Michael Pieper im Gespräch mit Apotheker Marco Zinn über Netzwerke, Entschleunigungsmodelle und warum die Vor-Ort-Apotheke für manche Menschen sogar überlebenswichtig ist.

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Textversion des Interviews

Michael Pieper: Herzlich willkommen zu APOTHEKEN-FACHKREIS.FM. Michael Pieper hier und ich freue mich sehr auf unseren heutigen Gast Marco Zinn. Hallo Marco. #00:00:28-8#

Marco Zinn: Hallo Michael. #00:00:30-1#

Michael Pieper: Marco wie ist dein Tag bis jetzt? Wie geht es dir? #00:00:35-1#

Marco Zinn: Ja sehr gut. Also der Tag lief ja wunderbar an. Bei dem strahlenden Wetter hier in Cuxhaven. #00:00:39-5#
Michael Pieper: Prima. Klasse. Marco, ich mache es immer gerne so, ich mache eine kurze Vorstellung, ein paar Eckdaten so aus deinem Leben und im Anschluss kannst du vielleicht dann noch Ergänzungen machen und wir schauen, ob alles soweit stimmt. Okay? #00:00:55-8#

Marco Zinn: Alles klar. #00:00:57-1#

Michael Pieper: Okay. Marco, du warst nach dem Abitur Zeitsoldat, hast anschließend in Hamburg Pharmazie studiert, dann 2006 approbiert und dann einige Jahre zunächst als Apothekenfilialleiter gearbeitet und bist dann in eine krankenhausversorgende Apotheke gewechselt und du hast unter anderem in der Zeit auch als leitender Apotheker an einer Arzneimittelzulassungsstudie gearbeitet beziehungsweise die begleitet und bist dann aber wieder in eine Filiale gegangen beziehungsweise hast zeitweise glaube ich sogar vier Apotheken geleitet und seit 2015 hast du deine Apotheke, stehst auf eigenen Beinen und machst die Ankerapotheke in Cuxhaven und das ist jetzt eine klassische stammkundenorientierte Apotheke, in der du dich sehr wohlfühlst und wir haben schon im Vorgespräch ein bisschen gesprochen. Jetzt bist du angekommen. Ist das soweit richtig erstmal? #00:02:07-5#

Marco Zinn: Das ist sehr gut recherchiert und genau das ist das, worüber wir heute glaube ich auch reden. #00:02:15-2#

Michael Pieper: Genau. #00:02:15-4#

Marco Zinn: Meine sozusagen meine Wunscherfüllung, die ich mir so in den letzten Jahren, auf die ich hingearbeitet habe. #00:02:24-0#

Michael Pieper: Ja klasse. #00:02:25-0#

Marco Zinn: Wir, ich hatte ja kurz sage ich mal die, also ich hatte wirklich in sehr kurzer Zeit, mancher Kollege wird sagen, 2006 und wir haben jetzt 2016, hast du 10 Jahre im Beruf. Das ist ja noch nicht so ein langer Weg. Aber, wenn man sich das mal so anguckt, in was für einer kurzen Spanne ich da sozusagen in verantwortungsvolle Sphären gedrückt #00:02:50-3#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:02:50-1#

Marco Zinn: Gedrückt wurde, kann sich der ein oder andere das vielleicht sogar sage ich mal, nachvollziehen, dass man da dann doch über eine Druckerfahrung verfügt, die wie ich finde, ich habe hier jetzt die Möglichkeit mit meiner Apotheke mich komplett sozusagen zu verwirklichen, weil ich einfach weiß, was ich will. Ich weiß nicht, ob ein junger Kollege, der vielleicht mit 25 #00:03:15-5#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:03:15-9#

Marco Zinn: Direkt nach dem Studium direkt sozusagen diesen Vorteil so nutzen kann, weil er vielleicht am Anfang viele, viele Fehler machen kann, die ich im Prinzip gleich vermeiden kann, weil ich einfach weiß, wovon ich rede. #00:03:30-0#

Michael Pieper: Ja. Also erst ein bisschen ausgetobt. Man hört so raus, also es war auch einfach ja eine zum Teil auch anstrengende Zeit, glaube ich? #00:03:40-7#

Marco Zinn: Sehr. Also ich denke mal, einige Kollegen werden dieses Druckgefühl wahrscheinlich nie erleben, wenn man auf einmal Notfall-Handys mit sich rumschleppt. Es ist schon etwas Anderes, wenn man jetzt sagen kann, man macht abends um 7 oder um 8 seine Apotheke zu und sagt, nach mir Sintflut und wenn man dann sozusagen Tag für Tag immer noch sozusagen betreuend für diverse Einrichtungen dieses Handy bei sich hat, #00:04:11-2#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:04:11-3#

Marco Zinn: Das macht schon ein gewisses Druckgefühl aus. Und man muss sich das mal so vorstellen. Wir haben ja, wenn man dann selbstständig ist, muss man sich damit ja auch auseinandersetzen, man ist ja dann Arbeitgeber. #00:04:22-4#

Michael Pieper: Ja klar. #00:04:22-6#

Marco Zinn: (lacht) Und man muss immer dafür Sorge tragen, dass die Angestellten, die man sozusagen hat, nicht mehr als 8 Stunden am Tag arbeiten und man selber hat sich da dann so 12 oder manchmal sogar wirklich 24 Stunden Schichten angetan #00:04:41-0#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:04:41-4#

Marco Zinn: Und das über Wochen, Monate hinweg. Das ist schon ein bisschen belastend. #00:04:45-2#

Michael Pieper: Ja. Okay. Aber umso wichtiger, dass du dann für dich einfach die Konsequenzen auch gezogen hast und dann gesagt hast, okay. Also wir beziehen uns jetzt auf die Zeit, als du die krankenhausversorgende Apotheke gemacht hast. Das war diese sehr stressige Zeit oder ich meine, die Leitung von 4 Apotheken war wahrscheinlich auch nicht, auch kein Zuckerschlecken? #00:05:08-6#

Marco Zinn: Nein eben drum. Das ist ja so, das kommt dann immer drauf an wie sowas organisiert ist und mein Chef damals eigentlich vom Typus her ein ganz netter Mensch, aber sehr sage ich mal fordernd und auch sehr selbst nicht ganz so durchstrukturierter Typ. Da merkt man dann schon, wenn man das jetzt, dass man da auch was tun muss. Also, wenn man da eine Filiale leitet, ist es ja heutzutage wirklich schwierig einen Apotheker zu finden, der auch bereit ist als angestellter Apotheker über 40 Stunden in der Woche hinaus tatsächlich zu arbeiten und ich denke #00:05:52-6#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:05:53-0#

Marco Zinn: Das ist das große Problem, wenn jemand Filialen macht und wenn jemand 4 Filialen hat oder beziehungsweise 3 Filialen, 1 Hauptapotheke, dann braucht er natürlich entweder 3 gut eingestellte Filialleiter oder eben wie in dem Fall, was er mit mir gemacht hat, einen, der sich sozusagen übergeordnet verantwortlich fühlt und das zehrt natürlich dann an den Nerven. #00:06:19-0#

Michael Pieper: Ja total. #00:06:19-6#

Marco Zinn: Weil man dann nämlich auch zurückstecken muss, wenn es darum geht geregelten Urlaub zu haben. #00:06:23-6#

Michael Pieper: Ja sicher. #00:06:24-1#

Marco Zinn: Zum Beispiel. #00:06:24-4#

Michael Pieper: Wie kann man sich das jetzt konkret vorstellen? Bist du dann zwischen den Filialen hin und her gesprungen oder? #00:06:30-8#

Marco Zinn: Genau. Also das ursprüngliche Konzept von meinem ehemaligen Chef war so, dass er 2 Apotheken in einem Abstand von circa 20 Minuten hatte und die zwei, die da dann zugekommen sind in der Zeit, waren dann natürlich mit einem Anfahrtsweg von über einer Stunde verbunden. #00:06:50-2#

Michael Pieper: Ja. Mhm (bejahend). #00:06:51-0#

Marco Zinn: Das ist natürlich recht schwierig und er wollte dann eben abends immer komplett alle Gelder aus allen Apotheken bei sich haben, um dann abzurechnen. Das heißt, ich bin wirklich immer einmal die Runde gefahren und ich weiß nicht, ich glaube in 3 Monaten so 30.000 Kilometer ungefähr. #00:07:06-8#

Michael Pieper: Okay. Wie lange hast du das dann gemacht? #00:07:09-5#

Marco Zinn: Also er hatte das ja nicht sehr lange so dieses Konstrukt, weil er selber gesagt hat, dass das für ihn auch sehr, sehr schlecht planbar war. Also ich denke mal so über ein dreiviertel Jahr hat sich das hingezogen. Das Problem war ja, dass ich sowohl die ganze Installation dieser Apotheken damals übernommen habe. Also die gesamte Eingliederung der zwei neuen Apotheken #00:07:32-2#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:07:32-6#

Marco Zinn: Inklusive revisionsfähig machen. Bis dann die Kaufabwicklung, dass die beiden Apotheken dann wieder verkauft wurden. Das ist natürlich schon sage ich mal eine Herausforderung gewesen. #00:07:44-9#

Michael Pieper: Ja klar. #00:07:44-9#

Marco Zinn: Aber von diesen Erkenntnissen kann man ja nur positiv profitieren. #00:07:49-5#

Michael Pieper: Okay du hast sozusagen deine Schlüsse gezogen und hast dann auch die Leine gezogen und ja wie du schon selber gesagt hast, dich dann auch ein Stück weit selbst verwirklicht und bist jetzt kann man sagen angekommen? #00:08:03-4#

Marco Zinn: So kann man es nennen. Ja. #00:08:05-1#

Michael Pieper: Klasse. Weil das ist doch ein echter Wert und ich finde es auch ganz spannend für unsere Zuhörer, Zuhörerinnen einfach da auch nochmal eine Anregung zu kriegen und sich vielleicht auch selber nochmal zu fragen, mache ich das, was ich machen will? Oder geht es vielleicht nochmal eines Tages weiter oder so? #00:08:24-8#

Marco Zinn: Es ist ja auch eine sage ich mal vielleicht ein Erfahrungsschatz, den man an jüngere Kollegen weitergeben kann, die sowas vorhaben. Es ist so, wenn man sehr jung und dynamisch an diese Sache rangeht, ist es tatsächlich in dieser Branche so, wenn man sich dafür interessiert, Filialleitung direkt nach dem Studium zu machen, dann muss einem klar sein, dass man ein sehr gutes Zeitmanagement braucht. #00:08:53-8#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:08:54-2#

Marco Zinn: Wenn man, es ist nämlich so, dass die Situation sehr schnell ich sage mal sich entwickeln kann, dass, wenn man nicht nein sagt, dass man Ende nach allerkürzester Zeit ausbrennen kann. Also ich kenne mittlerweile auch sehr, sehr viele Berichte von Kollegen, die einfach sagen, dass sie ihre Filialleiter zum Teil verheizt haben, #00:09:15-3#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:09:15-7#

Marco Zinn: Denn es gibt Kreise und dazu gehörte auch dieser 4 Apotheken Verbund Kreis. Da war es so, das sind zwei Apotheken davon, die waren in einem Notdienstkreis, wo immer eine Woche am Stück Notdienst war. Das heißt also, man ist am Samstag in die Apotheke reingegangen und am darauffolgenden Samstag konnte man da wieder raus. Man hat also wirklich durchgängig Notdienst gehabt #00:09:38-8#

Michael Pieper: Wahnsinn. #00:09:39-0#

Marco Zinn: Und das alle 7 Wochen. Das ist natürlich ein Zustand, den kann man sich vorher zwar mal betrachten, ob man das so könnte, aber, wenn man ihn dann live erlebt, dann ist das schon eine ganz andere Nummer und ich habe also wie gesagt, neulich mit einer Kollegin hier gesprochen, in Cuxhaven auch, #00:09:57-2#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:09:57-5#

Marco Zinn: Die auch eine sage ich mal Filiale hat und sie sagte, sie musste ihre Filialleiterin dann erstmal ein dreiviertel Jahr in Kurzarbeit schicken. Das heißt, sie hat dann wirklich nur noch ein paar Stunden gearbeitet, damit sie wieder in normalen Rhythmus reingekommen ist. #00:10:12-0#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). Ja, ja. Das auf jeden Fall dann kurzfristig ja auch gedacht, wenn jetzt erst so viel Ressourcen vergeudet werden und auch einfach die Gesundheit aufs Spiel gesetzt wird und hinterher na ja zahlt es sich halt auch einfach nicht aus, so oder so nicht. #00:10:28-6#

Marco Zinn: Ja es ist ja auch so. Man kann viel über Arbeitsrecht reden, aber irgendwie scheint da die Apothekerkammer als solche auch sozusagen überhaupt gar kein Konzept für zu haben wie man das überhaupt hinbekommen kann, dass man eben solche Arbeitszeiten irgendwie verringern kann. Denn einerseits wird dieser Notdienst ja auch berechtigterweise gefordert. #00:10:53-9#

Michael Pieper: Klar. Ja, ja. #00:10:54-4#

Marco Zinn: Und ich finde es auch gut, dass es Notdienst gibt, aber andersrum kann man, wenn man solche Notdienste anbietet, natürlich überhaupt nicht sicherstellen, dass jemand überhaupt diese 8 Stunden Regelung einhalten kann. #00:11:06-1#

Michael Pieper: Ja. Wie ist das jetzt bei dir? Hast du ein Team, hast du Mitarbeiter? #00:11:10-7#

Marco Zinn: Also wir sind, das ist das fand ich wirklich ganz, ganz scharmant. Ich habe hier Apotheke übernommen, die jetzt nächstes Jahr 50 Jahre besteht, von einer sehr, sehr netten älteren Apothekerin, die auch weit über ihre normale Rentenzeit hinaus die Apotheke betrieben hat, weil sie einfach gesagt hat, sie möchte die in vernünftige Hände abgeben #00:11:32-4#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:11:33-0#

Marco Zinn: Und das Team, was ich hier habe, besteht also aus 12 Teilzeit PTAs #00:11:37-6#

Michael Pieper: Ah ja. #00:11:37-5#

Marco Zinn: Und PKAs, das heißt diese pharmazeutischen kaufmännischen Angestellten, haben wir hier auch und ich habe die Apotheke quasi völlig intakt übernehmen können.  #00:11:48-9#

Michael Pieper: Super. #00:11:49-3#

Marco Zinn: Das heißt also, das Thema selber würde mich jetzt nicht brauchen. (lachen beide) Sage ich mal. #00:11:54-9#

Michael Pieper: Einfach gut eingespielt. Einfach alles stimmig, stimmige Prozesse. #00:11:59-1#

Marco Zinn: Genau. Alles super und ich habe sozusagen insofern nur frischen Wind in die Apotheke gebracht, dass ich hier quasi die Qualität, also ich fand es wirklich toll, dass die Apotheke ein QMS System nach der Kammersatzung quasi hatte schon. #00:12:19-1#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:12:19-4#

Marco Zinn: Und das Schöne an diesem Qualitätsmanagementsystem ist, dass der Apotheker das Handbuch quasi selber schreibt und nicht eins vorgesetzt bekommt, wo man sich dann irgendwie ganz blind an irgendwelche Prozesse halten muss, die sowieso keiner versteht, sondern, dass jeder Prozess hier in der Apotheke quasi selber entwickelt wurde für dieses Handbuch. #00:12:38-7#

Michael Pieper: Klasse. #00:12:39-4#

Marco Zinn: Und da ich sozusagen aus diesem klinischen Bereich komme, sind mir natürlich so Strukturierungen nicht ganz unbekannt gewesen und das ist also wirklich toll zu sehen jeden Tag wie wir sozusagen dieses Qualitätsmanagementsystem hier in der Apotheke auch leben. #00:12:55-1#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:12:56-0#

Marco Zinn: Wie die Mitarbeiter da auch mitgehen und das verstehen, dass es total sinnvoll ist bestimmte Dinge auch zu dokumentieren und #00:13:02-2#

Michael Pieper: Ja perfekt. Weil das ist ja oft, also auch branchenübergreifend, die Schwierigkeit. Man kriegt dann sowas Fremdbestimmtes übergestülpt und muss dann irgendwas ausfüllen und weiß aber gar nicht selber #00:13:13-4#

Marco Zinn: Weiß gar nicht warum. #00:13:13-5#

Michael Pieper: Warum. Genau. #00:13:14-2#

Marco Zinn: Genau. #00:13:14-5#

Michael Pieper: Und das hört sich hier spannend an. Ist das ein, also ich kenne mich jetzt da natürlich gar nicht aus, ist das ein spezielles? Gibt es da einen Namen für oder sowas? Vielleicht interessiert das unsere Zuhörer dieses? #00:13:27-3#

Marco Zinn: Also das ist Kammer-Qualitätsmanagementsystem #00:13:30-4#

Michael Pieper: Ah ja. #00:13:30-4#

Marco Zinn: Der Apotheker Apothekerkammer, die das hier in Niedersachsen anbietet. #00:13:34-2#

Michael Pieper: Das kennen die Kollegen, die wissen das anscheinend ja. Mhm (bejahend). #00:13:37-2#

Marco Zinn: Das müssten die kennen. Ja. Und vor allem, ich kann da ja mal ein bisschen Werbung für machen. Es ist so, ich kenne auch externe QMS Systeme, also seit letztem Jahr ist es so, dass hier speziell in Niedersachsen, wenn jetzt Revisionen sind, die Pharmazieräte dann auch gerne mal ins Handbuch gucken, in dieses Qualitätsmanagement Handbuch. Es ist seit ein paar Jahren ist es so, dass man mit bestimmten Krankenkassen gar nicht abrechnen konnte, wenn man nicht so ein QMS hatte. Aber da wurde nie gefordert, dass es zertifiziert ist zum Beispiel. #00:14:08-2#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:14:08-6#

Marco Zinn: Und solche Anbieter, die ein zertifiziertes QMS anbieten, die kommen in der Regel jedes Jahr und da kostet zum Beispiel so eine Rezertifizierung dann immer so 1.000 Euro. Nur, dass dieser Mensch da ist und das Handbuch einfach nochmal aktualisiert. Und das Kammerzertifikat ist 3 Jahre gültig zum Beispiel. #00:14:30-7#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:14:31-3#

Marco Zinn: Und kostet dann für 3 Jahre so um die 800 / 900 Euro, um das rezertifizieren zu lassen und da muss man ja ganz klar sagen, schon alleine der finanzielle Aufwand ist geringer. #00:14:43-3#

Michael Pieper: Ja klar. #00:14:43-4#

Marco Zinn: Man muss halt nur ein bisschen mehr selber Initiative zeigen, um jetzt diese ganzen Prozesse am Laufen zu halten. #00:14:51-0#

Michael Pieper: Aber dafür kann man es, wenn ich es richtig verstanden habe, auch besser genau abstimmen und zuschneiden auf die eigene Apotheke? #00:14:58-9#

Marco Zinn: Genau. Und ich denke auch, dass es von Vorteil ist, dieses Kammerzertifikat nicht nur zu haben, sondern auch mit  Leben zu füllen, weil dann also ich habe in der kurzen Zeit, die ich quasi Apotheker bin, ich sage jetzt immer mal kurze Zeit, 10 Jahre ungefähr, habe ich 8 Revisionen erlebt, das heißt also 8 Apotheken-Besichtigungen, wo ich selber quasi immer auch so ein bisschen sage ich mal in der Verantwortung stand und da entwickelt man so ein kleines bisschen Gefühl dafür, dass so Pharmazieräte einem erstmal ja nichts Böses wollen, #00:15:36-3#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:15:36-4#

Marco Zinn: Sondern sie wollen im Prinzip, dass die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden und ich habe halt die Erfahrung gesammelt, dass, wenn man da jetzt nicht so ablehnend sozusagen diese Gesprächsführung eröffnet, dann hat man am Ende richtig viel davon, weil die Pharmazieräte, die kommen, meistens wirklich alte erfahrene Apotheker sind, die selber Apotheken haben in der Regel und dann entwickelt sich das auch zu einem ganz kollegialen Gespräch und am Ende hat man da tatsächlich ein paar Vorschläge, wie man es noch besser machen kann #00:16:09-0#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:16:09-7#

Marco Zinn: Und das finde ich eine ganz spannende Geschichte, weil sich an gesetzliche Vorgaben halten, ist ja grundsätzlich erstmal nicht das Schlechteste. #00:16:17-3#

Michael Pieper: Ja. Ja. Und ich höre auch raus, also Kommunikation ist alles. Wie immer sozusagen und ist auch die Frage wie man auf solche Situationen dann eingeht und was man so für sich draus macht. #00:16:31-4#

Marco Zinn: Ja klar. #00:16:32-6#

Michael Pieper: Marco, vielleicht einfach nochmal so zu dir als Person. Wer ist Marco Zinn? #00:16:41-2#

Marco Zinn: Ja. Also ich bin ein Mensch, der grundsätzlich nicht daran interessiert ist, jetzt so hoch in irgendwelche Einkommenssphären aufzusteigen, sondern der versucht grundsätzlich eine gewisse Lebensruhe in sich zu bekommen. Das heißt also arbeiten ist für mich nicht der Zweck, um damit Geld zu verdienen, sondern arbeiten ist eigentlich, um mich selbst zu verwirklichen und ich denke da ist der Apothekerberuf natürlich schon eine ganz tolle Geschichte, wenn man da irgendwie das Glück hat da reinzurutschen. #00:17:21-9#

Michael Pieper: Klasse. Und wir haben ja auch im Vorgespräch schon kurz das angesprochen und im Grunde ist das auch interessanterweise glaube ich jetzt auch wieder eine Entwicklung, die gerade aufgrund dieser ganzen Burnout-Erfahrung und so weiter, die auch ein bisschen wieder kommt, dass die Leute glaube ich stärker wieder auf Lebensqualität, auf Entschleunigung und #00:17:47-1#

Marco Zinn: Ja. #00:17:47-1#

Michael Pieper: Auch Selbstverwirklichung gehen und nicht nur um jeden Preis noch ein Euro und noch ein dickeres Auto oder so. Also das fand ich total spannend. Das finde ich schön. #00:17:59-0#

Marco Zinn: Also ich habe auch, so bin ich sozusagen in diese ganze Geschichte reingerutscht. Ich habe grundsätzlich erstmal gar nicht an den Apothekerberuf gedacht als ich sage ich mal mit meinem Abitur fertig war. Bin erstmal zur Bundeswehr gekommen und habe dort festgestellt, dass ich bin erstmal in so einen Kampftruppenverband gekommen, #00:18:25-4#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:18:25-6#

Marco Zinn: Wo es letzten Endes eigentlich nur um Ausbildung zum Soldaten eigentlich ging und dann allerdings recht schnell in den Sanitätsdienst gewechselt, weil ich gesehen habe, dass dort andere Möglichkeiten bestehen. Ich will jetzt nicht unbedingt sagen, dass ich jetzt Pazifist bin oder so und keine Waffe anfassen möchte, aber ich finde es halt in der Aufgabe der Landesverteidigung, die damals, als ich dahingekommen bin, noch ganz großgeschrieben wurde, #00:18:53-2#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:18:53-3#

Marco Zinn: Da gab es ja nicht diese Überlegung, dass man die Wehrpflicht abschafft und solche Sachen. Da habe ich dann gesehen, dass man seine Pflicht sozusagen das Vaterland zu verteidigen, wenn man das mal so sehen will, eben auch von der Hilfeseite aus machen kann. Das heißt also auch von der sanitätsdienstlichen Seite und habe dort im Grunde sehr, sehr viel Kontakt zum medizinischen Bereich bekommen. Also ich durfte eine Taucherausbildung machen, wo ich quasi als Taucherarztgehilfe sage ich mal viel machen konnte und unter anderem eben auch so diverse Lehrgänge, die mich dann allerdings so alle in Richtung Pharmazie gedrängt haben. Wie zum Beispiel dieser Desinfektorlehrgang. #00:19:41-0#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:19:41-3#

Marco Zinn: Das war so der erste Lehrgang, wo ich gesagt habe, das hat doch sehr viel sage ich mal Spannendes an sich und als ich dann und das ist jetzt das Kuriose, ich habe praktisch dann darauf gedrängt Pharmazie zu studieren, um sozusagen diesen Bereich einfach kennenzulernen, dieses medizinische Fachwissen zu erwerben, um gut den Hintergrund von Medikamenten zu verstehen und was ich da dann eben feststellen musste, ist, dass das Studium genau das Gegenteil mit einem macht. Man muss nämlich sehr statisch sozusagen Wissen einfach nur anhäufen. #00:20:19-4#

Michael Pieper: Okay. Mhm (bejahend). #00:20:20-4#

Marco Zinn: Da wird also nicht sozusagen Wert daraufgelegt, dass jemand sich verwirklichen möchte. Das funktioniert nicht. Das muss man auch relativ zügig erkennen, ansonsten kommt man durch das Studium nicht durch. Also man muss einfach auch in der Lage sein zu sagen, so ich häufe jetzt einfach mal einen Haufen Wissen an und was ich daraus später mache, das steht auf einem anderen Papier. #00:20:37-6#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). Aber ein interessanter Zugang. Also erstmal ein ungewöhnlicher Weg wie du da #00:20:43-3#

Marco Zinn: Ja. #00:20:43-3#

Michael Pieper:  So rangekommen bist und okay klar. Ich meine, das, was du jetzt zu dem Studium sagst, muss ich sagen, ich glaube auch das ist so branchenübergreifend, also auch, wenn ich jetzt an mein Studium denke. Ich glaube das ist immer so, dass man dann selber auch viele Kompetenzen sich am Ende dann selber aneignen muss und da einfach dann wie eigentlich schon in der Schule auch, also Wissen kurzfristig anhäuft, speichert und dann zum richtigen Zeitpunkt wieder dann so ausspuckt und #00:21:16-6#

Marco Zinn: Genau. #00:21:16-9#

Michael Pieper: Ich gehe mal davon aus, ich weiß es ehrlichgesagt gar nicht, dass ihr jetzt auch so kaufmännische Ausbildungen (unv.) #00:21:23-7#

Marco Zinn: Also die Elemente sind eigentlich Null. Das bemängelt eigentlich aber auch fast jeder, der sich dann selbstständig macht. Ich muss ganz ehrlich sagen, durch meine Art und beziehungsweise durch diese Tätigkeit bei der Bundeswehr habe ich eine Sache kennengelernt, dass das Schaffen von Netzwerken eine unheimliche Bedeutung hat. Also man muss tatsächlich als Einzelkämpfer ist immer ganz, ganz schlecht. Wenn man irgendetwas sage ich mal erreichen möchte, dann ist das Leben in der Gemeinschaft doch sehr viel bequemer, also muss man versuchen möglichst viele Leute kennenzulernen, mit denen man sich austauschen kann. Das macht die Sache doch wesentlich einfacher. #00:22:02-6#

Michael Pieper: Klasse. Super Stichwort, Stichwort Netzwerk, weil das auch was, wo wir uns einfach jetzt auch viel mit beschäftigen als Apotheken-Fachkreis, aber ich denke, was einfach generell ein Merkmal unserer Zeit so ist. Wenn du sagst Netzwerk, wie können wir uns das so vorstellen? Wie funktioniert das? Wo triffst du die Menschen? Wie kommunizierst du? #00:22:22-5#

Marco Zinn: Ja das ist jetzt das, was ich sage. Also, wenn ich, das ging ja im Prinzip da drum, kaufmännische Grundlagen. Ich stelle mir das unheimlich schwer vor, wenn man jetzt sage ich mal direkt nach dem Studium eine Apotheke sozusagen neu gründen oder übernehmen möchte und weiß, hat überhaupt keine Vorkenntnisse so seitens der Eltern oder in irgendeiner Art und Weise und man würde da jetzt stehen und eröffnet dieses Unternehmen, dann braucht man auf jeden Fall einen sehr, sehr guten Steuerberater #00:22:57-7#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:22:58-1#

Marco Zinn: Und die Beurteilung, ob dieser Mensch jetzt gut ist oder nicht, das kann man ja im Grunde gar nicht bewerkstelligen, wenn man keinen betriebswirtschaftlichen Hintergrund hat. Und ich habe halt das Glück gehabt, ich habe jetzt hier einen wirklich sage ich mal potenten Steuerberater kennengelernt, weil ich einfach das Glück hatte, in meiner Verwandtschaft jemanden zu haben, der jetzt schon sehr, sehr lange selbstständig ist und der hat gesagt, Mensch, sprich doch mal mit dem. Also solche Kanäle. #00:23:27-7#

Michael Pieper: Also eine klassische Empfehlung sozusagen? #00:23:29-7#

Marco Zinn: Genau. So. Dass man sowas eben aber auch aufgreift und nicht sozusagen selber verschlossen ist und sagt, also ich bin jetzt ein studierter Mensch und deswegen brauchen mit andere Leute nichts erzählen. #00:23:41-8#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:23:42-0#

Marco Zinn: Ich weiß alles besser. Also solche Einstellung funktioniert glaube ich nicht wirklich gut. #00:23:47-3#

Michael Pieper: Also einfach auch offen zu sein, neugierig zu sein. Auch mal über den Tellerrand zu schauen und im Gespräch zu sein, ob es jetzt Verwandtschaft, ob es jetzt vielleicht auch Kollegen. Bist du mit anderen Kollegen vernetzt auch? Also Apothekern? #00:24:01-9#

Marco Zinn: Das jetzt eher weniger, weil ich letzten Endes jetzt erstmal, ich habe die Apotheke jetzt etwas über ein Jahr und muss einfach erstmal resümieren, dass betriebswirtschaftlich ich die Apotheke eigentlich super eingeführt habe, für mich hier jetzt. Das heißt, ich bin mit allen Eck- und Kennzahlen sehr zufrieden, weil ich einfach auch mir im Vorfeld bestimmte Sachen einfach vorgenommen habe, die ich betriebswirtschaftlich erreichen möchte. So. Und da war ich jetzt erstmal natürlich sehr, sehr an diesen sage ich mal grundlegenden Vernetzungen #00:24:37-4#

Michael Pieper: Ja klar. #00:24:37-8#

Marco Zinn: Interessiert. Das heißt also, ich musste mich erstmal mit einem vernünftigen Großhandel eindecken, musste gucken wie ich meine Einkaufs- sozusagen Situation beurteilen kann. Wo ich einkaufe, wie ich einkaufe, bei wem ich einkaufe und zu welchen Konditionen. #00:24:52-0#

Michael Pieper: Ah okay. Klar. Und das andere kommt dann wahrscheinlich noch. #00:24:56-1#

Marco Zinn: Und da muss ich ganz, genau, und deswegen ich habe ja jetzt Kontakt zu diesem Apotheken-Fachkreis sozusagen bekommen und da muss ich ganz ehrlich sagen, ich finde das einen unheimlich spannenden Ansatz, weil man sich auf einer Ebene vielleicht vernetzen kann, wo keine Konkurrenzsituation vorhanden ist. #00:25:16-8#

Michael Pieper: Ja genau. Also das wollen wir auf jeden Fall. Also es soll jetzt auch hier keine Werbung oder so sein, aber #00:25:24-2#

Marco Zinn: Nein. #00:25:24-8#

Michael Pieper: Es ist halt einfach. Genau. Das ist also ein denke ich Wesensmerkmal der ganzen Angelegenheit, dass es darum geht, sich glaube ich einfach deswegen führen wir auch dieses Interview jetzt und stellen das zur Verfügung, dass die Kollegen, also, dass einfach die Branche ein bisschen sich austauscht. Nicht nur guckt, Mensch, ich will besser sein als der, sondern wie macht der das eigentlich, was kann ich von dem lernen? Was kann ich selber auch reingeben? #00:25:49-2#

Marco Zinn: Genau und letzten Endes halte ich das auch für ein unheimlich wichtiges Instrument. Denn ich sage mal nur diesen rein wirtschaftlichen Aspekt zu betrachten wie es in irgendwelchen Kooperationen vielleicht der Fall ist, dass man nur Einkaufsvorteile generiert, weil man vielleicht zusammen irgendwo einkauft, ist vielleicht nicht ganz der richtige Ansatz, denn wir müssen wirklich in dieser Branche gucken, wer ist unser Freund und wer will uns da wirklich nichts Gutes. #00:26:17-3#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:26:18-0#

Marco Zinn: Denn diese ganze sage ich mal wirtschaftliche Betrachtungsweise, den Kunden nur über Preise sozusagen in der Apotheke halten zu wollen, den halte ich persönlich für zu schmal. #00:26:29-0#

Michael Pieper: Ja. Das ist nochmal ein ganz spannendes Thema. In dem Zusammenhang, was würdest du sagen. Warum ist die Vor-Ort Apotheke deiner Ansicht nach, warum ist die so wichtig in der Gesundheitsversorgung heute und warum kann man nicht alles über den Preis regeln? #00:26:46-5#

Marco Zinn: Der Hauptgrund ist einfach der, dass das Internet, egal wie diese Versorgungsmodelle da aussehen, einfach nicht in der Lage ist, den Auftrag richtig zu erfüllen. Das heißt, ein Patient wird nie eine Beratung sozusagen in der Form bekommen können wie sie in der öffentlichen Apotheke möglich ist. #00:27:09-5#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:27:09-6#

Marco Zinn: Die Internetapotheken orientieren sich ganz strikt nur am Umsatz. Es ist eigentlich fast unverantwortlich sozusagen bestimmte Dinge in die Hand dieser Internetapotheken zu geben, aber es ist leider tatsächlich politisch so gewollt. #00:27:28-2#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:27:29-3#

Marco Zinn: Dass bestimmte Dinge einfach da landen sollen. Man hat den Internetapotheken einfach zu große Möglichkeiten gegeben, die Preise zu verderben. Muss man ganz klar so sagen. #00:27:40-8#

Michael Pieper: Aber wie ist so deine Erfahrung? Weil du sagst ja und das hört sich für mich auch total plausibel an, die Beratung ist wichtig und ich gehe einfach davon aus, dass die also, wenn ich jetzt an mich privat denke, dass das auch ein wichtiger Faktor ist. Wie ist so deine Erfahrung? #00:27:55-2#

Marco Zinn: Also ich kann nur ein Beispiel aus meinem aktiven Apothekenleben hier geben. Das wird in der Internetapotheke natürlich nie passiert. Es steht eine ältere Dame in meiner Apotheke und sagt, wie viele von dem Marcumar muss ich denn eigentlich nehmen, damit ich sterben kann? #00:28:15-6#

Michael Pieper: Oi oi oi. #00:28:16-5#

Marco Zinn: So und mit einer ganz konkreten und ganz ruhigen gefassten Art fragt sie mich wirklich als Apotheker jetzt, wie viel sozusagen Marcumar sie jetzt nehmen muss und sie will das zuhause dann jetzt auch umsetzen. So. In dieser Situation habe ich die Möglichkeit gehabt, etwas zu tun. Ich bin hingegangen und habe diese Frau soweit stabilisiert, dass sie auf meiner Bank in meiner Apotheke Platz genommen hat, das finde ich nämlich auch ganz spannend. Ich habe eine Bank wirklich in der Apotheke #00:28:50-9#

Michael Pieper: Ah. Aha. #00:28:51-6#

Marco Zinn: Mit Kissen, wo ältere Leute sich wirklich hinsetzen können. #00:28:55-2#

Michael Pieper: Tolle Idee. #00:28:56-5#

Marco Zinn: Sie hat dort Platz genommen und hat mir einfach sage ich mal die Möglichkeit gegeben, dass ich sie soweit stabilisieren konnte, dass sie dort sitzengeblieben ist. Ich habe dann ihren behandelnden Arzt angerufen, der wiederum hat dann den medizinischen Dienst geholt und die Frau, dann ist ein Amtsarzt gekommen oder eine Amtsärztin mit einem Betreuer und man hat mir ihr in meinem Büro dann gesprochen. Man hat ihr ganz klar gesagt, dass, wenn sie jetzt diesen Eindruck bei uns weiter hinterlässt, #00:29:31-5#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:29:31-5#

Marco Zinn: Dass sie sich zuhause das Leben nehmen will, dann muss man sie zwangseinweisen. Das hat sie verstanden. Sie war dann aber allerdings so weit runtergeholt, dass sie versprochen hat sozusagen da jetzt nicht weiter tätig zu werden. Ich als versorgende Apotheke hatte natürlich all die Informationen über ihre Medikation. #00:29:54-7#

Michael Pieper: Okay. Es war eine Stammkundin? #00:29:56-7#

Marco Zinn: Ja eine Stammkundin. Genau. Und deshalb wusste ich auch, dass es da eine ganz, ganz sage ich mal ja ganz, ganz schlechte Einstellung ihrer psychiatrischen Medikamente war. Also die wurden ganz, ganz schlecht kombiniert. Ob das jetzt eine Folge von verschiedenen Ärzten war, die da dran rumgefummelt haben oder ob das sage ich mal dieser eine Arzt ist, der sie da behandelt, der jetzt vielleicht nicht das glücklichste Händchen hat, #00:30:28-6#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:30:28-7#

Marco Zinn: Hatte bei der Einstellung der Medikamente, weiß ich nicht, kann ich auch nicht beurteilen. Auf jeden Fall ist es so gewesen, dass das Ganze damit endete, das war auf dem Freitag und an dem darauffolgenden Montag rief sie mich an und sagte, sie wäre jetzt bereit sozusagen sich einweisen zu lassen. #00:30:47-6#

Michael Pieper: Oh. Mhm (bejahend). Interessant. Ja. #00:30:49-6#

Marco Zinn: So und das wurde dann veranlasst. Sie kam dann mehrere Wochen danach wieder in die Apotheke und hat sich bei mir also überschwänglich bedankt, weil ihr klar, dass ich ihr quasi das Leben gerettet habe. #00:31:01-3#

Michael Pieper: Wahnsinn. Wow. #00:31:02-8#

Marco Zinn: So. Überlässt man jetzt diese Frau einer reinen Internetversorgung, dann wäre die nicht mehr am Leben und diese Art von Fällen sage ich mal die kann eine öffentliche Apotheke leisten. Und das sind so Fälle, wo man dann auch sagt, Mensch, das ist doch so eine befriedigende Situation, in der man sich da gerade befunden hat. Das ist doch toll. #00:31:25-5#

Michael Pieper: Spannend. Also wow. Das ist jetzt wirklich ein Gänsehautbeispiel würde ich sagen. #00:31:30-9#

Marco Zinn: Ja also sehr extrem, aber es kommt tatsächlich vor. #00:31:34-1#

Michael Pieper: Nein klar. Ja. #00:31:34-9#

Marco Zinn: Und meine Erfahrung ist halt, dass gerade aus dem Bereich der psychiatrischen Medikation, da ist so viel los. Da werden Medikamente, die einfach schon lange gegeben werden, die darf man gerade aus diesem Bereich nicht einfach so absetzen. Sonst verstärkt sich sozusagen dieses Phänomen, dieses sogenannte Absetzphänomen und das kann zu ganz, ganz furchtbaren Dingen kommen. Zum Beispiel, dass Leute in eine Depression verfallen, wo sie gar nicht drin waren. Nicht? #00:32:07-3#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:32:07-8#

Marco Zinn: Und Kombinationen, wo an einem Tag wird ein Medikament gegeben. Am nächsten Tag, weil der Arzt das vielleicht versäumt hat, sozusagen dem Patienten zu sagen, dass das andere erstmal ausgeschlichen werden muss, da wird am nächsten Tag gleich das andere Medikament gegeben. Es überlappen sich zwei Medikamente, die dann auch wieder einen ganz großen furchtbaren Schaden anrichten. Und diese Dinge, die kann eigentlich ein Apotheker tatsächlich bei Stammkunden auch durchaus erkennen. Egal, welche sage ich mal Meinung da in der Öffentlichkeit geschürt wird, dass wir keine Beratung machen oder wie auch immer. Ich denke in den deutschen Apotheken wird beraten. #00:32:44-2#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:32:45-0#

Marco Zinn: Man muss uns allerdings auch die Möglichkeit geben, das zu machen. #00:32:47-7#

Michael Pieper: Natürlich. #00:32:47-9#

Marco Zinn: Und ich denke, dass es der falsche Weg ist, immer nur Druck, Druck, Druck, ihr müsst beraten und machen und tun. Die Apotheker machen das schon. Nur es wird natürlich instrumentalisiert. In unserer Apothekenbetriebsordnung steht drin, wir sind zur Beratung verpflichtet. So. Aber wie ist es denn? Ich habe mir zum Beispiel angewöhnt, dass wir zumindest jeden, der reinkommt, fragen, für wen ist denn das Medikament eigentlich, was Sie jetzt möchten? #00:33:16-1#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:33:16-7#

Marco Zinn: Und das Erstaunliche ist, dass bei fast 90 Prozent der Leute, die wir so ansprechen, die wir jetzt als Stammkunden nicht kennen, ist die Antwort, das ist nicht für mich. #00:33:26-8#

Michael Pieper: Ah ja. Mhm (bejahend). Interessant. #00:33:28-7#

Marco Zinn: Und schon ist man im Gespräch. Es funktioniert. #00:33:31-1#

Michael Pieper: Super. #00:33:31-5#

Marco Zinn: Es ist also ein Satz, der wirklich funktioniert. Aber ich kann doch nicht ernsthaft sozusagen jedem, der Ibuprofen kaufen möchte als Kopfschmerztablette, kann ich doch nicht ernsthaft sage ich mal begründen, warum ich dem jetzt sagen soll, wenden Sie es nicht länger als 3 bis 4 Tage an. So steht es nämlich im Beipackzettel. Aber es gibt eine 50er Packung Ibuprofen rezeptfrei. #00:33:58-8#

Michael Pieper: Ja. Ja. Mhm (bejahend). Nein, ich verstehe, was du meinst. Ja. Ja. #00:34:03-7#

Marco Zinn: Das ist doch ich sage mal wie soll man das nur bezeichnen? Also ich finde es natürlich schön, wenn man das macht, wenn man jetzt einem Patienten sagt, wenden Sie es nicht länger als 3 bis 4 Tage an, weil so steht es im Beipackzettel, so ist es empfohlen, in der und der Dosierung, aber gleichzeitig verkaufe ich ihm eine 50er Packung und freue mich noch darüber, dass er die vielleicht kauft, weil die vielleicht sonst nicht so gut läuft oder so. #00:34:29-3#

Michael Pieper: Aber es macht wirklich nochmal also genauso wie der Fall jetzt gerade. Das macht wirklich ja auch nochmal deutlich zum einen wie wichtig tatsächlich der Beratungsauftrag ist und wie breit überhaupt das Spektrum jetzt auch ist an Kompetenzen, die der Vor-Ort Apotheke dann auch mitbringt. Also bis hin in den therapeutischen Bereich im Grunde. #00:34:52-3#

Marco Zinn: Ja klar. Also das ist auch unheimlich wichtig, dass man zum Beispiel auch die Ruhe hat, um einen Patienten sozusagen so zu erkennen und ihn nicht einfach laufen zu lassen. Weil, wenn ich mir vorstelle, ich habe eine Center Apotheke, also wie gesagt, ich kenne die Spektren alle. Ich habe in Hamburg wie gesagt in sehr, sehr großen Apotheken gearbeitet und kenne auch sehr, sehr kleine Dorfapotheken. Das ist wie gesagt der Vorteil. Aber es ist schon schön, weil Cuxhaven es hat jetzt so um die 50.000 Einwohner. Es sind insgesamt im Stadtgebiet 14 Apotheken, das heißt eine ganz normale Situation eigentlich. #00:35:27-8#

Michael Pieper: Marco, was mir jetzt noch, was ich ja total spannend auch fand, ist mit der Bank. Vielleicht kannst du da nochmal kurz was zu sagen? Ich meine es erklärt sich eigentlich von selbst und es ist aber so einfach und doch so genial im Grunde. #00:35:40-2#

Marco Zinn: Diese Bank war eigentlich der Auslöser für meine Entscheidung die Apotheke zu kaufen. #00:35:44-6#

Michael Pieper: Ach die gab es vorher schon auch? #00:35:46-2#

Marco Zinn: Ja. Ja. #00:35:47-2#

Michael Pieper: Alles klar. Ja. #00:35:47-9#

Marco Zinn: Und war eigentlich der, weil ich gesehen habe, dass meine eigentliche Vorstellung von Apotheke hier sich wiederspiegelt, nämlich diese Entschleunigung. In der ganzen Straße, in der sozusagen diese Apotheke sich befindet, gibt es keinerlei Parkbank, das heißt also, die älteren Leute, die jetzt diese relativ lange Straße herunterlaufen, haben keine Möglichkeit sich mal eben auszuruhen. Und dann befindet sich in dieser Apotheke eine Bank. #00:36:21-4#

Michael Pieper: Klasse. Also eine richtige, so eine #00:36:23-5#

Marco Zinn: So eine richtige kleine Holzbank. So ein Zweisitzer. Kann man ganz gemütlich sage ich mal sich hinsetzen und einfach mal sitzenbleiben. #00:36:32-1#

Michael Pieper: Toll. #00:36:32-4#

Marco Zinn: Und diese Idee ist mir sozusagen in Hamburg in dieser mittlerweile ich weiß gar nicht, ob die noch existiert, aber es war eine Keimzelle für eine ganz große krankenhausversorgende Apotheke. Da habe ich mein praktisches Jahr gemacht. Auf jeden Fall war dort immer ein älterer Mann, der ist reingekommen, der war also gefühlte 100, aber ich glaube er war wohl so Mitte 90 #00:36:58-2#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:36:58-6#

Marco Zinn: Und der kam immer rein, setzte sich erstmal, da war es keine Bank, da war es ein Stuhl, setzte sich immer erst auf diesen Stuhl und saß dort bestimmt eine Stunde. Man hat schon immer so Sorge gehabt, lebt er noch? #00:37:12-4#

Michael Pieper: Okay (lacht). #00:37:13-3#

Marco Zinn: Und irgendwann guckte, irgendwann guckte er dann hoch und dann wollte er von einer einzigen PTA bedient werden, die er schon seit Ewigkeiten kannte. #00:37:21-8#

Michael Pieper: Ah okay. #00:37:22-2#

Marco Zinn: So. Hat seine Bestellung aufgegeben, hat bezahlt und man hat ihm die Medikamente dann nach Hause gebracht. Und diese Szene und diese Ruhe, die sich dahinter verbirgt, hinter dieser, man nimmt sich Zeit für diesen Menschen, obwohl nebenher alle anderen Vorgänge natürlich alle laufen. Die wollte ich hier haben und irgendwie muss ich sagen, funktioniert das ganz gut. Also ich bin nach dem Jahr jetzt so begeistert, dass ich zumindest als neuer Inhaber wahrscheinlich also keinen Kunden verloren habe, der vorher in der Apotheke hier war. #00:37:58-1#

Michael Pieper: Toll. Klasse. #00:37:58-8#

Marco Zinn: Vielleicht sogar den ein oder anderen dazugewonnen hat, weiß ich noch nicht. #00:38:03-3#

Michael Pieper: Ja super. #00:38:04-2#

Marco Zinn: Und das ist allerdings. Also es gibt ja mehrere, das ist aber dem Dank geschuldet, dass ich zum Beispiel nicht hingegangen bin und habe das Personal irgendwie reduziert oder so. #00:38:16-4#

Michael Pieper: Okay (lacht). Na klar. Sowas gibt es wahrscheinlich auch. Dann kommt der neue Chef und na ja. #00:38:22-3#

Marco Zinn: Ja diese man könnte jetzt sagen für eine Apotheke dieser Größenordnung ist das viel zu viel Personal. #00:38:28-8#

Michael Pieper: Wie viel sind immer gleichzeitig ungefähr in der Offizin? #00:38:32-7#

Marco Zinn: Hmm? #00:38:32-8#

Michael Pieper: Wie viele Mitarbeiter? #00:38:34-3#

Marco Zinn: Meine, sind alles Halbtagskräfte. #00:38:35-9#

Michael Pieper: Ja und also wie viel sind jetzt gerade zum Beispiel da? #00:38:40-0#

Marco Zinn: Also jetzt gerade sind 3 da und ich habe noch, also 1 PKA und 2 PTAs und dann habe ich hier noch eine Praktikantin, eine Schülerpraktikantin, die da #00:38:50-9#

Michael Pieper: Okay. #00:38:51-3#

Marco Zinn: So ein bisschen rumturnt. Allerdings das ist ja der Punkt. Also man kann das natürlich alles völlig komprimieren und die wenigen Angestellten, die man dann hat, noch mehr dengeln und geißeln, aber das funktioniert natürlich nur bedingt, weil ich bin davon überzeugt, dass die PTAs, die hier schon seit Ewigkeiten in dieser Apotheke sind, dass die ihre eigenen Kunden haben. #00:39:13-9#

Michael Pieper: Ja klar. Und Kunden sind da auch, man muss ja nur an sich selber immer denken, auch also sehr feinfühlig wie mit ihnen umgegangen wird und ob man jetzt nur schnell eben was verkaufen will oder ob man sich die Zeit und Ruhe auch nimmt und über die Zeit entsteht ja auch ein Vertrauensaufbau und so weiter.  #00:39:34-0#

Marco Zinn: Ganz genau. #00:39:34-3#

Michael Pieper: Das ist also ganz wichtig. #00:39:35-1#

Marco Zinn: Und über solche Dinge hole ich mir im Grunde meine Kraft das Ganze weiter zu machen, weil ich einfach auch sozusagen zufrieden bin. #00:39:43-0#

Michael Pieper: Klasse. #00:39:43-5#

Marco Zinn: Ich habe vielleicht jemandem geholfen oder wie auch immer. Ich kann es auch ab, wenn jemand mit mir nicht zufrieden ist. Das ist ja auch ein Punkt. Wenn man anders denkt, diese Größe zum Beispiel von irgendwelchen krankenhausversorgenden Apotheken oder von Apotheken, die jetzt Heimversorgung machen oder andere Geschäftsfelder noch beackern. Die zielen wirklich darauf ab, ich muss ja noch mehr Personal bezahlen als in so einer klassischen Apotheke und ich muss im Endeffekt dann aber zusehen, dass dieses Geld permanent fließt. Und wenn mir da zum Beispiel ein Heim weggenommen wird, weil irgendjemand anderes da bessere Angebote macht oder ein Krankenhaus ist nicht zufrieden mit mir und verlässt mich. Dann hängen da dran immer gleich Arbeitsplätze in der Apotheke. #00:40:33-5#

Michael Pieper: Natürlich. Das ist dann ganzes ja also eine Konstellation dann wieder, also da auch dann rauszukommen, ist wahrscheinlich auch nicht so leicht und ich glaube #00:40:43-0#

Marco Zinn: Nein also ich #00:40:43-5#

Michael Pieper: Das war auch genau der Grund, warum du das warum du da ausgestiegen bist. Kann man #00:40:47-2#

Marco Zinn: Richtig. Genau. #00:40:48-0#

Michael Pieper: Kann man doch so sagen. #00:40:48-6#

Marco Zinn: Weil ich eben auch gemerkt habe, dass es so ist, man erwirbt natürlich auch, wenn solche Tätigkeiten macht, ein Spezialwissen, was einen dann sozusagen wieder unentbehrlich macht. Weil kein anderer sozusagen die Zeit hat, dieses Wissen auch parallel zu haben und wenn es dann darum geht, dass man mal bestimmte Dinge einfach, dass man selbst vertreten werden möchte, dann ist die Zeit dafür gar nicht da. Kein anderer ist da, der jetzt in dem Moment einen vertreten kann. Das ist doch furchtbar. #00:41:16-9#

Michael Pieper: Ja. Ja. Auf jeden Fall. Also ich finde das total spannend und ich überlege gerade, Marco. Also gerade das, diese Entwicklung, die du jetzt beschreibst, die Erfahrungen, die du jetzt gemacht hast, den Weg, den du gehst. Was denkst du jetzt? Einfach mal eine Einschätzung. Könnte das vielleicht auch eine Perspektive für die Zukunft sein, vielleicht echt immer mehr auch Kollegen auch dahinkommen, dass die sagen, nein ich steige jetzt einfach mal aus diesem immer schneller, immer mehr und ich meine es kommt natürlich drauf an auch? #00:41:50-9#

Marco Zinn: Also man muss sozusagen natürlich realistisch sein. Es wird natürlich immer den ein oder anderen geben, der genau diese Situation ausnutzen würde, der sagen würde. Also, wenn die anderen sich eher klassisch zurückhaltend verhalten, dann gebe ich erst richtig Gas und tue Angebote verteilen, wo die Leute einfach dann auch über den Preis in meine Apotheke kommen. Das wird es natürlich immer geben. Das ist das Problem. Die Apotheker werden sich immer beharken. Aber es wäre ein Aufruf an unsere Politik, dafür Sorge zu tragen, dass diese sage ich mal Modelle so wie ich sie vorhabe und vielleicht auch umsetzen möchte, dass die Umsetzbar sind. #00:42:37-5#

Michael Pieper: Okay, dass überhaupt die Möglichkeit besteht. Ich habe gerade überlegt, es hängt natürlich auch von der Lage und so weiter, von der Situation vor Ort ab. #00:42:48-0#

Marco Zinn: Ja. Absolut. #00:42:48-6#

Michael Pieper: Ich weiß nicht, wie ist das bei dir? Wie viele Apotheken gibt es so im Umfeld? #00:42:53-0#

Marco Zinn: Also es ist so gewesen, dass hier die Apotheke selber in einem wohngebiet-ähnlichen Umfeld liegt, mit gar nicht so sehr vielen Ärzten in der Nähe. Also es ist jetzt gerade mal 1 Praxis in der Nähe. Aber dadurch, dass die Leute hier diese Apotheke schon seit 50 Jahren kennen. Bringen sie tatsächlich aus dem ganzen Stadtgebiet ihre Rezepte hierher. #00:43:16-0#

Michael Pieper: Okay. #00:43:16-8#

Marco Zinn: Und es ist so, dass ursprünglich vor 5 / 6 Jahren war hier eine Apotheke quasi noch in der Nähe. Und dann war es das und diese Apotheke hat allerdings gesehen, dass da ein medizinisches Versorgungszentrum ein paar Straßen weiter eröffnet wird und hat sich da als Apotheke mi reingesetzt, also als Filiale. Hat tatsächlich dann eine Filiale gegründet und just in dem Moment sozusagen wollte die Vorbesitzerin dieser Apotheke, also meine Apotheke jetzt. #00:43:48-9#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:43:48-6#

Marco Zinn: Ihre Apotheke schon verkaufen. Und hatte verschiedene Interessenten und da hat damals die Bank gesagt, dass sie diese Geschichte nicht finanzieren wir, weil unklar ist k, wieviel Umsatz wegbrechen wird. #00:44:04-7#

Michael Pieper: Ah ja. #00:44:06-5#

Marco Zinn: Und im Nachgang war es dann doch nicht so viel, was da verlorengegangen ist, so dass diese 3 Apotheken in diesem Segment hier, in diesem Umfeld eigentlich sich gegenseitig keine große Konkurrenz machen. Das ist jetzt also wirklich ein so ein Klumpen, wo jetzt hier so 3 Apotheken im Umkreis von 1 Kilometer sage ich jetzt mal. Und der Rest ist etwas weiter weg. #00:44:31-1#

Michael Pieper: Ist ja auch nochmal spannend und ich habe gerade nochmal überlegt, aber das ist ja super. Also könnte man sagen, dass die Bank und dein Konzept, das ist ja auch also das Merkmal der Entschleunigung und dass du dir so die Zeit nimmst für die Leute, das ist ja auch eine Alleinstellung? Also das ist auch eine Form der Positionierung? #00:44:52-7#

Marco Zinn: Auf jeden Fall. Weil der Apotheker, der jetzt die beiden Apotheken hat, die in diesem medizinischen Versorgungszentrum und seine, die er vorher hatte, der fährt ein ganz anderes Konzept. Der versorgt jetzt auch sehr viele Heime, hat sogar da sage ich mal durch eine sehr aggressive Werbung wohl dafür gesorgt, dass er fast alle Heime in Cuxhaven versorgt. Der hat allerdings das Problem, dass er und das ist ja das, ich kenne mich mit dieser Heimversorgung aus meiner Vorgeschichte sehr, sehr gut aus und weiß sehr genau, dass dort auch für ihn sehr hohe Kosten entstehen. Da kommt jetzt der Heimträger und sagt, also du bist jetzt mal wie selbstverständlich Sponsor für unser Sommerfest oder du #00:45:35-1#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). Okay. #00:45:35-1#

Marco Zinn: Du musst uns die Medikamente sage ich mal stellen oder wie auch immer verblistert liefern. Das sind alles Aufwandsgeschichten, die sehr umständlich sind und ziemlich viel Geld auch benötigen, um das zu unterhalten. Er muss viel mehr Personal haben als ich. Das heißt also sein Konzept ist ein völlig anderes. #00:45:55-5#

Michael Pieper: Ich verstehe. #00:45:56-0#

Marco Zinn: Ich kann jetzt nicht beurteilen wie die Beratung in seiner Apotheke abläuft. Ich glaube allerdings, dass er auch sage ich mal eine vernünftige Beratung macht. Das heißt, also unsere Kunden, die hier jetzt in diesem Bereich sind. Die sind es eigentlich gewohnt von ihren Apotheken gut versorgt zu werden. Das will ich damit nur sagen. #00:46:15-9#

Michael Pieper: Nein, nein. Natürlich. Ich find es einfach nur spannend, dass also, dass man das auch vielleicht einfach jetzt auch nochmal mit Blick auf unsere Zuhörer, dass man sich auch sowas einfallen lassen kann. Dass man sagt, ich, klar ich. Es ist ja auch kein Widerspruch. Man kann modern, man kann gut vernetzt sein. #00:46:32-6#

Marco Zinn: Richtig. #00:46:33-6#

Michael Pieper: Das finde ich bei dir auch spannend. Diese Mischung aus Entschleunigung, aus Ruhe, aber auch trotzdem gut vernetzt und gut aufgestellt zu sein. #00:46:42-9#

Marco Zinn: Ja. Genau. Also woran ich natürlich immer interessiert bin, dass ich sozusagen in die Lage versetzt werde, jetzt keine großartigen Preise sage ich mal Geschichten hier laufen lassen zu müssen. #00:46:56-3#

Michael Pieper: Ja. Ja. Klar. #00:46:57-5#

Marco Zinn: Genau. Und da achte ich natürlich drauf auch über Einkäufe, geschickte, dass ich hier sage ich mal den Kunden immer auch einen vernünftigen Preis für die Arzneimittel irgendwo bieten kann, aber nicht übermäßig günstig. #00:47:10-0#

Michael Pieper: Kein Dumping. Sondern #00:47:11-5#

Marco Zinn: Genau. #00:47:12-0#

Michael Pieper: Qualität hat auch ihren Preis, aber #00:47:14-2#

Marco Zinn: Genau. #00:47:14-6#

Michael Pieper: Guter Mix. Okay. #00:47:16-2#

Marco Zinn: Genau. Und da sehe ich für die Zukunft so ein bisschen sage ich mal düster, weil da ist jetzt auch gerade ein Gerichtsurteil in Brüssel offen, wo es genau um diese Möglichkeiten geht sozusagen Rabatte geben zu dürfen. Und da denken immer alle bei diesem Urteil geht es jetzt auch um DocMorris. Das ist alles Versandapotheken-Kram und dann werden die, was ihre Preise nochmal runternehmen. Nein. Das Problem ist, dass ich einfach glaube, dass viele Apotheker auch mit ihren ortsansässigen Apotheken so sage ich mal verbohrt sind, unbedingt irgendwie solche Sachen machen zu müssen, dass die auch diese dann vielleicht, wenn das Urteil sage ich mal ganz blöd für uns ausläuft, neue Möglichkeiten zu nutzen, um da ich sage mal irgendwelche Rabatte weitergeben zu können und das macht die Sache einfach nur kaputt. #00:48:09-3#

Michael Pieper: Ja gerade dieser Bereich, die wir besprochen haben. Wie soll man da noch gute Beratung machen, wie soll das dann alles noch so funktionieren? #00:48:16-9#

Marco Zinn: Ja ich habe einen sehr guten Freund, der hat 2005, da gab es noch ein anderes Vergütungsmodell für Apotheken, der hat in Hamburg hinter dem Südbahnhof sage ich mal eine Apotheke neu eröffnet mit einer wahnsinnig hohen Ladenmiete. Also so um die 20.000 Euro im Monat. Und der hatte auch im Vorfeld sich das gut überlegt. Also da waren sehr viele hochpreisige Medikamente, die er umgesetzt hat, gerade aus der Drogenszene so mit Hepatitis und HIV-Präparate. Das ist leider Gottes dann 2006 gekippt worden alles, #00:48:54-5#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:48:55-0#

Marco Zinn: Wurde umgestellt und diese hochpreisigen Medikamente, die haben ihm nur einen Riesenumsatz beschert, aber einen niedrigen Gewinn. #00:49:01-4#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). #00:49:02-5#

Marco Zinn: So und er ist also wirklich, ich habe jetzt den Kontakt ein bisschen verloren, aber ich glaube seine Apotheke ist zu. Das ist einfach nicht tragbar sowas. #00:49:10-6#

Michael Pieper: Ja. Interessant. Auch nochmal ein interessantes Beispiel. #00:49:13-8#

Marco Zinn: Ja und der hat zum Beispiel erlebt, dass auf der anderen Straßenseite Apotheken einfach Nasenspray für die Hälfte des Preises angeboten haben und die Leute sind dann zu ihm gekommen und haben gesagt, warum ist das bei dir so teuer? Und er hat dann den Fehler gemacht, er war ja gar nicht drauf vorbereitet, er hat ja diese Ware gar nicht so günstig eingekauft. Und hat dann gesagt, ja kriegst du auch für ein 1,10 Euro oder so und da ist natürlich dann der Fehler hoch Zehn. #00:49:40-5#

Michael Pieper: Ja ist klar. #00:49:41-3#

Marco Zinn: Also man muss sich auf solche Sachen eigentlich vorbereiten können und nicht nur, dass hirnlos irgendwo jemand den Preis niedersetzt. Diese Apotheker, die sind auch unbelehrbar. Die werden das immer wieder machen. Die denken, der Erfolg gibt ihnen Recht. Die Leute kommen ja. Nur, dass die, wenn sie wirklich Betriebswirtschaftslehre studiert hätten oder einen vernünftigen Steuerberater hätten oder wie auch immer, dann würde der denen erstmal vorrechnen wieviel eigentlich an Mehrpackungen verkauft werden müssen, damit es das überhaupt rechnet. #00:50:11-3#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). Ja klar. #00:50:13-4#

Marco Zinn: Wenn die das einmal wüssten, dass das totaler Schwachsinn ist von einem ganz normalen Standardempfehlungspreis die Hälfte zu nehmen, dass man da was weiß ich hunderte von Schachteln mehr verkaufen muss, damit sich das rechnet, dann würden die das auch nicht mehr machen, aber einige machen es ja immer wieder. #00:50:28-8#

Michael Pieper: Ja. Marco, bisschen mit Blick auf die Uhr. Also ich bin erstaunt. Wir sind schon fast jetzt #00:50:37-2#

Marco Zinn: Oh. #00:50:37-7#

Michael Pieper: Eine Stunde, aber es ging irgendwie total schnell um und es war auch total spannend. Vielleicht nochmal so gegen Schluss. Hast du noch eine Ressource, eine Buchempfehlung oder eine Website, was du unseren Hörern empfehlen kannst? #00:50:53-9#

Marco Zinn: Also ich bin unheimlich gerne auf Apotheke Adhoc unterwegs. Das ist also für mich eine Seite, wo ich so ein bisschen das politische Geschehen auch abschätzen kann. Da sind ja relativ zügig Informationen sozusagen eingestellt, wenn es um irgendwelche politischen Geschichten geht. Also das finde ich zum Beispiel als Kurzempfehlung. Ja. #00:51:14-2#

Michael Pieper: Apotheke Adhoc wird öfter genannt. Stellen wir nochmal mit in die Shownotes hinterher rein. Ansonsten gibt es sonst Sachen, die du machst so, um auf dem Laufenden zu bleiben? Fortbildungen oder? #00:51:26-9#

Marco Zinn: Also wir versuchen natürlich sozusagen Fortbildungen soweit wie es geht mitzunehmen. Ich habe über unseren Großhandel organisierte Fortbildungen haben wir hier bei uns im Programm und ansonsten eigentlich ist es natürlich schon sehr lokal schwierig hier in Cuxhaven in erreichbarer Nähe vernünftige Fortbildungen zu bekommen. Deswegen müssen wir halt tatsächlich immer mal gucken und uns umgucken. Da hat man es natürlich in Metropolen etwas einfacher. #00:51:54-3#

Michael Pieper: Klar. Ich meine da ist natürlich auch wirklich nochmal die, könnte man digitale Lösungen nochmal in Betracht ziehen, weil gerade so jetzt #00:52:00-8#

Marco Zinn: Genau. #00:52:01-0#

Michael Pieper: Im ländlichen Bereich ist das, so mit Webinar und so weiter ist ja ganz interessant. #00:52:05-1#

Marco Zinn: Das haben wir auch schon öfter gemacht. #00:52:06-7#

Michael Pieper: Ah ja. #00:52:06-8#

Marco Zinn: Das macht auch wirklich Sinn. Also es gibt ja verschiedene Bereiche und ich Pharma For You, es ist auch so eine Plattform, die wir gerne benutzen. #00:52:15-1#

Michael Pieper: Mhm (bejahend). Ja interessant. #00:52:16-5#

Marco Zinn: Da geht es auch um Rezepturen und da haben wir auch schon öfter mal sage ich mal Fortbildungen so Webinare gemacht. Mhm (bejahend). #00:52:23-0#

Michael Pieper: Okay. Klasse. Marco, es war super kurzweilig und spannend mit dir zu quatschen. (lachen beide) #00:52:31-3#

Marco Zinn: Klar. Hat Spaß gemacht. #00:52:32-3#

Michael Pieper: Und ich bedanke mich bei dir. Wünsche dir weiter alles Gute. Bleib noch einen kleinen Moment in der Leitung. Ich sage schon mal unseren Zuhörerinnen und Zuhörern. Tschüss! Das war’s für heute. Und bis zum nächsten Mal bei APOTHEKEN-FACHKREIS.FM. Ciao! #00:52:48-2#

Marco Zinn: Jo tschüss! #00:52:49-1#