Frage nicht antworten #00:25:27-6#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:25:28-0#

Christiane Patzelt: Oder sie können auf die Frage nicht antworten, aber ich kann. Ich habe die Möglichkeit. Meine Eltern, die wussten früher überhaupt nichts von mir, sobald ich die Tür zuschloss. Da war ich weg. #00:25:39-8#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:25:40-1#

Christiane Patzelt: Was ich da gemacht habe, das haben die im Leben nicht erfahren, was auch ganz gut ist so. (lachen beide) Das würde ich auch nicht erzählen wollen. Das ist eben heute ein bisschen anders. Man ist doch irgendwie zusammener und man erlebt Dinge auch irgendwie anders. Also ich kann es mir schlecht schildern, aber es ist, verändert sich schon auch im Miteinander. Ich habe auch viele Apothekerkollegen, mit denen ich per Facebook verbunden bin. #00:26:11-4#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:26:11-5#

Christiane Patzelt: Man kriegt da relativ schnell mit wie wer tickt und wenn man sich dann das erste Mal sieht, ist das wie ein Klassentreffen oder wie Alte-Leute-Treffen, weil man sich durch die Kommunikation auch, wenn das Gesicht dazu fehlt oder die Stimmung oder die Stimme selber oder Gestik, aber man ist sich dann doch relativ schnell vertraut, weil man von dem anderen schon weiß wie er so tickt. #00:26:36-7#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:26:36-8#

Christiane Patzelt: Und ich habe viele Kollegen mittlerweile kennengelernt, zwei, drei leider noch gar nicht, auf die bin ich gespannt, das kommt irgendwann, dass ich die kennenlerne, aber das finde ich auch sehr erfüllend für mich, dass ich über meine Leegebrucher Decke rausgucken kann und gucken kann wie geht es den anderen Kollegen? Das hat mich seelisch auch in beruflich schweren Zeiten sehr gerettet, dass ich wusste, hey es gibt Kollegen, den geht genauso der Arsch auf Grundeis, die rudern genauso rum wie du. Das hatte so ein Gemeinschaftsgefühl in mir geweckt und dafür liebe ich die Medien schon oder diese Tools, dass die mir das ermöglichen. #00:27:22-0#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). Ist es #00:27:23-1#

Christiane Patzelt: Also mein persönliches Antidepressivum. #00:27:25-2#

Norman Glaser: (lacht) Sehr schön. Ja. #00:27:27-5#

Christiane Patzelt: Ja ist wichtig, weil ich gehe nicht zur Konkurrenz und frage, sage mal, ist bei dir der Rohertrag auch so gesunken? Nein, das machst du nicht, weil A ist es die Konkurrenz und B wie komme ich denn dazu meine Schwächen zu präsentieren. Nein, nein, nein. Da brauche ich schon ein bisschen Anonymität am Anfang, um zu gucken wie vertrauensvoll sind die Kollegen in was weiß ich jetzt irgendwo in Kleve oder in Ingolstadt oder #00:27:53-6#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:27:53-8#

Christiane Patzelt: Frau Kossen (unv.) #00:27:54-9# in Wiefelstede. Da musst du erstmal gucken wie ticken die denn so? Kann ich da auch mit meinen intimen Sorgen hin und kann ich da auch mit Sorgen hin, die ich mit dem Mann nicht teile, denn ich möchte meinen Ehemann nicht panisch machen, wenn der mit der Rohertrag ist gesunken, dann verfällt der sofort in Aktionismus und sagt okay wir kaufen jetzt am Wochenende gar nicht mehr ein, wir leben von den Resten, wir schon irgendwie funktionieren (lachen beide) und das ist, was ich da nicht lostreten möchte, sondern erstmal horchen möchte, hey wie ist es denn bei euch und wie kommt man denn raus aus der Nummer und habe da geschäftlich schon Entscheidungen treffen können, die ich sonst so nicht getroffen hätte. #00:28:36-8#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). Sehr gut. Und wie beobachtest du das, wenn du so mal die letzten vielleicht zwei, drei Jahre zurückblickst? Wird das mehr, also mehr Apotheken, die sich auf diese Weise über Facebook zum Beispiel vernetzen? #00:28:49-3#

Christiane Patzelt: Ich glaube, das hat sich konsolidiert. Ganz hoch ging das ja her, als wir 2011 gegen die Apotheke Light vorm Bundesrat demonstriert haben, da in dem Ingo Dramenburg so einer, der Anfänger und ich bin da relativ schnell aufgesprungen, den Herrn Dramenburg habe ich irgendwie durch eine Kommentargeschichte bei Apotheke Adhoc oder so kennenlernen dürfen und wir sind relativ schnell übereingekommen, dass wir A uns mal kennenlernen müssen und B mal für die Apotheker demonstrieren müssen und #00:29:34-6#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:29:34-7#

Christiane Patzelt: Das gab dann auch, ich weiß jetzt leider gar nicht mehr wann genau irgendwie Anfang 2012 meine ich eine Demo von fast meiner ganzen Apothekenbelegschaft. Ich bin halt nahe an Berlin dran vor dem Bundesrat gegen die Apotheke Light, da haben wir die Zitronen verteilt und waren dann im Haus der ABDA und haben da erbeten, dass die ABDA sich mal für inhabergeführte Apotheke einsetzen muss und die ABDA selber war auch total überrumpelt und wenn man so alte Bilder von der Deutschen Apothekerzeitung zu der Zeit sieht, sieht man auch wie die einfach nur da stehen #00:30:10-8#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:30:10-9#

Christiane Patzelt: Und gar nicht wissen, was wollen denn jetzt hier protestierende Apotheker? Wo gibt es denn sowas? Das hatten wir ja noch die, so ungefähr. Und was war die Ausgangsfrage? Jetzt habe ich den Faden verloren. #00:30:23-9#

Norman Glaser: (lacht) Inwieweit die Vernetzung zugenommen hat, aber du hast gesagt, es hat sich konsolidiert. #00:30:30-0#

Christiane Patzelt: So. Gut. Genau. Also da kam dann, weil das eben über die Printmedien dann bekannt wurde, kamen dann schon etliche Leute zusammen und Facebook hat sich dann irgendwie ergeben, weil das eben auch das Medium war, was die meisten bespielten und wir haben dann eine Gruppe von 200 Protestapothekern, wobei da ungefähr 30 von aktiv sind und sich auch aktiv regelmäßig melden und einfach auch mal ihren Ärger kundtun und auch Lösungen anbieten. #00:31:06-3#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:31:06-7#

Christiane Patzelt: Und das hat sich konsolidiert. Also es sind jetzt nicht unbedingt mehr geworden. Das kann ich nicht sagen. Es gibt eben auch einen großen Altersspagat bei uns. Es gibt so ein junge wilde Hippe, die dann die ganz große Nummer fahren mit gleich 3 Apotheken aufmachen und es gibt eben viele, viele alternde, die einfach auch so innerlich schon den Stift abgelegt haben und gesagt haben, #00:31:32-8#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:31:33-2#

Christiane Patzelt: Wir machen jetzt hier noch 2 Jahre und dann wird verkauft oder die Tür zugeschlossen. Und die Alternden kriegt man kaum. Also es gibt einen, den Reinhard Rodinger, das ist so ein ganz Aktiver, auch eine Berliner Pflanze, der auch wirklich tolle Ideen hat, also ich ziehe immer wieder meinen Hut vor seinem Weitblick und vor seiner Fähigkeit mit einer Rückschau in die Zukunft zu gucken. Also der nimmt immer Dinge mit aus der Vergangenheit und kann sie so wunderbar projizieren auf die Zukunft. Das finde ich auch immer ganz wichtig, dass man #00:32:11-9#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:32:12-1#

Christiane Patzelt: Mal das von gestern nicht vergisst, weil das ein bisschen von vergangenen Sachen das unheimlich wichtig für vernünftige Entscheidungen in die Zukunft. Und das kann der wunderbar. Also der ist auch schon weit über 80. Also eigentlich müsste der gar nichts mehr tun, aber das geht dem halt unter die Haut. Der ist Apotheker mit Haut und Haaren. #00:32:36-5#

Norman Glaser: Und ich glaube das macht den Unterschied. Die Begeisterung Menschen zu helfen. Apotheker zu sein und Apothekerin zu sein. Ja absolut. #00:32:43-2#

Christiane Patzelt: Ja ist irgendwie ein ganz komischer seelischer Zustand, Apotheker zu sein. Also es gibt Leute, die ja pfeifen dann immer so ein bisschen zwischen den Zähnen, wo ich denke, ja hat der vielleicht noch das alte Bild von früher. Es gibt auch Leute, für die ist das überflüssigste Beruf von der Welt. Also die haben wir auch. Es gibt Menschen, die finden, wir sind Krämerseelen, die unheimlich hohe Preise haben und ansonsten nichts leisten. Das ist eben wirklich, na ja es sind eigentlich Opfer von (lacht) Apothekeneinkäufen, die wo der Mehrwert fehlte. #00:33:23-7#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:33:23-9#

Christiane Patzelt: Also da konnte der Kollege, der diesen Menschen dahatte, wohl nicht begeistern und nicht überzeugen, dass eine Apotheke wichtig ist. Aber gut, das man ja mit jedem Beruf. Ich glaube, es gibt keinen Beruf, wo alle sagen, gut, dass es den gibt. #00:33:37-8#

Norman Glaser: Was wäre denn so dein Tipp für andere Apotheker, um sich zu positionieren als Apotheke? #00:33:44-4#

Christiane Patzelt: Das ist schwierig. Was wäre mein Tipp? Es gibt so viele Baustellen. Wenn ich in Apotheken gehe, sehe ich so viele Dinge, wo ich denke, ah das kann man besser machen, anders machen, geht los bei der Freundlichkeit, denn man hat eben ein Mensch zu Mensch Kontakt #00:34:12-5#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:34:12-6#

Christiane Patzelt: Und meine Damen hinter dem Tresen sollten egal was für Nöte und Sorgen sie haben, in dem Moment, wo der Kunde oder Patient vor Ihnen steht, einfach beherrschen, dass es um den Kunden geht und nicht gerade um sie. Also so viel Professionalität wünsche ich mir eigentlich von jeder pharmazeutischen Kraft am Tresen. #00:34:35-0#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:34:35-1#

Christiane Patzelt: Ich wünschte mir, dass die Apotheker nicht immer so sehr gucken wie ihr Ruf ist, sondern sich einfach mal auf ihre Kompetenzen zurückziehen und auch Fortbildungen besuchen. Vermisse ganz viele Kollegen auf Fortbildungen #00:34:53-4#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:34:53-3#

Christiane Patzelt: Und das medizinische Wissen verdoppelt sich, ich weiß nicht, alle 5 Tage oder so? Es gibt ja so eine Aussage, dass man das gar nicht alles wissen kann, aber man sollte wissen, wo es steht. Ich wünsche mir, dass die Apotheker irgendwann mal eine Standesvertretung haben, die der Politik klarmachen kann, wobei wir richtig sind und warum die einzelnen Betriebsstätten wichtig sind. #00:35:23-6#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:35:24-2#

Christiane Patzelt: Das wünsche ich mir von Herzen, dass es irgendwann mal einen Politiker gibt, der sagt, die Apotheke ist super wichtig als niederschwellige Eingangspforte für die Gesundheitsversorgung, denn wir haben nicht so begrenzte Öffnungszeiten wie der Arzt das hat. #00:35:41-9#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:35:42-3#

Christiane Patzelt: Wir sind hier nicht nur ein Arzt, sondern 5 PTAs und 2 Apotheker. Also wir sind personell einfach breiter im Wissen aufgestellt als es eine Arztpraxis ist. Denn die Sprechstundenhilfe vorne ist eben kein kleiner Arzt, aber eine PTA kann durchaus ein kleiner Apotheker sein, um es mal so ein bisschen überspitzt darzustellen. #00:36:05-6#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:36:05-9#

Christiane Patzelt: Also ich finde die Politik darf da ein bisschen gucken, was sie mit den einzelnen Betriebsstätten veranstaltet und momentan werden wir von den Krankenkassen böse gehauen mit Retaxen und das grenzt echt schon an Schikane, wenn wir immer mehr Nachweise bringen müssen, warum wir dies oder jenes an den Patienten abgegeben haben. Wir werden von der Politik immer mehr als Logistiker gesehen, was mir unheimlich wehtut. Denn wir sind weit mehr als das. Aber, wenn man sich die Anteile wie der Apotheker beim Medikationsplan beispielsweise gesehen wird oder bei irgendwelchen Präventionsmaßnahmen, Gesundheitsvorsorge, wir finden nirgendwo statt. Und das ist echt schade, denn die Gesellschaft leistet sich das teure Pharmaziestudium #00:37:01-8#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:37:01-9#

Christiane Patzelt: Für in Berlin 120 Studenten und sie macht mit unserem Wissen nichts. Sie lässt es brachliegen und das finde ich extremst bitter. Also für mich als Apotheker im mittleren Alter schon bitter, weil ich nicht mehr dazu komme, zu zeigen, was ich kann und für die Jungen, die gerade von einer Uni kommen, eigentlich nur der Weg in die Industrie geht #00:37:28-3#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:37:28-4#

Christiane Patzelt: Und nicht mehr in die öffentlichen Apotheken. Und das finde ich schade, also das ist Perlen vor die Säue. Dann kann man das Pharmaziestudium auch sein lassen, wenn man uns nicht verwendet, wenn man für uns nur noch die logistische Idee hat, dann kann man uns auch klemmen. Kann man uns (unv.) #00:37:46-2#

Norman Glaser: Und das ist unter uns gesagt, das wäre der Untergang, weil logistisch macht es ein Amazon und Co. einfach besser. #00:37:52-8#

Christiane Patzelt: Definitiv. Besser weiß ich nicht. Ich weiß jetzt nicht, ob Amazon hier 60 Stunden geöffnet hätte in Leerebruch, das frage ich zu bezweifeln. #00:38:03-0#

Norman Glaser: (lacht) Nein wahrscheinlich nicht. #00:38:04-3#

Christiane Patzelt: Sie sind im Zweifelsfalle effizienter. #00:38:07-3#

Norman Glaser: Ja. In der Auslieferung einfach per se. #00:38:09-6#

Christiane Patzelt: Müssen wir auch ihren Anteilseignern oder Investoren oder die Aktieninhaber, denen müssen sie ja auch eine gewisse Rendite verweisen. Ich muss das nicht. Ich muss keinem eine Rendite vorweisen. #00:38:24-3#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:38:24-5#

Christiane Patzelt: Ich habe keinen, der meine Aktien (unv.) #00:38:27-3# hält. (lachen beide) Gut, eine Gesellschaft muss das für sich entscheiden, wo sie da hinmöchte und ich selber kann nur tagtäglich mit meiner Begeisterung am Patienten zeigen, hey du brauchst mich. Ich wünsche mir, dass du mich brauchst. Ich wünsche mir, dass du mich fragst und wenn du nur so ein Salbeibonbon lutscht, möchte ich gerne, dass du mich fragst, ob dir das guttut oder ob das überflüssig ist. Ich sehe ganz viele Menschen sich selbst optimieren #00:39:03-0#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:39:03-0#

Christiane Patzelt: Und die Informationsversorgung über das Netz führt manchmal so merkwürdige Stilblüten, ich komme manchmal gar nicht drauf wie Menschen so eine Denke haben können, aber in der Regel sind das eben Laien, die sich im Netz bewegen und danach Antworten für ihre Gesundheit und für ihre Selbstoptimierung suchen #00:39:27-5#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:39:27-8#

Christiane Patzelt: Und eigentlich gar keinen richtigen Guide an der Seite haben, keinen Gesundheitslotsen an der Seite haben, den Arzt rufe ich nicht an und frage, lieber Doktor ist das in Ordnung, wenn ich hier Korallen in Brausetablettenform für meine Knochen nehme. Das machen die Leute nicht. Die kaufen das einfach, nehmen das einfach ein und hoffen, dass alles gutgeht, aber das ist nicht die Idee von vernünftiger Vorsorge oder vernünftiger Gesundheitsdienstleistung. Und da ist es schön, dass der Patient zu mir kommen kann und sagen kann, ich habe hier eine Anzeige gelesen über Koralle in Brausetablettenform für meine Knochen. Finden Sie das sinnvoll? #00:40:11-1#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:40:11-6#

Christiane Patzelt: Und da ich keinem Dienstherren unterstehe und keine Rentabilitätszahlen hinlegen muss, also schon in gewissem Maße, aber jetzt eben nicht so, dass die Aktiengeber panisch werden, wenn ich da keine habe, kann ich dem auch sagen, das macht keinen Sinn für dich. Du musst das gar nicht kaufen. Lass es sein. #00:40:33-8#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:40:33-9#

Christiane Patzelt: Und das ist eben auch, was mir in der Diskussion, muss es Apotheken geben, immer wieder vergessen wird, dass wir durchaus nicht nur in der Lage sind, zu verkaufen, sondern eben auch einen Verkauf zu verneinen und zu sagen, das brauchst du gar nicht. Und das passiert viel öfter als man das denkt. Das passiert viel öfter, dass man dem Patienten mit einem Wunsch, also kommt mit einem Präparat und Wunsch, dass man dem sagt, das ist dir nicht hilfreich, aber ich habe eine andere Idee. #00:41:10-0#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:41:10-6#

Christiane Patzelt: Also geht los beim weiß ich nicht Schlafmittel und hört auf bei irgendwelchen ominösen Abnehmpillen und was es da alles gibt und der Markt ist riesig. Der Markt ist wirklich riesig und unübersichtlich. Und da finde ich es wichtig, dass es jemanden gibt, der sagt, das ist tauglich oder das ist nicht tauglich und der Arzt hat dafür keine Zeit, der ist dafür auch nicht gemacht. Der hat auch nicht das Studium dafür und das muss er auch nicht. Dafür wird er auch nicht bezahlt. Aber dafür leistet sich eine Gesellschaft eben dann Apotheker und dafür finde ich, sollte man uns auch benutzen und sollte man auch wissen in der Politik, hey das sind die, die auch auf die alten Leutchen aufpassen, dass die sich hier nicht 40 Paracetamol in einer hinterjubeln. #00:42:00-6#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). Ich glaube das wäre #00:42:02-5#

Christiane Patzelt: Und das passiert #00:42:02-4#

Norman Glaser: Ja. Sorry. #00:42:04-6#

Christiane Patzelt: Und das passiert auch, dass das eben Senioren gerne ein bisschen ja dolle treiben mit ihrer Selbstmedikation und gut, seitdem wir die Versandapotheken haben, sehen wir Apotheker vor Ort kaum noch Süchtige. Die sind alle ins Netz abgewandert. Und wie das sinnvoll ist, lasse ich jetzt mal so stehen. Da mache sich jeder seinen eigenen Reim drauf. Aber es fehlt dann eben so die Führung einfach. #00:42:35-6#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:42:35-9#

Christiane Patzelt: Wir fehlen da in diesem Online Ding. Aber gut. #00:42:39-5#

Norman Glaser: Wenn die Apotheken oder wenn die Politik wie du sagst nichts tut oder sich nur bedingt einsetzt, wäre es eigentlich, wäre es dann nicht der Aufruf zu sagen, wir Apotheker, Apothekerinnen stehen Schulter an Schulter für wie soll ich sagen, dafür, dass man uns als Kompetenzträger wahrnimmt und nicht als die ein Medikament abgeben? #00:43:08-5#

Christiane Patzelt: Das machen wir ja im Prinzip schon tagtäglich am Tresen. Also indem wir die Leute vor Ort quasi überzeugen wiederzukommen bei der nächsten gesundheitlichen Frage, weil jedes Gespräch vom Pharmazeuten oder von der pharmazeutischen Kraft mit dem Patienten ist auch eine Bank für den nächsten Besuch. #00:43:34-4#

Norman Glaser: Ja absolut. #00:43:35-1#

Christiane Patzelt: Ja, wenn der Patient das Gefühl hat, was geben die denn da für einen Quatsch, dann kommt der nicht mehr wieder. Der sagt mir aber vorher nicht, ich komme jetzt übrigens nicht mehr wieder. Der bleibt einfach weg. Und das ist natürlich auch immer ein bisschen doof, weil dann kann ich nicht lernen. Also ich sage meinen Kunden schon auch, wenn Sie Kritikpunkte haben, sind Sie so lieb, lassen mich das wissen, denn ich muss daraus, möchte daraus lernen, wenn ich Fehler mache. Es ist ein bisschen schwierig, also Kritikkultur ist in Deutschland eher Fehlleitung, einfach weg. #00:44:04-8#

Norman Glaser: (lacht) Ja. #00:44:05-1#

Christiane Patzelt: Das vermisse ich ein bisschen. Also im Netz sind sie immer ganz dolle, wo ich denke, hey Jungs bleibt höflich, alles schön, man kann sich gerne beschweren, aber es sollte im freundlichen oder respektvollen Ton miteinander bleiben. Hier vorne am Tresen habe ich eher so dieses asiatische, ne, die Leute lächeln dich an und denken sich ihren Teil. Damit kann ich irgendwie immer nicht so. Ich habe gerne das Direkte. Aber egal. #00:44:33-0#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:44:33-6#

Christiane Patzelt: Ich sehe das Problem Schulterschluss. Denn wir Kollegen sind alle so (atmet tief aus) unterschiedlich, indem, wo wir so hinwollen und was wir für Ideen haben, warum wir Apotheker geworden sind und was das Berufliche uns bringen soll. Ja, es gibt Menschen, die leben ihre Persönlichkeit aus und sind eben von Hacke bis Nacke das, was sie auch beruflich machen und es gibt Kollegen, die sind nur da zum Geld verdienen und haben halt lästiges Personal sage ich mal so, na ja die sehen das so ein bisschen als Investition #00:45:17-1#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:45:17-4#

Christiane Patzelt: Und manche sind es eben aus innerer Überzeugung. Also sehe da keine Möglichkeit zu sagen, wir halten jetzt alle zusammen. Das haben wir schon bei den Streiks nicht geschafft, dass alle schließen und das werden wir glaube ich auch so in dieser gesellschaftlichen, Leute guckt her, ihr braucht Apotheker, das werden wir nicht schaffen. Das glaube ich nicht und das Problem ist, wir kriegen ständig Kloppe, also wir sind bei Panorama, Report aus München, #00:45:48-2#

Norman Glaser: Das stimmt. Ja. #00:45:48-9#

Christiane Patzelt: Nehmen Sie, was Sie wollen, nimm, was du willst. Die 14-tägige Medienschelte holen wir uns ab und das klopft dich irgendwann auch weich und irgendwann schämst du dich auch, das zu sein. Also, wenn ich im Urlaub bin, sage, nenne ich nie meinen Beruf. Das verklemme ich mir. Das kneife ich mir #00:46:08-2#

Norman Glaser: Ehrlich? #00:46:09-4#

Christiane Patzelt: Früher war ich ganz stolz drauf, weil das ein schweinisch schweres Studium war und Apotheker waren früher was ganz Besonderes. Das war eben nicht jeder. Und kaum einer kannte einen privat. Wir waren so ein bisschen wie ja weiß ich nicht was gibt es denn für Tiere, die man im Wald selten sieht? #00:46:26-9#

Norman Glaser: (lacht) #00:46:28-5#

Christiane Patzelt: Ja. So ganz scheue Rehe oder so. Mittlerweile ist, weil so oft auf Apotheken gekloppt wird, ein Apotheker eher ein Beruf, den man na ja nicht so nach draußen trägt. Was ich schade finde. Aber gut, das ist eben so. Ich kann es nicht ändern. Ich kann die Medien nicht ändern und habe auch das Gefühl, da wird auch jahrelang einfach Politik, mediale Politik, betrieben. Denn ich sehe durchaus einen Bertelsmann Verlag, der sich so langsam in der Gesundheitsecke breitmacht, der hängt schon in Spanien mit Avatario heißen die glaube ich, in Spanien als Gesundheitsdienstleister, ne der kleine Bertelsmann Verlag. Gut, wenn sich die Zeitungen nicht mehr verkaufen, muss man irgendwie anders zu Geld kommen #00:47:18-6#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:47:18-6#

Christiane Patzelt: Und der Gesundheitsmarkt ist ein riesig wachsender und da will jeder irgendwas von abhaben oder ob das C&A ist, die jetzt eine Retaxfirma gekauft haben. C&A ist halt ein Familienbetrieb wie Brenningmeier und die leben jetzt davon, dass Apotheker Fehler übersehen auf Rezepten. Also das muss man sich mal vor Augen führen wie absurd das ist. Na ja gut #00:47:43-8#

Norman Glaser: Also #00:47:43-8#

Christiane Patzelt: Ich kann es nur anklagen, ich kann es nicht ändern. #00:47:46-6#

Norman Glaser: Ähm das sehe ich ein bisschen anders. Wir können es ändern und deswegen an dieser Stelle der Aufruf an alle, die uns zuhören, dass wir uns im Apotheken Fachkreis zusammenschließen, um über innovative Konzepte der Zukunft zu sprechen. #00:48:02-2#

Christiane Patzelt: Okay. #00:48:02-2#

Norman Glaser: Weil all das, was du gesagt hast und das verstehe ich zum Beispiel auch nicht, wie Doktor Google kompetenter sein soll als ein Arzt oder Apotheker und wie aber durch diese permanente Nutzung von Google eine Beziehung zu einer ja zu einer Maschine entstanden ist, der ich eine höhere Glaubwürdigkeit abnehmen als dem Apotheker in meinem Ort. Also und ich glaube #00:48:32-5#

Christiane Patzelt: Das hat mit Prägung zu tun. #00:48:34-9#

Norman Glaser: Absolut. Ja genau. #00:48:36-1#

Christiane Patzelt: Wir lernen, wenn wir in die Schule gehen, aus Büchern. Wir lernen, was da schwarz auf weiß steht, stimmt. Ich habe als Schüler nie im Leben ein Geschichtsbuch in Frage gestellt. Ich habe gelernt, was da steht, stimmt. Und dieses, es steht hier schwarz auf weiß und die jahrelange Prägung von Kindesbeinen an, bringt mich einfach dazu immer zu glauben, was da steht. #00:49:04-9#

Norman Glaser: Absolut. #00:49:05-6#

Christiane Patzelt: Deswegen kommen Leute wirklich mit Zeitungsanzeigen rausgerissen, vorher nachher Bilder, das steht doch da. Das kann nicht gelogen sein. Das druckt doch eine Zeitung, also, wenn das da steht, dann muss das doch auch stimmen und aus dieser Nummer kommt man schwer raus. Manche Leute sind da zugängig. Wenn ich dem Patienten sage, wissen Sie, über wen Sie mal die wirklich großen Koryphäen, die setzen sich doch nicht in gutefrage.net und beantworten die Fragen der kleinen Leute. Die haben da gar keine Zeit für. Die finden sich einfach nicht in diesen normal zugänglichen Informationsstellen, die kriegen Sie so gar nicht. Die richtig guten Leute, die was wissen von der Pharmazie oder die was wissen von der Medizin, die finden Sie nie auf solchen Plattformen. Und wenn Sie eine Frage in so eine Plattform stellen, kennen Sie im Leben nicht denjenigen, der Ihnen da antwortet. #00:50:09-9#

Norman Glaser: Ja. Absolut. #00:50:10-6#

Christiane Patzelt: Die mir da antworten. Ehrlich, stellen Sie sich mal vor, Sie stehen da draußen an der Bushaltestelle und da kommt einer auf Sie zu und Sie fragen den irgendwas, würden Sie dem einfach glauben nur, weil der da gerade zufällig steht? Und genauso ist es im Netz, das ist eine Frage, die Sie da reinstellen und irgendeiner antwortet zufällig. Aber wie weit man dem glauben kann oder wie kompetent der ist, das können Sie doch gar nicht beurteilen. #00:50:37-5#

Norman Glaser: Ja. Absolut. Also diese Anonymität und diese vor allen Dingen nicht überprüfbare Qualität, die macht das Ganze ja so gefährlich. Dann fange ich nämlich schnell an, gerade die #00:50:46-6#

Christiane Patzelt: Richtig. #00:50:47-1#

Norman Glaser: Jüngeren, aber da würde ich die Eltern gar nicht ausschließen sich selbst zu versorgen mit Medikamenten oder mit Nahrungsergänzungsmitteln, was echt ein gefährliches Spiel sein kann. #00:50:57-6#

Christiane Patzelt: Genau so. Und diese Prüfbarkeit, ich glaube, das wäre schon durchaus eine Lücke für uns, denn, was mir wirklich im Netz fehlt, ist, frag doch mal den Apotheker. Wenn ich Fragen gesundheitlicher Natur habe oder wo gehen Rezepte eigentlich hin oder so, kann ich das überall machen, nur ich kriege nie einen Apotheker. Es gibt eigentlich keinen Blog, na ja Blog finde ich immer ein bisschen zu viel Geschwafel, aber es gibt nichts, wo man als Mensch hingehen kann und weiß, da sitzt nur ein Apotheker. Sowas gibt es nicht. #00:51:35-5#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:51:36-3#

Christiane Patzelt: Gibt es sowas? Ich habe noch nicht konkret gesucht, aber irgendwie nein kam mir jetzt, ich bin viel medial unterwegs, #00:51:44-1#

Norman Glaser: Ja also es gibt schon Lösungen und das ist ja dieses Buzzword Disruption. Es gibt Startups, die überlegen sich einfach mal über das Wochenende, wie kann ich eine technische Plattform bauen oder eine Mobile App für das Smartphone bauen, dass ein Patient von weiß ich nicht 8 Uhr bis abends 20 Uhr 12 Stunden die Möglichkeit hat, einen Facharzt zu kontaktieren, um den irgendetwas zu fragen. #00:52:12-0#

Christiane Patzelt: Okay. #00:52:12-6#

Norman Glaser: Wollen wir mal nicht unterstellen, dass dort Diagnostik betrieben wird, was ja in Deutschland nicht zulässig wäre, aber rein technisch und das muss ja noch nicht mal ein Unternehmen in Deutschland sein, denn die können im Ausland sitzen, sind trotzdem erreichbar über das Internet und dann ist einfach mal ganz schnell so eine Branche angegriffen und wenn man sich mal in dem Branchenvergleich anschaut, wo die Pharmazie ist, so generell, dann ist es das schon das Schlusslicht. Also da kommt nicht mehr hinten dran und ich glaube, da ist auch so ein bisschen die Crux, egal ob Apotheker oder auch Arzt, dass die Kommunikation und jetzt pauschalisiere ich und mache es ein bisschen, formuliere es mal ein bisschen schärfer, dass die Kommunikation an der Apothekentür aufhört. Also #00:53:07-4#

Christiane Patzelt: Mit dem Patienten. #00:53:08-0#

Norman Glaser: Mit dem Patienten. Ja genau. Die Patientenkommunikation ist in der Apotheke, es ist das persönliche Gespräch, was vor 40 Jahren genauso geführt wurde wie heute, nur mit vielleicht anderem Wissen, anderen Medikamenten, #00:53:18-9#

Christiane Patzelt: Ja. Okay. #00:53:19-1#

Norman Glaser: Aber ich glaube, was es braucht, sind Brücken und das ist jetzt so meine Brücke zum Thema Digitalisierung. Ich glaube, es braucht Brücken, um den Dialog aufrechtzuerhalten, weil die Leute kommen mit ihrem Smartphone googeln, ne, Doktor Google in die Apotheke und gehen mit Google auch wieder raus. Das heißt, Google ist 24/7 für die Patienten erreichbar und fragbar. Das kann jetzt kein Apotheker leisten, völlig klar. Aber ich glaube, es braucht Konzepte, um diese Interaktion mit dem Patienten aufrechtzuerhalten. #00:53:57-0#

Christiane Patzelt: Okay. Wir haben jetzt seit einem halben Jahr eine Whatsapp Gruppe mit den Patienten. #00:54:03-2#

Norman Glaser: Sehr cool. Super. #00:54:04-5#

Christiane Patzelt: Und am Anfang habe ich so gedacht, na ja mal gucken. Ich habe auch eine apothekeneigene App, die wird leidlich benutzt, sage mal so, 3 bis 5 Nutzer. Habe eine E-Mail, logischerweise Telefon geht immer, also seitdem die Flats (lacht) von den Telekomanbietern positioniert wurden, ist unser Telefon fast nicht totzukriegen, aber für uns war die Idee, Whatsapp nehmen wir doch einfach mal, auch, wenn das jetzt rechtlich unsauber ist. Gut, ich verpflichte ja keinen der Kunden zum Whatsappen, aber biete das an #00:54:44-3#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:54:44-5#

Christiane Patzelt: Und siehe da, das findet einen ganz regen Zuspruch und nimmt mir unheimlich den Druck beim Bimmeln ans Telefon zu gehen. #00:54:56-4#

Norman Glaser: Ja spannend. Super. #00:54:57-4#

Christiane Patzelt: Also ich kann, höre den Pfeifton, okay da möchte einer was von mir und kann das aber, kann mein Beratungsgespräch vorne in aller Ruhe fertig führen und mich dann dem Whatsappen zuwenden. Das geht auch nach 19 Uhr und das geht eben auch schon über das normale hinaus. Also das ist schon so eine Schiene, wo die Kunden mich auch zuhause haben. #00:55:21-8#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:55:22-2#

Christiane Patzelt: Ich habe auch nur eine Visitenkarte mit diesem Whatsapp. Also da ist noch nicht mal die Adresse oder die normale Telefonnummer drauf oder so, sondern einfach nur ein Hund mit einer Rose im Maul. Ich habe als Logo eben so einen Hund und da steht einfach, Ihre Landapotheke Leerebruch whatsappt jetzt mit und dann die Nummer dazu schön groß, seniorenfreundlich und das läuft richtig Bombe. Also hätte ich im Leben nicht gedacht. Finden Sie Leute sehr praktisch und na ja. Man kann auch mal sagen, hey süßes Profilbild und da sind die Leute gleich gebauchpinselt. Also man ist dann eben auch so ein bisschen näher aneinander. #00:56:02-2#

Norman Glaser: Ja. Es ist dieses Socialising. Ja. Absolut. #00:56:06-2#

Christiane Patzelt: Genau. Also man eben auch mal ein Smiley schicken und so und das sollte jetzt nicht überbordend sein, dass wir jetzt mit Herzchen und ne, was weiß ich was es für Emojis gibt. Wobei es fehlt mir eigentlich ein Emoji für einen Apotheker, aber egal. Mein Spruch ist da auch, Landapotheke Leerebruch, jeder Mensch hat eine gute Apotheke verdient. Das ist so, nun man kann da ja auch drunter mal solche Sätze bringen und irgendwelche Zustandsbeschreibungen. (lachen beide) Und das ist auch mein Credo. Also und wenn die Leute nicht zufrieden sind, dann mögen Sie es auch sagen und mögen das auch an mich richten und denn ich bin ja der Chef hier und bin ja auch verantwortlich, warum was passiert und das finde ich schon wichtig und ich mag dieses Whatsapp Ding total gerne. Finde das sehr spannend. #00:56:57-2#

Norman Glaser: Und du setzt eigentlich auf ein Tool und ich bin da ganz klarer oder ich bin davon ganz klar überzeugt, dass wir in Zukunft das Thema Mobilität noch ganz anders erleben werden. Also du schaffst es ja mit Whatsapp tatsächlich in die Hosentasche deines Patienten zu kommen und also mit einem digitalen Medium eine Beziehung herzustellen, indem du Smileys schickst und dergleichen. #00:57:21-6#

Christiane Patzelt: Aber er kommt auch in meine. #00:57:23-5#

Norman Glaser: So ist es. Genau. #00:57:24-3#

Christiane Patzelt: Also ich bin oftmals sonntags hier, mache Buchhaltung, denn für mich ist der Sonntag immer der Tag, wo es nicht klingelt und nicht bimmelt und nicht, Chef kannst du mal, Chef hast du mal, sondern ich in Ruhe und mit einem schönen Flow meine Sachen hier abarbeiten kann und bin auch sonntags ansprechbar. Wenn da einer eine Frage oder ein Problem hat oder ich habe jetzt die Palliative-Richtung vorhin erwähnt. Wenn die Patienten da irgendwelche Nöte haben, ja immer her damit. Wenn ich nicht antworte möchte, weil ich gerade, weiß ich nicht, mit meinem Mann in der Badewanne sitze, dann antworte ich nicht, aber ich möchte ihnen schon die Möglichkeit geben, benutze mich, dafür bin ich da, dafür bin ich Landapotheker. #00:58:12-2#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:58:12-7#

Christiane Patzelt: So, wenn ich das nicht wollte, dann wäre ich in Berlin geblieben, hätte die Bude nur bis 18 Uhr geöffnet und wäre dann ins Fitnessstudio gestrotzt. Nein, ich habe mich dafür entschieden Landapotheker zu sein und das möchte ich auch leben und das möchte dir auch zeigen, dass du mich benutzen kannst in dem Maße. Dafür bin ich da, da habe ich auch die Spezialisierung für. Die Leute nutzen es meistens nicht. Aber sie finden es ganz toll, dass sie die Möglichkeit haben. #00:58:39-4#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #00:58:40-2#

Christiane Patzelt: Ja sie können sich aussuchen, ob sie das möchten oder nicht. Und das finde ich toll, wenn Leute eine Wahl bekommen sich für eine Dienstleistung zu entscheiden oder auch nicht. Manchmal reicht es schon, dass man weiß, ich könnte. #00:58:56-1#

Norman Glaser: Dann kommen wir jetzt zu unserer Quick Q&A Session. Christiane, ich habe ein paar Fragen vorbereitet, da geht es darum, ich sage dir die Fragen und du antwortest ganz spontan aus dem Bauch raus, was dir dazu gerade einfällt, um in kurzer Zeit einen höchstmöglichen Wert für unsere Zuhörer zu schaffen. #00:59:17-4#

Christiane Patzelt: Mhm (bejahend). Okay. #00:59:17-7#

Norman Glaser: Bist du ready? #00:59:19-0#

Christiane Patzelt: Gut. Ja. #00:59:19-6#

Norman Glaser: Was hat dich anfangs davon abgehalten dich mit dem Thema Digitalisierung auseinanderzusetzen? #00:59:24-4#

Christiane Patzelt: Gar nichts. #00:59:26-5#

Norman Glaser: (lacht) Sehr gut. #00:59:27-5#

Christiane Patzelt: Also ich war immer begeistert und nutze das gerne und finde das toll. Das hat seine Grenzen. Ich weiß das. Aber ich bin absolut bespielbar auf der Ebene. #00:59:38-8#

Norman Glaser: Super. Welcher Moment oder Rat hatte einen besonders nachhaltigen Einfluss auf dein heutiges Leben und auf dein Business? #00:59:45-2#

Christiane Patzelt: Mhm (bejahend). Der Satz meines Chemielehrers. Du studierst Pharmazie, das schaffst du doch ehe nicht. #00:59:51-1#

Norman Glaser: (lacht) (unv.) #00:59:53-4#
Christiane Patzelt: Und ich wollte immer hin zu ihm und ihm meine Approbation zeigen. Ja irgendwie fand ich, na ja gut. Irgendwann soll man das mal ruhen lassen und ja. Aber das war der Satz, der mich echt am Schlafittchen gepackt hat und bei sowas werde ich ehrgeizig. Dem wollte ich es zeigen. #01:00:12-5#

Norman Glaser: (lacht) Okay. Kannst du uns eine Internetressource oder ein Tool nennen, was du selbst einsetzt? #01:00:17-7#

Christiane Patzelt: Da habe ich so ein bisschen gehadert mit der Frage Internettool. Ich finde meine Handykamera unverzichtbar. Beruflich einfach, weil ich die Facebook Seite der Landapotheke aktualisieren kann. Das heißt, ich zeige draußen gerne, was hier drinnen passiert. Ich habe auch alle meine Damen draußen auf der Fensterscheibe kleben, damit die Leute draußen schon sehen, hey welche Gesichter erwarten mich denn da drinnen. Denn ich finde das wichtig, einfach zu zeigen, hier arbeiten Menschen. #01:00:48-3#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #01:00:48-3#

Christiane Patzelt: Guck mal. Das ist unser Gesicht. Da haben wir lange für gearbeitet für dieses Gesicht. Guck dir das an und entscheide selber, findest du es gut oder nicht. #01:00:55-6#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). Sehr gut. #01:00:56-3#

Christiane Patzelt: So die Handykamera ist für mich unverzichtbar. #01:00:59-1#

Norman Glaser: Welche 3 Mobile Apps benutzt du am liebsten? Was ist so auf deinem Homescreen auf dem Smartphone? #01:01:04-8#

Christiane Patzelt: Apple Music ganz dolle wichtig. Ich bin musikalisch viel bespielbar. Habe eine Runtastic, denn ich bin begeisterter Läufer. #01:01:13-4#

Norman Glaser: Sehr cool. #01:01:13-9#

Christiane Patzelt: Ich habe so zweimal die Woche meine 10 Kilometer und gucke mir gerne an, was mein Körper so veranstaltet und die Tagesschau App. Ich bin politisch sehr interessiert und finde das zum Teil spannend gruselig und schrecklich, was so in der Welt los ist. Aber da möchte ich gerne informiert bleiben. #01:01:33-0#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). Weil du gerade Musik angesprochen hast. Was hörst du so? Also damit wir mit dir so ein bisschen auf diesem Thema expandieren können. #01:01:40-5#

Christiane Patzelt: Ja. Okay. Meine erste Erinnerung an Musik war die Sugarhill Gang mit Rapper´s Delight. Kann ich heute noch auswendig. #01:01:49-3#

Norman Glaser: (lacht) Cool. #01:01:50-4#

Christiane Patzelt: Meinen Kindern habe ich die Texte von Queen nahegebracht. Also Bohemian Rhapsody singe ich mit meinem Sohn wunderbar im Duett und heutzutage höre ich unheimlich gerne die Beatsteaks und Seeed, das sind Berliner Combos, die reißen mich immer. Wenn ich irgendwie einen blöden Moment habe, dann mache ich die an und dann geht es mir gut. Beatsteaks finde ich einfach, die haben einen schönen Wums und Seeed mit ihrem Reggae Verschnitt, das mag ich einfach unheimlich gerne. Höre ich super gerne. #01:02:19-6#

Norman Glaser: Super. Cool. #01:02:20-2#

Christiane Patzelt: Und Apple Music gibt mir gerne auch das Chilloutzone Radio. Da komme ich schön in Flow, also ich höre eigentlich alles super gerne. Auch die Kalkbrenners höre ich unheimlich gerne. #01:02:31-3#

Norman Glaser: Sehr cool. Kannst du uns ein Buch empfehlen, welches für dich einen großen Mehrwert hatte? Wie heißt das Buch und worum ging es da? #01:02:39-3#

Christiane Patzelt: Sind sogar zwei Bücher. Für mich war diesen Sommer Juli Zeh total spannend. “Unter Leuten” heißt das. Es geht um Brandenburg, um EU-Fördergelder für Windräder und um den Spruch, unterm Strich zähle ich. Es gibt ja immer so Werbekampagnen, die treffen gerade so wunderbar den Zeitgeist. Also Juli Zeh “Unter Leuten” wirklich, also lesbar, war super spannend, war unheimlich mit kleinen politischen, auch EU-politischen Details gespickt und sehr aktuell. Fand ich super spannend. Und da ich so eine frankophile Tante bin, ich bin fast jedes Jahr in Frankreich unterwegs, musste ich mir auch Michel Houellebecq mal durchlesen mit dem Buch “Unterwerfung”. Da geht es eben um dieses Szenario, der Islam gewinnt politisch die Oberhand in Frankreich. Super geschickt geschrieben, leider sehr aus männlicher Sicht, denn für den Mann geht der Islam mit schönen Frauen unterm Shadore oder unterm Makeup gut aus. Also schon auch eine sehr ja männliche Sicht auf das Ganze, aber #01:03:52-6#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). #01:03:52-6#

Christiane Patzelt: Politisch auch durchaus interessant und kann man sich mal mit auseinandersetzen. Fand ich schon sehr spannend. #01:03:58-1#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). Super. Kannst du uns zum Schluss im Hinblick auf das Digitalzeitalter noch einen Tipp mit auf den Weg geben und wie können wir dich am besten erreichen? #01:04:06-6#

Christiane Patzelt: Also ein Tipp wäre, verabredet euch mehr, hört euch mehr zu. Denn nichts ersetzt eine schöne Umarmung #01:04:14-5#

Norman Glaser: Mhm (bejahend). Schön. #01:04:15-1#

Christiane Patzelt: Und einen schönen Abend unter Freunden, weil das Digitale ist ja alles schön und gut, aber am Ende des Tages und am Ende des Lebens kommt man doch so ein bisschen aufs Wesentliche zurück und das Wesentliche ist schon das Miteinander. Und da zählt eben auch körperlicher Kontakt durchaus dazu. Und am besten erreicht man mich am Sonntag auf Arbeit während ich Büroarbeit mache und im Hintergrund ein schöner Cary Grant Film läuft. #01:04:42-1#

Norman Glaser: Ja. Sehr cool. (lachen beide) Christiane, es hat mir total viel Spaß gemacht. Ich habe für mich selbst auch viel mitgenommen und ich denke auch für die Zuhörer war das ein spannendes Interview. Wir haben total überzogen, aber es hat sich total gelohnt. #01:04:59-2#

Christiane Patzelt: (unv.) Okay. Gut, ich habe auch ein bisschen die Zeit aus den Augen verloren. #01:05:02-4#

Norman Glaser: Ja ich auch. #01:05:03-9#

Christiane Patzelt: Das ist mit Frauen manchmal so, die sind sehr takable, die wollen unheimlich viel loswerden. #01:05:08-6#

Norman Glaser: Ja. Schön war‘s. Ich würde sagen, wir bleiben in Verbindung und ich wünsche dir auf jeden Fall noch eine schöne Zeit und vielen Dank nochmal. #01:05:15-9#

Christiane Patzelt: Dankeschön und ich bin gespannt auf den Schnitt. #01:05:18-3#

Norman Glaser: Ja ich bin auch gespannt Christiane. #01:05:20-3#

Christiane Patzelt: Okay. Tschö Tschö! #01:05:21-7#

Norman Glaser: Bis dann. Ciao! #01:05:23-1#

Christiane Patzelt: Ciao! #01:05:23-7#