Ob Bekleidung, Kosmetik, Möbel oder mittlerweile sogar Lebensmittel, es gibt kaum etwas, das nicht online erhältlich wäre. Zunehmend stöhnt der Einzelhandel unter dem Konkurrenzdruck von Onlineshops, die in der Gunst der Kunden immer weiter steigen. In letzter Zeit spüren auch zunehmend Apotheken diesen Wandel: So verschwanden zwischen den Jahren 2010 und 2015 deutschlandweit über 1000 Apotheken von der Bildfläche. Besonders betroffen sind die alten Bundesländer, während in den neuen Bundesländern teilweise sogar ein Zuwachs zu verzeichnen ist. Insgesamt zählt die Bundesrepublik noch rund 20 000 Vor-Ort Apotheken.

 

Der allgemeine Apothekenrückgang steht jedoch im Kontrast zum insgesamt hohen Umsatz. So erwirtschafteten deutsche Apotheken im Jahr 2014 45,8 Mrd. Euro (ohne MwSt.), wobei der durchschnittliche Umsatz pro Apotheke bei rund 2 Millionen Euro lag. Dabei erreichen jedoch etwa 60 Prozent der Apotheken diesen Wert nicht. Einige große Apotheken liegen dafür jedoch deutlich darüber.

Versandhandel und Co. erobern immer mehr Marktanteile

Gerade in den Städten ist die aktuelle Situation von einem starken Konkurrenzdruck zwischen den einzelnen Apothekenfilialen geprägt. Kein Wunder, herrscht doch ein regelrechter Kampf um die Gunst der Kundschaft. Diese wendet sich nämlich immer öfter und lieber Online-Apotheken zu, welche nicht nur mit niedrigeren Preisen, sondern auch mit zahlreichen weiteren Vorteilen locken. Was der Kunde allgemein an Onlineshops schätzt, zieht ihn im Speziellen auch zu Online-Apotheken. So überzeugen die Onlineanbieter mit einer großen Produktauswahl, der Shoppingmöglichkeit rund um die Uhr sowie hohem Komfort – jedes gewünschte Produkt ist stets nur ein paar Klicks entfernt. Diese Vorteile machen sich auch Online-Apotheken zunutze, was Vor-Ort Apotheken natürlich zu spüren bekommen.

 

Mittlerweile mischt sogar schon der Versandriese Amazon im Online-Apothekengeschäft mit. Zwar darf Amazon aus rechtlichen Gründen keine Medikamente verkaufen, die Integrierung der Shops von Anbietern wie Aponeo oder Medpex ist hingegen überhaupt kein Problem. Apothekenpflichtige Produkte werden rein über diese verkauft, während anderes wie etwa Diabetiker-Teststreifen auch direkt von Amazon angeboten wird. Diesen Unterschied merkt der Kunde jedoch gar nicht zwangsläufig, denn auch wenn sowohl Verkauf als auch Versand über eine Partnerapotheke abgewickelt werden, geschieht beides über die Plattform Amazon. Das freut letztendlich nicht nur die Kunden, sondern auch Amazon sowie die vertretenen Online-Apotheken. Letztere genießen nämlich dank der Präsenz auf Amazon eine enorme Reichweite, während Amazon offiziell 15 Prozent des erzielten Umsatzes erhält. Apothekenpflichtige Produkte werden auf Amazon sogar in vielen Fällen teurer als im hauseigenen Onlineshop der jeweiligen Versandapotheke angeboten. Dies funktioniert, da Kunden das Einkaufserlebnis auf Amazon so schätzen. So bringt die Präsenz auf Amazon den Online-Apotheken nicht nur ein deutliches Plus für ihren Bekanntheitsgrad, sondern auch für ihren Umsatz.

 

Neben der Zusammenarbeit mit dem Versandriesen Amazon versuchen Online-Apotheken jedoch auch auf andere Arten, traditionelle Apotheken zu verdrängen und den Markt zu erobern. Vor-Ort Apotheken haben jedoch gerade im Bereich Service und Beratung noch immer die Nase vorn. Diesen Nachteil versuchen die Online-Anbieter mit Maßnahmen wie Live-Beratung per Video-Chat auszugleichen. Die bekannte Online-Apotheke Doc Morris möchte gleich mit einem komplett neuen Konzept an den Start gehen. So hat Doc Morris zukünftig vor, Medikamente aus dem Automaten anzubieten. Dies würde selbstverständlich unter den Augen eines Apothekers geschehen, nur wäre dieser eben nicht selbst vor Ort, sondern über einen Bildschirm zugeschaltet. Hat die Vor-Ort Apotheke angesichts derartiger Entwicklungen überhaupt noch eine Chance?

Gestärkte Kundenbeziehung, Service und digitale Technologien – so überlebt die Vor-Ort Apotheke mit Apothekenmarketing

Die Antwort auf diese Frage ist ebenso kurz wie klar: Ja. Sie muss sich jedoch richtig auf dem Markt positionieren und den Kunden das liefern, was sie sich wünschen. Der Beratungs- und Servicevorteil gegenüber Online-Anbietern sollte noch stärker gepflegt werden, denn gerade hier können Vor-Ort Apotheken am meisten punkten. Mit guter und individueller Beratung, einem interaktiven Serviceangebot, einem Mix aus Expertise und Kompetenz sowie dem gezielten Einsatz digitaler und interaktiver Technologien kann die Kundenbeziehung gestärkt und dem Apothekenrückgang entgegengewirkt werden.