Interview mit der Schweizer Apothekerin und Kult-Bloggerin Pharmama

Pharmama bloggt erfolgreich über ihre Arbeit in der Apotheke, ihre junge Familie und über interessante Dinge aus der digitalen Sphäre. Mit ihren Beiträgen gibt sie den Apotheken eine Stimme und schafft einen lebhaften Austausch mit Menschen aus aller Welt zum Thema Gesundheit. Zum Schutz der Patientensicherheit und um Interessenskonflikte zu vermeiden, schreibt sie unter dem Pseudonym Pharmama.

Pharmama, seit 2008 teilst du deine Erfahrungen aus dem Apothekenalltag in deinem Blog. Wie bist du zum Bloggen gekommen?

Ich glaube, ich hatte nach der Geburt von Junior zu viel Zeit. Bis ich nach 4 Monaten wieder angefangen habe zu arbeiten, habe ich zwischendurch im Internet gesurft und bin dabei erstmals auf Blogs gestoßen. Speziell interessant fand ich natürlich die Apothekenblogs – hauptsächlich aus den USA. Nach einer Weile mitlesen fand ich, dass ich das sicher auch kann. Dann habe ich mir Gedanken darüber gemacht, in was für einem Rahmen ich das machen will und habe dann einfach angefangen. Mein Ziel war es dabei immer, den Leuten die Arbeit in der Apotheke etwas näher zu bringen und sie gleichzeitig zu unterhalten. Ganz nebenbei lerne ich dabei immer noch etwas dazu und es hat sich als „Ventil“ etabliert, wo ich mich abreagieren kann.

Was treibt dich im Leben an?

Hauptsächlich die Neugier. Ich will immer wissen, was noch kommt. Und weil von nichts machen nichts kommt, mache ich inzwischen eine Menge, was ich mir früher nicht zugetraut hätte. Junior hält mich zusätzlich auf Trab und ich freue mich, ihm die Welt zu zeigen.

Wie sieht ein typischer Tagesablauf bei dir aus?

Das ist ein Balanceakt zwischen Arbeit, Familie mit Kind und dem Hobby bloggen. Das funktioniert, weil ich in Teilzeit arbeite und mein Mann mich unterstützt. Den typischen Tag gibt es nicht, weil ich manchmal morgens arbeite, manchmal abends (bis 8 Uhr) und gelegentlich am Wochenende. Das ist so koordiniert mit der Schule vom Junior, dass er nur noch einen halben Tag ins Tagesheim muss.

Was ist die lustigste Geschichte die dir passiert ist bzw. über die du berichtet hast?

Oh, das ist schwierig. Vor allem wechselt es ständig, es kommt ja auch immer noch neues dazu. Viele der besten Geschichten habe ich übrigens in meinem Buch „Haben Sie diese Pille auch in grün?“ gebracht. Das hat eine Frau tatsächlich einmal bei mir verlangt, indem sie mir als Anschauungsmaterial eine rot-weisse Kapsel hingehalten hat. Was sie tatsächlich wollte war aber nicht ein Farbwechsel der besseren Optik wegen, sie suchte nach einem Medikament, das sie schon einmal gehabt hat und wieder wollte. Ich fand es lustig, vor allem weil es sich so nach „dasselbe in grün“ anhört.

Was ist in Planung? Gibt es bald etwas Neues?

Ich bin dran zu schreiben – allerdings mehr für mich und den Blog. Unter anderem auch an einer längeren Kurzgeschichte über Apotheke und Zombies.

Welche Bedeutung hat deiner Ansicht nach die Digitalisierung für die Apotheken?

Oh, das kommt. Elektronische Rezepte, die Gesundheitskarte, Online-Apotheken, Apotheken-Homepages. Wer da heute nicht mitmacht, verpasst den Anschluss. Dabei sind aber noch viele Fragen offen und an der Sicherheit muss auch dringend gearbeitet werden um hier Datenschutz zu gewährleisten.

Wird die Vor-Ort Apotheke vom Versandhandel verdrängt?

Das denke ich nicht. Wie überall geht es auch hier um Angebot und Nachfrage. Auf dem Land zum Beispiel wo es schon jetzt nur sehr weit gestreut Apotheken gibt, ist die Wahrscheinlichkeit natürlich höher, dass ein Teil der Menschen zum Versandhandel abwandert und die Vor-Ort Apotheken dort noch schneller aussterben. In den Städten und an Knotenpunkten gibt es dafür momentan immer mehr Apotheken. Dort könnte dann auch eine Ausdünnung stattfinden, aber dort würde man das nicht so merken wie auf dem Land. Aber die Vor-Ort Apotheke wird es auch weiterhin geben und das ist gut so!

Wie stellst du dir die Gesundheitsversorgung der Zukunft vor?

Darüber sollte ich mal einen Blogpost schreiben. Ich spreche hier natürlich nur für die Schweizer Apotheken, aber das könnte spannend werden, weil wir mehr Kompetenzen bekommen – analog wie die Versorgung durch die überlasteten Hausärzte und die überfüllten Notfallstationen abnimmt, bekommen wir mehr zu tun. Dafür braucht es mehr Wissen und Weiterbildung, aber so wie es aussieht dürfen wir bald eine gewisse Grundversorgung und Kontrollen machen (wie bei Blutdruck, Blutzucker) und dazu die Medikation, nicht nur die Abgabe überwachen, sondern auch anpassen. Dazu kommt, dass wir impfen dürfen – das ist momentan nur sehr eingeschränkt in manchen Kantonen möglich (wie die Grippeimpfung). Dann bin ich auch sehr gespannt auf die neuen Technologien und auf neues Wissen. Zum Beispiel Dinge wie geschlechtsspezifische Anpassung der Medikation oder nach Gentests. Vielleicht können wir auch zukünftig manche Tabletten spezifisch für die Person in der Apotheke drucken wie mit dem 3D-Drucker.

Welchen Tipp würdest du anderen Apothekern und PTA`s mit auf den Weg geben?

Den Apothekern und PTAs in Deutschland? Gebt Euch und Eure Arbeit nicht auf. Sie ist wichtig und sie kommt auch bei der Bevölkerung gut an, wenn sie sieht, was ihr macht. Wehrt Euch gegen die Bevormundung durch die Krankenkassen und die Politik. Zeigt, was ihr könnt. Zeigt auf, was ihr noch machen könntet. Und verkauft Euch nicht unter Wert.

Welche Website, Blog o.ä. kannst du uns empfehlen?

Meinen natürlich: https://pharmama.ch. Aber es gibt auch noch weitere gute: Ohne Apotheker fehlt Dir was ohne-apotheker-fehlt-dir-was.de und Ärzte-Blogs lese ich auch sehr gerne. Allen voran der Kinderdoc: kinderdoc.wordpress.com

Vielen Dank für das Interview!